Mit beeindruckenden Spezialeffekten und Dialogen, die besser dem Rotstift der Drehbuchautoren zum Opfer gefallen wären, wartet die Fortsetzung von Fantastic Four auf sein Publikum. Produzent Bernd Eichinger liefert zwar mit Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer einen optisch durchaus sehenswerten Film ab, doch qualitativ ist er seinem Vorgänger weit unterlegen. Da hilft auch kein außerirdisches Wesen, dass die Welt zerstören will oder unangemeldet in die Hochzeit von Reed "Mr. Fantastic" Richards (Ioan Gruffudd) und Sue "Invisible Girl" Storm (Jessica Alba) hereinplatzt.
Man hätte ja denken können, dass Regisseur Tim Story aus den Schwachpunkten des ersten Teils lernt und bei Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer mehr Wert auf eine gute Geschichte und Weiterentwicklung der Figuren legt, doch weit gefehlt. Wie in seinem Vorgänger Fantastic Four sind die Anlagen dafür da, doch leider fehlt der Mut, den Marvelfiguren Tiefgang zu verleihen.
Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist die bevorstehende Hochzeit von "Mr. Fantastic" Reed Richards (Ioan Gruffudd) und "Invisible Girl" Sue Storm (Jessica Alba). Alles ist vorbereitet und sogar "Das Ding" Ben Grimm (Michael Chiklis) und Johnny Storm, genannt "Die menschliche Fackel" (Chris Evans), freuen sich auf das Ereignis. Doch Reed sorgt sich auch um mysteriöse Naturphänomene. Seen versteinern ohne erkennbaren Grund, auf den Pyramiden liegt plötzlich Schnee, es entstehen immer mehr Krater, die zum Erdmittelpunkt führen und es kommt zu seltsamen Stromausfällen. Als Ursache wird von General Hager (Andre Braugher) ein rätselhaftes Objekt vermutet, das sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt und auf den Satellitenfotos wie ein silberner Blitz erscheint. Zur ersten Begegnung mit dem Silver Surfer kommt es natürlich auf der Hochzeit. Schnell wird den Fantastic Four bewusst, dass sie es mit einem starken Gegner zu tun haben und der Untergang der Welt kurz bevor steht.
Es gibt auch ein Wiedersehen mit Fiesling Victor Von Doom (Julian McMahon), der den Superhelden nicht ganz uneigennützig zur Seite steht. Doch der Höhepunkt ist der Silver Surfer (Doug Jones). Die Spezialeffekte und die Animation dieser Figur sind ein wahrer Augenschmaus. Das erkennt auch Chris Evans in der Rolle der menschlichen Fakel, der ein beeindrucktes "Cool!" ertönen lässt, nachdem der Silver Surfer geschmeidig wie Butter mit seinem Surfboard durch ein Fenster gleitet. Leider einer von wenigen Höhepunkten des Streifens.
Die Drehbuchautoren Mark Frost und Don Payne bemühten sich zwar etwas Humor in den Film zu bringen, doch wirken die Lacher eher erzwungen und mühevoll hineingestrickt. Sie schaffen es nicht mit der Figur von Johnny Storm, der mit seinen überheblichen Macho-Sprüchen immerhin den ersten Teil etwas auflockerte, noch mehr Lacher auf ihre Seite zu bringen. Immerhin versuchten sie Chris Evans Rolle etwas weiter auszubauen, doch auch wenn mehr Fokus auf ihm liegt, so scheiterten sie doch bei dem Versuch ihm Tiefe einzuhauchen. Ebenso hat auch die Disco-Tanzeinlage von Ioan Gruffudd als Mr. Fantastic eher etwas Lächerliches an sich und erfüllt, wie so einige andere Szenen, keinen dramaturgischen Zweck. Immerhin zeigt sie, dass Ioan Gruffudd sein Job durchaus Spaß macht und er auch einen lockeren Gesichtsausdruck beherrscht.
Ohne etwas vorweg zu nehmen, sollten eingefleischte Marvelfans bei der Figur des Galactus Gnade vor Recht walten lassen. Dieser ist die eigentliche Ursache des drohenden Untergangs und schon im Vorspann wird seine Macht, einen Planeten binnen kürzester Zeit völlig zu zerstören, gut dargestellt. Solch einem mächtigen Wesen kann man optisch nur sehr schwer gerecht werden, daher sei Tim Story zumindest in diesem Punkt verziehen.
Es gibt Filme, die sind zu Ende und man fragt sich, wie schnell zwei Stunden vergehen können. Es gibt aber auch solche, bei denen man das Kino verlässt und erstaunt ist, dass erst 92 Minuten vergangen sind, denn die gefühlte Zeit betrug mindestens 160 Minuten. Leider ist Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer einer der Letzteren. Nach sechsmonatiger Drehzeit und einem Budget von 130 Millionen US-Dollar hätte man, von den guten Spezialeffekten einmal abgesehen, wirklich etwas mehr erwarten können. Dennoch: Wer den ersten Teil mochte, wird sicher auch den zweiten mit seiner aufgesetzten humanistischen Botschaft und den familiengerecht verpackten Kämpfen mögen.