Mit seiner Verfilmung der wahren Geschichte von Henry Hills Karriere im organisierten Verbrechen schuf Martin Scorsese einen der besten und berühmtesten Mafiafilme überhaupt. Die Besetzung ist hochkarätig, die Inszenierung packend und trotz einer relativ üppigen Spieldauer ohne Längen. Keine Frage: An diesem Klassiker kommt kein Filmfan vorbei.
Als Vorlage für GoodFellas diente der Roman "Wise Guy" von Nicholas Pileggi, der auch gemeinsam mit Scorsese das Drehbuch verfasste. Fast alle Ereignisse im Film sollen auch so oder zumindest ähnlich passiert sein. Scorsese nahm sich lediglich einige Freiheiten in der Zeichnung einiger Charaktere und sparte natürlich einige Begebenheiten aus. Bei den Dreharbeiten waren oft Personen aus den realen Geschehnissen anwesend, auch Henry Hill selbst wurde teilweise eingebunden, um ein hohes Maß an Realismus und historischer Genauigkeit gewährleisten zu können. Robert De Niro soll mehrfach täglich mit Hill telefoniert haben, um alles über seine Figur Jimmy Burke zu erfahren.
Erwartungsgemäß ist GoodFellas darstellerisch eine Wucht. Der leider im Laufe seiner Karriere unterbewertete Ray Liotta, der mit seiner Rolle als Henry Hill zu internationaler Bekanntheit gelangte, erweist sich als ausgesprochen gute Wahl für die Hauptrolle. Das Dreiergespann mit ihm, Robert De Niro und Joe Pesci funktioniert hervorragend. Alle drei gehen wunderbar in ihren Rollen auf, was Joe Pesci einen Oscar als bester Nebendarsteller einbrachte. Für De Niro, der in gewohnter Qualität seine Figur präsentiert, war GoodFellas der sechste von insgesamt acht Filmen, in denen er für Scorsese vor der Kamera stand. Es folgten Kap der Angst im Jahr darauf und 1995 Casino, bei dem es sich übrigens ebenfalls um die Verfilmung eines Romans von Nicholas Pileggi handelt, und der teilweise Ähnlichkeiten zu GoodFellas aufweist. Ansonsten ist auch der restliche Cast grandios besetzt. Wer genau hinsieht, wird auch in kleinen Nebenrollen einige bekannte Gesichter entdecken. So finden sich beispielsweise Samuel L. Jackson (Jackie Brown), Vincent Gallo (Essential Killing) und "Jigsaw"-Darsteller Tobin Bell (Saw) in kleineren Rollen.
Die Geschichte wird größtenteils aus der Sicht von Henry Hill erzählt, der die Geschehnisse aus dem Off kommentiert. Im späteren Filmverlauf wechselt die Erzählperspektive zu seiner Frau. Es ist durchaus eine Geschmacksfrage, ob einem dieser Wechsel gefällt oder ob man ihn als Stilbruch wahrnimmt. Dafür spricht sicherlich der durchaus interessante Blick auf die männliche "Gangsterwelt" aus Frauensicht, dagegen, dass es dadurch zu einem Bruch mit dem Fokus auf Henry Hill kommt. Im Vergleich zu seinem Leben interessiert den Zuschauer das seiner Frau deutlich weniger. Wenn überhaupt, ist dies jedoch die einzige Schwäche des Filmes.
Auch der Soundtrack wurde wunderbar gewählt und geschickt eingesetzt. So dient er einerseits der zeitlichen Orientierung, da sich das Geschehen im Film über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten erstreckt, und andererseits natürlich der Unterstützung der durchgehend stimmigen Atmosphäre. Auch die Kameraarbeit von Michael Ballhaus bleibt im Gedächtnis. Beispielhaft hierfür ist die Kamerafahrt, die ohne Schnitt Henry Hill zusammen mit seiner Frau auf dem Weg in einen Nachtclub begleitet. In dieser Szene ist übrigens auch der echte Henry Hill in einem kleinen Gastauftritt als Koch zu sehen.
Die Anzahl der Gewaltszenen hält sich in Grenzen, wobei es in den vorhandenen recht schonungslos zur Sache geht. In den rauen Darstellungen des Gangsteralltags geht GoodFellas deutlich andere Wege als beispielsweise Coppolas Der Pate und zeichnet eher Charaktere, die zum Teil deutlich unsympathischer sind und weniger elegant daherkommen. Von den Werten der Corleones aus Coppolas Film ist bei Scorsese nicht mehr viel übrig. Ähnlich wie später auch in Mike Newells Donnie Brasco entsteht oft eher der Eindruck von "Ganoven" als von Edelmännern.