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Mit Bug liefert William Friedkin nach langer Zeit mal wieder einen - zumindest in der ersten Hälfte - soliden Horror-Thriller ab. Leider gibt er sich aber mit zu wenig zufrieden und lässt den Zuschauer kaum an den im Film behandelten Umständen teilhaben, weswegen trotz sehr guter darstellerischer Leistungen der Akteure der Grossteil des Potentials vollkommen verschenkt wird. Zwar hätte dies ein durchwegs beklemmendes Juwel werden können, doch die fehlende Spannung und der kilometerweit vorhersehbare Schluss sorgen für ein wenig berauschendes Gesamtbild.
Immer wieder werden einzelne Filme dermaßen in den Himmel hinauf gelobt, dass es ihnen dann schwer fällt, den Erwartungen gerecht zu werden. Doch dies ist nur eines der Probleme, mit welchen William Friedkins (Der Exorzist, Rules - Sekunden der Entscheidung) neuestes Werk Bug zu kämpfen hat.
Nach der Scheidung von ihrem Gewalttätigen Mann Jerry (Harry Connick Jr.), ist die Barfrau Agnes White (Ashley Judd) in die Abgeschiedenheit eines heruntergekommenen Motels in Oklahoma geflüchtet, wo sie in Trauer um den Verlust ihres Sohnes ein trostloses Dasein fristet. Einzig ihre lesbische Arbeitskollegin R.C. (Lynn Collins), sowie ihre Lieblingsdrogen Hasch und Kokain, sind die Dinge, welche sie an sich heran lässt. Eines Tages bringt R.C. einen Fremden namens Peter Evans (Michael Shannon) mit zu Agnes nach Hause, welcher sich als sehr introvertiert und mysteriös herausstellt. Da Agnes aber gerade ein großes Bedürfnis nach Gesellschaft hat - ihr Ex-Mann wurde kürzlich aus dem Gefängnis entlassen und stellt ihr telefonisch nach - lässt sie sich auf eine Affäre mit dem gut gebauten Kriegsveteranen ein. Das Glück der beiden währt allerdings nur kurz, denn Peter entdeckt schon bald winzig kleines Ungeziefer, welches sich unaufhaltsam im Motelzimmer verbreitet und vermehrt.
Während der ersten Hälfte des Filmes ist man als Zuschauer noch sehr gefesselt: Die Atmosphäre ist beklemmend und unheimlich zugleich, die Figuren sind undurchsichtig, die Charaktere vielschichtig und die Handlung bleibt vorläufig interessant. Leider wird allzu bald klar, dass es sich (wie sogar die Tagline auf dem DVD-Cover bereits deutlich macht) bei der kompletten Bedrohung lediglich um Peters Wahnvorstellungen handelt, da der Zuschauer nie auch nur ein Exemplar der Plage zu Gesicht bekommt. Macht man sich diese Tatsache bewusst, weiß man bereits nach allerspätestens 50 Minuten, wie der Film enden wird. Vielleicht wäre es besser gewesen, William Friedkin hätte gewisse Szenen aus Peters Sicht gezeigt, damit der Zuschauer Agnes Verhalten besser nachvollziehen kann. Leider hat man sich jedoch dagegen entschieden und wollte den bildlichen Horror wohl der Phantasie des Zuschauers überlassen. Dieser Schuss geht allerdings nach hinten los, denn ohne jegliche sichtbare Gefahr, ist auch die Spannung bald verpufft und es schleicht sich mehr und mehr nur noch Langeweile ein. Für einen Kurzfilm mag diese Darstellungsweise ja noch genügend Substanz beinhalten, aber für einen Abendfüllenden Film reicht es bei Weitem nicht aus. Es ist zwar löblich, wenn dem Zuschauer etwas Vorstellungskraft abverlangt wird, aber wenn man ihn alles selbst machen lässt, braucht er schlussendlich keinen Film mehr.
Nachdem Bug Storytechnisch nicht überzeugen kann, liegt es an den Darstellern, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Grundsätzlich gelingt dies Ashley Judd (Doppelmord, Frida) und Michael Shannon (8 Mile, World Trade Center) auch, weswegen es der Film in Sachen Bewertung dann doch noch knapp ins Mittelfeld schafft. Ashley Judd hat zwar immer wieder mit einzelnen Momenten, in welchen die Nachvollziehbarkeit der Geschehnisse auf eine harte Probe gestellt wird, zu kämpfen, doch geht der Vorwurf hierfür eher in Richtung Drehbuchautorin Tracy Letts. Diese hat hier ihr eigenes Theaterstück selbst ziemlich suboptimal für die große Leinwand aufbereitet und die Darsteller somit vor teilweise unlösbare Herausforderungen gestellt. Die Geschichte wirkt einfach vollkommen durchlöchert, und dass jegliche Subplots nur kurz angeschnitten und wieder fallen gelassen werden, ist nur ein weiteres Merkmal für ein zu wenig durchdachtes Drehbuch. Am Besten kommt eindeutig Michael Shannon mit dieser Situation klar, doch hat er den Vorteil, dass er diese Rolle schon auf den Brettern, die die Welt bedeuten verkörpern dürfte. Der restliche Cast ist nur sehr kurz zu sehen und fällt dadurch kaum ins Gewicht.
Sicherlich gibt es den einen oder anderen Filmliebhaber, der von Bug begeistert sein wird und es handelt sich dabei seit langer Zeit auch ganz klar um einen der besseren Friedkin-Filme. Im Allgemeinen muss man aber dennoch von einer verschenkten Grundidee reden, welche bestimmt viel besser in Szene hätte gesetzt werden können. So bleibt ein interessanter Ansatz, ein paar wenige Überraschungen und zwei gute Darsteller, welche uns aber nicht bis zum zwangsläufigen Schluss bei der Stange halten können. Schade drum, aber so spart man sich wenigstens die Kosten für einen überflüssigen Besuch des Kammerjägers. |