Ein verwitweter Bestseller-Schriftsteller hat Schreibblockade und erfüllt deshalb den letzten Traum seiner verstorbenen Frau: er adoptiert ein Kind. Doch der junge, den er sich auswählt, lebt unter einem Karton und behauptet, vom Mars zu kommen. Während sein Lektor und seine Verlegerin händeringend auf neue Seiten warten, lernen die beiden miteinander zu leben. John Cusack und eine Reihe bekannter Stars machen Menno Meyjes sanft-ernste Komödie Mein Kind vom Mars sehenswert, auch wenn einmal mehr die Liebe alle Wunden heilt.
Lange stand John Cusack für smarte Unterhaltung wie die Krimikomödie Ein Mann, ein Mord oder High Fidelity. Von Action (ConAir) bis Romantik (Frau mit Hund sucht Mann mit Herz) veredelte er alle Filme, die ein wenig Dialogintelligenz zeigten. Doch sein Mut zum Risiko, sich in jedem Genre zu tummeln, hat ihm zuletzt weniger Glück gebracht. Gerade seine Projekte im Bereich Action und Horror wie The Contract, The Ice Harvest, Zimmer 1408 waren nicht vom Glück beseelt. Mit Mein Kind vom Mars kehrt er nun zumindest in freundlicher, sprich: komödiantischere Gefilde zurück und demonstriert eindrucksvoll seine Klasse.
Menno Meyjes, der sich bislang eher als Drehbuchautor hervor tat, adaptierte gemeinsam mit Jonathan Tolins und Seth Bass eine Kurzgeschichte des renommierten Science Fiction-Autors David Gerrold. Mit viel Engagement und Liebe zum Detail, aber auch mit Hang zu bekannten Genrestandards machte er daraus die gefühlvolle Familien-Dramödie Mein Kind vom Mars:
Cusack spielt darin den erfolgreichen Bestseller-Autor David, dessen letzter Roman gerade als Mega-Blockbuster verfilmt wird (Grund genug für eine satirische "Film im Film"-Sequenz). Nun erwarten sein Lektor Jeff (Oliver Platt) und seine Verlegerin (Kurzauftritt: Anjelica Houston) eine Fortsetzung. Doch David hat seit dem überraschenden Tod seiner Frau keine Zeile mehr geschrieben. Vielmehr treibt er durch den Tag in seiner schicken Villa und verbringt die Zeit bei einer Bekannten (Sophie Okonedo) im Waisenhaus. Dort freundet er sich mit dem merkwürdigen 6-jährigen Dennis (Bobby Coleman) an, der unter einem Waschmaschinen-Karton lebt und behauptet, vom Mars zu stammen. Gegen alle Warnungen und Ratschläge, z. B. seiner Schwester (Cusacks echte Schwester Joan), erfüllt David einen letzten Wunsch seiner Frau und nimmt Dennis in Pflege. Von der Adoptionsbehörde argwöhnisch beobachtet, setzt David nun Zuhause seine vertrauensbildenden Maßnahmen mit seinem kleinen "Außerirdischen" fort.
Lektor Jeff ist gar nicht amüsiert, denn er ahnt, dass David erst mal gar keine Zeit zum Schreiben hat. Nur Davids beste Freundin Harlee (Amanda Peet) unterstützt ihn. Bald kommen sich der Science Fiction-Autor und der Marsianer kommen sich langsam näher. Doch es kann nicht immer eitel Sonnenschein in der kleinen Familie herrschen. Als Dennis in die Schule muss, gibt es erste Probleme. Und kaum hat sich David endlich wieder mal an den Schreibtisch gesetzt, kommt es zur Krise...
Menno Meyjes kann sich ganz auf seinen Star John Cusack verlassen. Der nimmt den aussichtslosen Kampf mit einem Kind als Gegenspieler gemäß des alten Schauspieler-Ratschlags gar nicht erst auf. Gegen blond-gelockte Engelsgesichter kommt keiner an. Vielmehr bietet sich Cusack als Reflexionsfläche an und brilliert mit Gefühl und mit witzigen Dialogen. Dadurch gelingt die emotionale Vereinnahmung des Publikums. Mit Cusack als verletzter und verständnisvoller Vater nimmt man die großen Simplifizierungen der Beziehungsgeflechte und emotionalen Achterbahnfahrten gerne hin.
Meyjes kommt nicht umhin, vielen bekannten Hollywood-Standards für Familiendramen und -komödien zu folgen. Auch wenn er sich in der Exposition darum bemüht, Dennis' "marsianische Herkunft" als komplex darzustellen, so lässt er in der Folge die dahinter steckenden Traumata im Dunkeln, damit er dem Kern der Spekulation folgen kann, dass Dennis vielleicht doch von dort herkommt. Wenn zum Schluss die Liebe alle Hindernisse und Probleme überwindet und eine neue Patchwork-Familie entstanden ist, ergibt sich die Standard-Botschaft von ganz alleine.
Da Potenzial von Mein Kind vom Mars wird nur in punkto Ambivalenz des Themas Außenseiter respektive "Außerirdischer" voll ausgeschöpft. Hier ergeht sich Meyjes in einer essayistischen und visuell packenden Beschreibung, dem allerdings ein seriöser psychologisch-pädagogische Unterbau fehlt. So reicht es nur zu einer sehenswerten Familienunterhaltung mit ernsthaftem Unterton. Dass Persönlichkeit und innere Werte sowie Vertrauen und Liebe die wichtigsten Reichtümer sind, ahnte man schon früher. Dafür hätte man nicht mutwillig eine ganze Küche mit Essen verschmieren und das gesamte Mobiliar als äußere Zeichen zerschlagen müssen. So sorgt Meyjes mit einem märchenhaften Anstrich für ein finales Wohlgefühl, das die Zuschauer total für sich einnimmt. Im Vergeich zu Genregrößen wie The Mighty kommt Mein Kind vom Mars allerdings nicht über eine unverbindliche Familienunterhaltung hinaus.