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Valerie

(Valerie, 2006)

Dt.Start: 26. April 2007 Premiere: 17. Juli 2006 (Festival, Deutschland)
FSK: ab 6 Genre: Drama
Länge: 84 min Land: Deutschland
Darsteller: Agata Buzek (Valerie Nowak), Devid Striesow (André), Birol Ünel (Jaro), Ricarda Meßner (Wanja), Anne Sarah Hartung (Isa), Sabine Vitua (Ellen), Miriam Sachs (Charlotte), Jewgenij Sitochin (Viktor), Guntbert Warns (Isenberg)
Regie: Birgit Möller
Drehbuch: Milena Baisch, Ilja Haller


Inhalt

Das Luxusleben des einst erfolgreichen Fotomodels Valerie ist wegen ausbleibender Aufträge schlagartig vorbei. Zum Schein checkt sie im Berliner Hyatt Hotel am Potsdamer Platz ein, doch in Wahrheit übernachtet sie aus Geldmangel in der Tiefgarage des Nobelhotels. Dort trifft sie auf den geschiedenen Wächter Andre, der sie schließlich bei sich aufnimmt.
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Kritik

Valerie hat eine Wertung von 70%
Ein ausgemustertes Topmodel strandet kurz vor Weihnachten in Berlin und erlebt die Schattenseiten des Glamours. Regiedebütantin Birgit Möller erzählt in dem Model-Drama Valerie vom schleichenden Abstieg ins Nichts und vom ewigen Selbstbetrug. Intimes TV-Drama, das den Sprung auf die Leinwand geschafft hat.

Bild aus Valerie Valerie ist ein Top-Fashionmodel mit einem Problem: ihre Zeit im Fashionzirkus ist vorbei und sie hat das noch nicht mal bemerkt. Schlimmer noch die Karawane der Schönen, Eitlen und Erfolgreichen zieht einfach weiter und lässt sie "gedankenlos" zurück.

Noch ist Valerie mit sich und der Glamourwelt im Reinen, als sie sich kurz vor Weihnachten ins teure Berliner Hyatt-Hotel einquartiert. Doch ihre Kreditkarte ist ausgeschöpft und Bargeld hat sie keines zur Hand. So kann sie das Zimmer nicht bezahlen und hat noch nicht einmal die 10 Euro Parkgebühren für das Auto in der Tiefgarage. Als echtes Glamourgirl kann sie bei ihren Kolleginnen natürlich kein Geld borgen, denn darüber spricht man ja nicht. Der Ex-Freund und Fotograf tröstet sich gerade mit einer neuen Muse und auch sonst ist in dieser Stadt kein freundliches Gesicht zu finden. So schläft Valerie im Auto, doch sie wird vom Hyatt-Parkwächter André (Devid Striesow) verscheucht. Ein paar Tage lang kann sie das Hotel betrügen, doch des Nachts muss sie immer wieder zum Auto zurückkehren, bis André ein Einsehen hat und ihr dort etwas Ruhe gönnt.

Die Not wird wieder größer, als der Jaguar abgeschleppt wird. Für ein warmes Bett erwägt sie sogar die Prostitution, schläft im Bankfoyer und wird als Obdachlose von der Polizei aufgegriffen. Kurz keimt Hoffnung auf, als sie bei André unterkommt. Sie revanchiert sich für die Freundschaft, in dem sie der herablassenden Ex-Ehefrau die neue Freundin vorspielt. Fast kommen tatsächlich Gefühle zwischen den beiden auf. Doch Valerie entscheidet sich für den Glamour und damit für das Dasein als "Schattenfrau"...

Agata Buzek spielt Valerie als physisch zerbrechliches Seelchen, das in einer schillernden Traumblase lebt und nach dessen Platzen von der Realität durchgeschüttelt wird. Das Regiedebüt von Birgit Möller besticht nicht nur durch die Performance ihrer polnischen Hauptdarstellerin sondern auch durch die geradlinige Inszenierung, die zu keinem Zeitpunkt von der Seite der Titelfigur weicht. Zwar spürt man die limitierten Produktionsbedingungen, die auf einen Fernsehstart abzielten, doch den Zauber der Erzählung können die DV-Kamera und kleineren Bildausschnitte nicht zerstören - im Gegenteil.

Die Regisseurin und ihr Autorenteam haben sich einiges einfallen lassen, um den Clash der Mileus nicht in Stereotypen enden zu lassen. Das winterlich graue und stählerne Berlin spiegelt perfekt die Kälte und Einsamkeit der Menschen wider. Gefühlvoll mit einem Schuß Melancholie porträtiert Frau Möller die moderne Schein-Gesellschaft. Die offenbart sich vor allem in jener Szene so herrlich sarkastisch, wenn Valerie nach ihrem missglückten Prostitutionsversuch vor der gutbürgerlichen Mutter des reichen Freiers steht, um ihre vergessene Handtasche zu erbitten. Valerie ist das zarte Drama eines Untergangs mit wehenden Fahnen. Hier geht es nicht um Ausweglosigkeit, Trostlosigkeit oder Unausweichlichkeit, sondern um den schleichenden Prozess, der mit der Ignoranz der Realität und der Fixierung auf einen leeren Glamour beginnt. Ein Selbstbetrug, der im Falle von Valerie nicht einmal durch den knurrenden Magen Aufmerksamkeit erregt, denn den hat sie dank Modelkarriere sowieso.

von Harald Witz


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