Ein Dorfträumer steigt über eine Mauer ins magische Reich Stronghold, um sich in einen vom Himmel gefallenen Stern zu verlieben. Was nicht schwer ist, wenn er von Claire Danes gespielt wird. Dummerweise gibt es einige Finsterlinge (z.B. Michelle Pfeiffer, Jason Flemyng, Rupert Everett und Robert De Niro), die die kosmische Magie des Sterns gerne für sich nutzen wollen.
Seit den Neunziger Jahren hat sich Neil Gaiman einen hervorragenden Ruf als vielseitiger Autor erarbeitet. Unter anderem zeichnet er für das Comic-Epos Sandman verantwortlich und machte sich gemeinsam mit Kollege Terry Pratchett in Gute Omen über die Apokalypse lustig. Fantasyfans überraschte Gaiman mit dem märchenhaften Bestseller Der Sternwanderer (bei Blanvalet erschienen). Schon seit Jahren sind zahlreiche Gaiman-Stoffe für Verfilmungen im Gespräch, doch die pittoreske Geschichte um den vom Himmel fallenden Stern schaffte es als Erste, das Licht der Kinoprojektoren zu erblicken.
Grundlage bildet weitestgehend die alte Sage von Brigadoon, die schon Gene Kelly 1954 zu einem fantastischen Musical animierte. Gaiman, Autorin Jane Goldman und Regisseur Matthew Vaughn verlegen die Handlung ins viktorianische Zeitalter und lassen einen jungen Mann das uralte Verbot ignorieren, die seit Urzeiten am Ortsrand befindliche Mauer zu überqueren,und sich im fantastischen Reiche Stormhold in die Dienerin einer Marketenderin zu verlieben. Das Resultat dieser Affäre wird ihm neun Monate später vor die Tür gelegt, hört auf den Namen Tristan und folgt 18 Jahre später den Fußstapfen des romantischen Vaters. Allerdings drängt Tristan (Charlie Cox) nicht die simple Neugierde über die Mauer, sondern der naive Wunsch, seiner blonden Angebeteten (Siena Miller) jenen Stern zu bringen, der in der lauen Sommernacht da drüben niedergegangen ist. Allerdings entpuppt sich der Steinklumpen als schöne, junge und streitsüchtige Yvaine (Claire Danes). Ihre kosmische Existenz ist anderen, weniger skrupellosen Bewohnern von Stronghold so kostbar, dass ihr zu gerne das Herz herausreißen möchten, bevor sie ihre magische Unschuld verliert.
Da sind zum Beispiel die sieben Söhne des sterbenden Herrschers (Peter O'Toole), der sich absolute Macht für seinen Nachfolger erhofft. Dass sich die sieben Söhne (u.a. Jason Flemyng, Rupert Everett) dafür gegenseitig umbringen, steht dabei im Einklang mit den Traditionen des Landes. Nicht minder skrupellos sind die drei alten Hexen, die sich ewige Jugend und Kraft wünschen. Also macht sich die die fürchterlichste von ihnen, Lamia (Michelle Pfeiffer), auf den Weg, die kostbare Jungfrau dingfest zu machen. Dass sich auf der Welt von Stronghold noch weitere zwielichtige Gestalten wie Pirat Shakespeare (Robert De Niro) oder Händler Ferdy (Ricky Gervais) herumtreiben, ist ebenso selbstverständlich wie die Tatsache, dass sich die Streithähne Tristan und Yvaine in einander verlieben müssen und sich der naive Träumer in einen adretten Prinz Wunderhold verwandelt...
Nein, bierernst geht es in Der Sternwanderer nicht zu. Schon Neil Gaimans ironischer Stil, mit der er die Fantasysatire zum Bestseller schrieb, verbietet dem Werk, sich selbst ernst zu nehmen. Wie einst Die Braut des Prinzen oder zuletzt die durchgeknallte Komödie Ella Enchanted liebt es Der Sternwanderer mit Genreversatzstücken zu spielen, sie zu ironisieren oder schlicht ins Absurde zu verdrehen. So darf Robert De Niro mal wieder in Mieder und Büstier schlüpfen, während Michelle Pfeifer - zwischen akuter Schönheitsperfektion und faulem Schrumpelapfel pendelnd - geradezu bösartig ihr eigenes Image persifliert.
Allerdings kann Matthew Vaughn den lockeren Ton der Satire nicht konsequent aufrechterhalten. Der Screwballkomödie verpflichtet, konzentriert sich Vaughn zu sehr auf das Liebespaar, denen es leider an humoriger Raffinesse mangelt. So rutschen viele Gags ins Alberne oder Kitschige ab. Selten wird das vorhandene Potenzial voll ausgeschöpft wie von De Niro oder Pfeiffer. Andere, wie die verblichenen Brüder als illustre Beobachter sind dem Erzähler bald im Wege. Auch werden viele angerissene Motive zugunsten der stereotypen Haupthandlung bald vergessen, wird die innere Logik des magischen Landes um der Handlungsstruktur willen öfter mal verbogen.
Vaughns Inszenierung schlingert zwischen heiterer Unterhaltung, dröger Satire und teuren Albernheiten, ohne sich festzulegen. Das kostet Der Sternwanderer letzlich den ganz großen Erfolg, selbst wenn die Zeit für eine Fantasysatire längst schon überreif ist. Schon scharrt ernsthafte Konkurrenz wie z.B. Der Goldene Kompass für den Kinowinter mit den Hufen oder Pfoten.
Die Neil Gaiman-Adaption hingegen erweist sich als zu harmlos und unausgegoren, um restlos überzeugen zu können. Nur wer sich auch mit einer ganz leichten Zwischenmahlzeit zufrieden gibt, kommt auf seine Kosten. Immerhin, solch schreckliche Piraten ("Huaarr") wie De Niro, grausame Hexen wie die Pfeiffer oder windige Händler wie Gervais kriegt man in ernsten Fantasy-Werken nicht zu sehen.