Von seinem Überraschungserfolg Wer früher stirbt, ist länger tot im letzten Jahr profitiert Marcus H. Rosenmüller noch immer, denn der Ansturm auf die Vorstellungen seines neuen Films auf dem Münchner Filmfest schlugen sogar Vorstellungen von Enttarnt - Verrat auf höchster Ebene oder den Linklater-Filmen. Sobald man dann aber Beste Zeit gesehen hat, ist klar, dass er die Aufmerksamkeit auch verdient. Denn Rosenmüller setzt seine steile Karriere fort und beweist, dass er immer noch lernfähig ist und seine Filme im Detail noch besser werden.
Das Drehbuch von Karin Michalke hat Marcus H. Rosenmüller schon vor seinem Debütfilm gelesen und sich damals schon gedacht: "Schau an, das ist jemand, der so schreibt, wie du Bayern siehst, wie du fühlst, wie du deine ganze Jugend erlebt hast." Genau dieses Gefühl präsentiert die gesamte Inszenierung von Beste Zeit in jeder Einstellung und jedem Moment. Vielleicht liegt das aber auch an den Drehorten, die bewusst in der beschriebenen Gegend ausgesucht wurden um das bayerische Flair so echt wie nur möglich einzufangen.
Kati und Jo sind 17 Jahre alt und die besten Freudinnen, denn so eine braucht man auch unbedingt, wenn man in Tandern, einem kleinen Dorf in Bayern, lebt. Während die Beiden also viel zu schnell Erwachsen werden und dabei nicht nur mit dem Rauchen, Alkohol oder Fahren ohne Führerschein ihre Problem haben, sondern auch noch nach der Definition der Liebe suchen, bekommt Kati die Möglichkeit für ein Jahr in die USA zu gehen. Diese Chance der Flucht aus dem Kaff, weg von ihrem verhassten Vater ist das größte Geschenk - doch wenn sie geht verpasst sie vielleicht die große Liebe und damit ihr gesamtes Lebensglück?
Die Sympathie, die der Zuschauer bei dieser Coming-of-Age Komödie sofort verspürt, ist nicht nur durch den bayrischen Dialekt, sondern vielmehr durch die echten und realen Charaktere ausgelöst. Jeder findet ein bisschen seiner eigenen Jugend in irgendeinem der Akteure wieder und ohne groß auf Identifikationsfiguren zu bauen, inszeniert Rosenmüller eigentlich nur eine einfache, aber lebensnahe Geschichte, die jedem irgendwie bekannt vorkommt. Sehr behilflich sind dabei Kleinigkeiten, wie der Fluglärm durch die Einflugschneise des Münchner Flughafens, was eigentlich ein Problem des Tons war. Da man immer durch den Fluglärm gestört wurde, baute man diesen Umstand prompt in den Film ein und erzeugt dadurch ein noch authentischeres Gesamtbild.
Hervorzuheben sind aber auch die perfekt passenden Darsteller, allen voran natürlich Anna Maria Sturm und Rosalie Thomass als beste Freundinnen, aber auch Ferdinand Schmidt-Modrow als Kati-Verehrer Rocky. Denn die sehr emotionale Spielweise aller passt sich perfekt in die Geschichte des schwierigen Erwachsenwerdens ein und wird durch die - vor allem von Rocky und Mike - Humoreinlagen wunderbar abgerundet. Für die Emotionen sehr unterstützend wirkt auch die mit tollem Fingerspitzengefühl geführte Inszenierung von Rosenmüller, denn die scheinbar nebensächlichen Handlungsstränge, wie zum Beispiel die Beziehung zwischen Kati und ihrem Vater, lässt er im richtigen Moment mit der richtigen Dosis wie eine Bombe platzen. Und so bleibt auch der ein oder andere, für den Zuschauer tränenreiche, Moment nicht aus.
Den einzigen, aber sehr kleinen, Kritikpunkt, den man bei Beste Zeit anbringen könnte, ist die Tatsache, dass man manchmal etwas spürt, dass Rosenmüller nicht seine eigene Geschichte, sondern ein fremdes Drehbuch inszeniert. Dennoch hat der junge Regisseur gelernt, dass er nicht alles offensichtlich präsentieren muss, sondern oftmals die unterschwelligen Botschaften mehr bewegen. Dies setzt er eindrucksvoll und mit einem perfekten Timing so fantastisch um, dass man Beste Zeit uneingeschränkt empfehlen kann.