Bei der Horror-Komödie Freak Out haben wir es mit einer Independent-Perle zu tun, welche allen Fans von Filmen wie Bad Taste viel Spass bereiten wird. Es ist ein Film von und für Fans des Genres und beinhaltet dermassen zahlreiche Anspielungen auf Genre-Klassiker, dass es eine wahre Freude ist, dem (zum Teil übertrieben) bunten Treiben zuzusehen. Trotz - oder gerade wegen - eines geringen Budgets, haben die Macher in knapp fünf Jahren aus einer durch geknallten Grundidee einen gleichermassen verrückten, wie auch unterhaltsamen Streifen geschaffen.
Hin und wieder kommt es vor, dass man über einen nahezu unbekannten Film stolpert und dann sehr positiv überrascht wird. Freak Out kann als Paradebeispiel für einen solchen Fall bezeichnet werden, denn was Regisseur-Neuling Christian James und Dan Palmer hier für ein Drehbuch geschrieben haben, kann nur als "genial" bezeichnet werden! Zwar wird dieser Film nicht jedem zusagen, doch wer schon bei Bad Taste viel gelacht hat, wird auch hier ganz sicher auf seine Kosten kommen. Den Vergleich zwischen diesen beiden Filmen kann man aber noch viel weiter ziehen, wo doch beide Filme in einem nahezu "privaten Rahmen" und über mehrere Jahre gedreht wurden. Zudem sind beides Hommagen an ein spezielles Horror-Genre: waren es bei Bad Taste die Splatter-Filme, welche es Peter Jackson angetan hatten, so sind es nun die Slasher-Filme - wie zum Beispiel Freitag der 13., Halloween oder auch Blair Witch Projekt - die gnadenlos und dennoch irgendwie charmant durch den Kakao gezogen werden.
Gleich zu Beginn des Films sehen wir, wie ein junger Vegetarier zuerst unsanft von seiner Mutter aus dem Auto bugsiert wird, um dann in der Schule von allen Mitschülern gnadenlos gehänselt zu werden. Er schwört Rache an seinen Peinigern und schon wird 13 Jahre nach vorne gespult: ein Mann in Psychiatrie-Kleidung läuft durch die Landschaft zu eben jener Schule, nur um festzustellen dass es diese nicht mehr gibt. Ohne Ziel vor Augen, verschlägt es ihn zufällig in das Haus von Merv Doody (James Heathcote), welcher als eingefleischter Horror-Fan die glorreiche Idee hat, aus diesem leicht metrosexuell wirkenden Verrückten einen gefürchteten Serienmörder zu machen. Zusammen mit seinem besten Kumpel Onkey (Co-Autor Dan Palmer) macht er sich an die Ausbildung, welche auch bald erfolgreiche Früchte trägt. Als die Beiden jedoch merken, dass sie jegliche Kontrolle über "ihren" Psychopathen verloren haben, wollen sie den Mörder mit Kartoffelsack und (!!!) Eishockeymaske schnellst-möglich wieder loswerden. Leider entpuppt sich dieses Vorhaben dann aber viel schwieriger als erwartet.
Anhand der Handlung lässt sich bereits erkennen: wer diesen Film ernst nimmt, verdirbt sich den Spass und ist selber schuld daran. Der Zuschauer bekommt haufenweise respektlose - aber dennoch sympathisch wirkende - Anspielungen auf sehr viele Genre-Klassiker und ein paar neuere, bekannte Filme geboten. Die gute Nachricht hierbei ist: fast alle Gags zünden auch! Höhepunkte sind hier beispielsweise die Aufführung vom Blair Witch Projekt als Theaterstück, diverse Anlehnungen an Sam Raimis Arbeiten (allen voran Mervs Grossmutter), sowie die wohl schrägste Persiflage auf die Duschszene aus Psycho. Freak Out schafft es auch, das Interesse des Zuschauers über die komplette Laufzeit hinweg aufrecht zu halten, und immer wieder in Sachen "Durchgeknalltheit" noch einen drauf zu setzen. Es ist schrill, es ist provokativ, es ist durchgeknallt, es ist krank... und einfach herrlich anzusehen.
Zwar sieht man dem Film auf den ersten Blick das geringe Budget an, doch wird diese Tatsache mit der Technik, dem Soundtrack und natürlich dem Humor mehr als kompensiert. Christian James zieht alle Register und beweist, dass er Sam Raimis Arbeiten sehr genau betrachtet hat, da er dessen Stil immer wieder auf eine moderne Art und Weise kopiert. Dazu kommt ein sehr unterhaltsamer Soundtrack, aus welchem man vor allem das "Maniac"-Cover mit dem Titel "Zaniac" und dessen perfekt zum Film passenden Text so schnell nicht wieder aus seinem Kopf bekommt. Auch die durch die Bank unbekannten Darsteller machen ihre Sache überraschend gut, wodurch ein einheitliches Gesamtbild entsteht, in dessen Zentrum der ruhige, schüchterne Merv und der überdrehte - und im Verlauf der Handlung immer wieder tödlich verletzte - Onkey es verstehen, mit ihren Mono- und Dialogen zu glänzen.
Wer hier aufgrund des DVD-Covers etwas Ähnliches wie Scary Movie erwartet, hat sich von den Marketing-Strategen in die Irre führen lassen: hier gibt es keine Veralberungen von Actionfilmen oder Hip-Hop-Dramen. Stattdessen bleiben die Macher sich und ihrer Idee treu und bieten uns so eine sehr gelungene, lustige und authentische Horror-Komödie, wie man sie schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr zu Gesicht bekommen hat. Allen, die nun Lust auf diesen irrsinnigen Streifen aus England bekommen haben, sei zum Schluss nur noch eines gesagt: "Get ready to Freak Out!!!"