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Operation: Kingdom

(The Kingdom, 2007)

Dt.Start: 11. Oktober 2007 Premiere: 28. September 2007 (USA)
FSK: ab 16 Genre: Thriller
Länge: 109 min Land: USA
Darsteller: Jennifer Garner (Janet Mayes), Jason Bateman (Adam Leavitt), Chris Cooper (Grant Sykes), Jamie Foxx (Ronald Fleury), Andrew Astor (Big Wheel), Jeremy Piven (Damon Schmidt), Minka Kelly (Miss Ross), Brooke Langton (Glenda Manner)
Regie: Peter Berg
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan


Inhalt

Als die Saudi-Arabische Hauptstadt Riad von einem Bombenanschlag in einer amerikanischen Wohnsiedlung erschüttert wird, vermutet man sofort ein Terroranschlag. Nachdem die Arbeit der Diplomaten etwas träge voranschreitet, erwirkt FBI Agent Ronald Fleury eine geheime fünftägige Mission, um vor Ort zu ermitteln. Seinem Team gehören der Sprengstoffexperte Grant Sykes, die forensische Spezialistin Janet Mayes und der Analytiker Adam Leavitt an. Ihre Arbeit wird jedoch von der Tatsache erschwert, dass die Saudis den Vorfall selbst klären wollen und die Unterstützung der USA missbilligen.
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Kritik

Operation: Kingdom hat eine Wertung von 30%
Nach einem verheerenden Bombenattentat auf ausländische Mitarbeiter der Mineralölkonzerne in Riad, eilt ein FBI-Team unter Leitung von Jamie Foxx an den Tatort, um Beweise zu sichern. Doch die Saudis sehen die US-Polizisten als unwillkommene Gäste und behindern ihre Arbeit, während sich die fiesen Terroristen über ein neues Ziel für ein Attentat freuen... Peter Berg inszeniert einen offiziell als Copthriller betitelten Action-Kracher, der sich lieber um Häuserkampf und Special-Effects bemüht.

Bild aus Operation: Kingdom Das Opening könnte nicht knalliger sein: Der saudische Polizei-Sergeant Haytham (Ali Suleyman) verfolgt vermeintliche Kollegen, die wild um sich schießend durch den Gulf Oasis Western Housing Compound in Riad rasen, der gesicherten Siedlung für ausländische Mitarbeiter der Mineralölkonzerne. Kaum hat Haytham die Terroristen niedergestreckt, erweist sich das Ganze als doppelte Falle. Kaum schwirrt der Platz von Rettungskräften, explodiert die Bombe eines Selbstmordattentäters und tötet über 100 Menschen. Das FBI in Washington gerät in Panik, denn diplomatische Ränkespiele verhindern den Einsatz ihrer Ermittler vor Ort. Über windige Kanäle gelingt es aber Special Agent Ronald Fleury (Jamie Foxx) und seinem Beweissicherungsteam einen 5-tägigen, geheimen Aufenthalt ohne Autorisierung der eigenen Behörde zu erhalten. Ein kurzer Zeitraum für die Aufklärung eines sinistren Verbrechens!

Wild entschlossen landen Sprengstoffexperte Grant Sykes (Chris Cooper), Forensikerin Janet Mayes (Jennifer Garner) und Nachrichtenspezialist Adam Leavitt (Jason Bateman) mit Fleury auf Einladung eines Prinzen in der Wüste. Dort wird klar, dass sie nicht einmal aufs Klo dürfen, ohne vorher ihren Beschützer Colonel Al Ghazi (Asharaf Barhom) oder seine rechte Hand, den eifrigen Haytham, um Erlaubnis gefragt zu haben. Die Federführung der Ermittlungen hat nämlich ein folterfreundlicher General übernommen, der darauf besteht, den Fall auf saudische Weise zu lösen.

Zum Zuschauen verdammt, kochen Fleury und seine Mannen den aufrechten Ghazi weich, denn von Cop zu Cop, da gibt es doch ein internationales und interkulturelles Verständnis. Nach einigen erfolgreichen, "illegalen" Ermittlungen, erhalten sie endlich die Erlaubnis, offiziell nach Spuren zu suchen. Nun erhalten die Saudis nicht nur Anschauungsunterricht, wie man einen Tatort sichert, Spuren findet, analysiert und zuordnet, sondern auch gleich noch, wie man die Bösewichter aufspürt und im Häuserkampf platt macht...

Operation: Kingdom mischt einen Actionthriller mit einem Kriegsfilm und das in einer selten dagewesenen, offen propagandistischen Weise. Wie schon in Transformers ist das Bild der Araber jenes von tumben Hinterwäldlern, denen der amerikanische Gutmensch in Zeiten der Terrornot zu Hilfe eilen muss. Einziger Fortschritt gegenüber dem üblichen "Araber = Terrorist"-Klischee ist lediglich, dass Foxx und Co. zwischen "guten" und "bösen" Arabern zu unterscheiden wissen. Mit ersteren darf man sich verbrüdern, weil die ja fast amerikanisiert sind. Letztere kriegen ihr Fett weg.

Peter Berg folgt visuell den Spuren der Scott-Brüder. Zwischen Hochglanzbildern urbaner Wüsteneien, harten Schnitten und emsiger Kamerabewegung meint man immer Anklänge von Black Hawk Down oder Mann unter Feuer zu spüren. Dramaturgisch verliert Berg allerdings schnell die Kontrolle über die wüste Handlungskonstruktion. Nachdem er in mühevoller Kleinarbeit zahlreiche Figuren und Handlungselemente eingeführt hat, rinnt ihm bald die Zeit wie Sand durch die Finger. Also kappt er Handlungsstränge, "vergisst" Figuren, desintegriert zuvor aufgebaute Spuren und ignoriert lokale Gepflogenheiten. Also lösen sich sorgfältig eingeführte Nebenfiguren wie die Vorgesetzten in der FBI-Zentrale (Richard Jenkins, Danny Huston) oder der folternde, saudische Ermittlungsleiter irgendwann wie eine Fata Morgana in Luft auf. Die mehrmals aufgegriffene Spur der Polizeiuniformen, die die Terroristen zur Verfügung haben, endet im Nirvana. Andererseits muss Sprengstoffexperte Sykes nur kurz mal über den Tatort schlendern, um sofort (und Tage nach dem Attentat) den gut erhaltenen Zünder der echt fiesen Bombe zu entdecken.

Hier zeigt sich das Desinteresse der Macher für den Kern der Geschichte, die nicht nur in dem schillerenden Kontrast der Kulturen genügend Spannungspotenzial gehabt hätte. Die Ermittlung und Spurensicherung dienen einzig der Zusicherung von Kompetenz für die FBI-Spezialisten und der Inkompetenz für die saudischen Lakaien. Diese Simplifizierungen erinnern vielmehr an den Witz in John McTiernan's Actionthrillersatire Last Action Hero, wenn sich Arnold Schwarzenegger über die Ermittlungsmethoden seines jungen Sozius mokiert: Man fährt einfach durch die Gegend, zeigt auf ein Haus und schreit: "Da wohnen die Bösewichte!" Immerhin verfährt Jamie Foxx' FBI-Mann hier recht erfolgreich nach diesem Prinzip. Zu diesen dramaturgischen Holperern gesellen sich bald formale Ungereimtheiten, die Autor Matthew Michael Carnahan nach dem Plattstampfen der fremden arabisch-islamischen Kultur als illustres Problemfeld hinterläßt. Ein herzlicher Aufreger ist natürlich das Frauenproblem. Erst ist allein die Anwesenheit von Forensikerin Mayes ein Problem, dann ihre Kleidung und schliesslich auch noch ihr Job. Aber bei den Männern übernachten, mit dem T-Shirt über den Tatort laufen und nach einem Wink des Vorgesetzten doch die Leiche anfassen, das geht eben, wenn Hollywood inszeniert. Die als kulturelle Differenzen aufgebauschte Problematik dient natürlich der Demonstration der arabischen Rückständigkeit und Bestätigung amerikanischer Toleranz, weshalb sie erneut ohne Nachdruck verfolgt wird.

Letztlich dienen die gesamte arabische Kultur und saudischen Gepflogenheiten nur als pittoresker, klischeebeladener Hintergrund für die aufreibende Thriller- und Militär-Action, in der die militarisierten Helden (und damit ein ganzes Land im kriegerisch-moralischen Dilemma) glänzen dürfen. Berg huldigt der Westernmotivik vom aufrechten Sheriff, der dank seiner moralischen Integrität auch dort für Recht und Ordnung sorgen darf, wo er gar keine Jurisdiktion hat. Zur klassischen Westernmotivik und seinen Figuren gesellt sich ein Rollentypus, der in vielen Kriegsfilmen seit Rambo 2 - Der Auftrag fleißig Dienst versieht: der feige Bürokrat. Dem darf das Militär und jeder Patriot die Schuld für das bisherige Versagen aufladen. Jeremy Piven darf den schleimigen Diplomat und Bremsklotz spielen, der mit dämlichen Ratschlägen im Wege steht und im Ernstfall weiche Knie kriegt. Diese obligatorische Figur aus dem martialischen Action-Kino bildet das Scharnier zwischen der Action des bloßen Copthrillers und des im letzten Drittel ausufernden "Kriegsfilms". Da präsentiert sich das FBI-Spurensicherungsteam als perfekt eingespieltes Marine-Einsatzkommando mit besten Erfahrungen im Häuserkampf. Da prasselt das Schnellfeuer und zischt die Granate. Dass der gute saudische Kollege dabei die letzte Kugel fängt und als Freund stirbt, erfüllt dann auch noch den letzten ungenutzten Genrestandard.

Operation: Kingdom erweist sich als einfach gestrickte Actionunterhaltung, in der Regisseur Berg allenfalls mit der visuell ausufernden Präsentation von Action zu überzeugen versteht. Zwar lassen sich viele Elemente finden, die auf eine ursprünglich feiner angelegte Handlung hinweisen. Doch der brachiale Umgang mit der Handlungsstruktur sowie der Fokus auf Action und Klischees haben jeden Ansatz von Feinsinnigkeit zerstört. Dank dieser inkonsequenten Inszenierung ist aus diesem als Durchhaltefilm zu apostrophierenden Actionkracher ein laues Angebot im herbstlichen Popcorn-Kino geworden.

von Harald Witz


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