Es ist immer noch etwas Besonderes, wenn sich zwei Liebende das Ja-Wort geben. Doch richtig außergewöhnlich ist eine Traumhochzeit erst dann, wenn der segnende Pfarrer Robin Williams heißt. In Lizenz zum Heiraten soll der Topkomiker für den wahren Segen sorgen. Doch was nach bester Screwballkomödie made in Hollywood klingt, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als dröge und überkonstruierte Nummernshow ohne Pfiff und Sensibilität. Offensichtlich weiß Regisseur Ken Kwapis mit Robin Williams nichts anzufangen.
In einem "Starvehikel" werden dem nominellen Hauptdarsteller Rolle und Handlung so zugeschnitten, dass er besonders gut glänzen kann. Robin Williams ist so ein Star und Lizenz zum Heiraten so ein Film. Allerdings haben seine ernsthaften Ambitionen (wie Insomnia - Schlaflos oder One Hour Photo) seine Karriere beinahe zum Kippen gebracht. Zuletzt meldet er sich mit dem Klamauk Die Chaoscamper wieder in Komödiengefilden zurück, doch an die großen Erfolge wie Mrs. Doubtfire - Das stachelige Kindermädchen konnte er damit ebensowenig anknüpfen wie nun mit der romantischen Srewball-Komödie Lizenz zum Heiraten.
Darin spielt er einen Geistlichen, der heiratswilligen Pärchen vor der Trauung einen Ehekurs aufzwingt, um herauszufinden, ob sie auch wirklich zusammenpassen. Als Ben Murphy (John Krasinski) und Sadie Jones (Mandy Moore) bei ihm in der St. Augustine-Kirche das Aufgebot bestellen, kommt er als alter Familienfreund nicht umhin, besonders strenge Kriterien für die Vergabe seiner "Ehelizenz" anzulegen. Besonders Ben ist sehr überrascht, wo er sich schon unter den gestrengen Blicken der Schwiegereltern beständig bewähren muss. Aber er stimmt zu, weil Sadie seine ganz große Liebe ist und sie bislang noch nie einen Streit hatten. Bislang...
Schon bald sind seine Nerven restlos angespannt, denn Pastor Frank (Williams) und sein frühreifer Gemeinde-Azubi vom "Pfarrer von Morgen"-Progamm (Josh Flitter) arbeiten mit perfiden Mitteln der Überwachung, um auch nur den kleinsten Verstoß gegen die harten Regeln des Lizenz-Kurses ahnden zu können. Da sind Partnertest wie blindes Autofahren auf Zuruf noch lockere Übungen. Bald hat Frank Zwietracht zwischen die Liebenden gesät und Sadie fällt von einer Enttäuschung in die nächste. So entdeckt sie, dass Ben statt eines romantischen Eheversprechens ein Daumenkino ins Notizbuch gemalt hat. Irgendwann hat Ben die Schnauze voll und mag sich seine Liebe nicht von einem unkonventionellen Priester vermiesen lassen. Er beschliesst, mit seinen Mitteln zurückzuschlagen. Doch zwei Tage vor der Trauung ist das kein wirklich guter Schachzug...
Die Prämisse von Lizenz zum Heiraten erinnert verdächtig an ähnlich gelagerte Komödie wie die Meine Braut, ihr Vater und ich, Die Hochzeit meines besten Freundes oder Das Schwiegermonster. Regisseur Ken Kwapis und sein Autorenteam um Kim Barker und Tim Rasmussen platzieren den Störenfried der Romanze allerdings diesmal außerhalb der Familie, dafür aber gleich in die zweithöchste "Entscheidungsinstanz" für Schicksale.
Allerdings fällt die Kreativen um Regisseur Ken Kwapis nichts wirklich Gelungenes ein - ein paar alberne Slapstick-Einlagen, viel Klamauk und ganz wenige wirkliche Robin Williams-Momente. Alles in allem kann das Team die hölzerne Unterhaltung weder aus ihrer konservativen Grundhaltung lösen, um wirklich satirisch zu werden, noch die Künstlichkeit der Konstruktion kaschieren, um Leichtigkeit zu erzeugen. Zwar werden Gag an Gag gereiht, doch die meisten verpuffen, ohne dass die ganz großen Lacher aufkommen. Ausgerechnet Schnatterbüchse Williams wirkt phasenweise deplaziert, denn es gelingt Kwapis kaum, dessen Potenzial anzuzapfen. Dafür muss der Komiker stundenlang unter der Dusche singen, ohne wirklich dabei komisch zu sein. Kwapis kann mit der Komik seines Star scheinbar nichts anfangen. Deshalb verlässt er sich am Ende auf die üblichen Standards und so bedient die Romantic Comedy am Ende das märchenhafte Happy-End. Nur, dass sich das herzhaft mit dem vorangegangenen Klamauk behakt.
Mit Mandy Moore, die ab dem 2. August in der ebenso schwachen Erwachsenenkomödie Von Frau zu Frau einen weiteren Versuch unternimmt, vom Image des Teenie-Stars wegzukommen, besitzt die Williams-Komödie einen weiteren großen Namen. Moore soll offensichtlich eine neue junge Generation für den Altmeister anlocken. Allerdings ist ihre Rolle ebenso blass wie ihr Spiel, so dass sie Robin Williams auch nicht besser aussehen lässt. Besser macht es dagegen John Krasinski, der die altbackene Inszenierung etwas auffrischt. Das dürfte aber nicht ausreichen, um Lizenz zum Heiraten ein anderes Schicksal zu bescheren als Williams' Die Chaoscamper.