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Im Winter ein Jahr

(Im Winter ein Jahr, 2008)

Dt.Start: 13. November 2008
DVD: 14. Mai 2009
Premiere: 2008 (Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 128 min Land: Deutschland
Darsteller: Karoline Herfurth (Lilli Richter), Josef Bierbichler (Max Hollander), Corinna Harfouch (Eliane Richter), Hanns Zischler (Dr. Thomas Richter), Franz Dinda (Johannes), Karin Boyd (Renee Walters), Jacob Matschenz (Tobias Hollander), Inka Friedrich (Andrea), Hansa Czypionka (Stephan), Tanja Frehse (Martina), Paula Kalenberg (Stella), Filippo Kreindl (Paul)
Regie: Caroline Link
Drehbuch: Caroline Link


Inhalt

Der Maler Max Hollander bekommt von Eliane Richter den Auftrag, ein gemeinsames Porträt ihrer Tochter Lilli und ihres Sohnes zu malen, der jedoch ein Jahr zuvor verstorben ist. Er lädt die 22-jährige Tochter in sein Atelier ein, damit sie ihm Modell sitzen und ihm mehr über ihren Bruder berichten kann, den er nur mit Hilfe von Fotos malt. Doch die Geschichten des emotional völlig verwirrten Mädchens über ihre Familie und die Beziehung zu ihrem drei Jahre jüngeren Bruder lassen nach und nach ein komplexes psychologisches Profil der Familie zu Tage treten. Immer mehr wird Max von diesem ungewöhnlichen Auftrag in den Bann gezogen, der schon bald auch sein Leben verändert.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Im Winter ein Jahr hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 55%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Im Winter ein Jahr hat eine Wertung von 55%
Das Barometer fällt und die melancholische Endjahresstimmung bringt wieder reichlich stimmungsverdunkelnde Geschichten in die Kinos. Im Winter ein Jahr ist genau dort angesiedelt und lebt von der Spannung, die Motive hinter einem mysteriösen Freitod zu durchblicken: Genau vor einem Jahr hat sich der Sohn einer gut situierten Familie umgebracht. Seither versuchen die Eltern und die Schwester, jeder auf seine Weise, mit dem Verlust klarzukommen. Als die Mutter beschließt, ein Portrait des toten Sohns in Auftrag zu geben, sind alle gezwungen das Trauma aufzuarbeiten. Keine schwache Story, gute Darsteller, aber gedreht, als wüsste man nicht wohin es gehen soll.

Bild aus Im Winter ein Jahr Bei manchen Filmen fragt man sich (möglicherweise zu Recht), wo einen das ganze hinführen mag. Gäbe es da nicht einige absurd-skurrile Situationen, welche die überwiegend aus Irritation aufgebaute Spannung in einem reinigenden Lacher aufzulösen vermögen, bleischwere Tragik und die emotionalen Mühlsteine der Akteure würden den angestrengten Zuschauer mit nach unten ziehen. Ich bin nur so eine Theaterschlampe, die es für ein bisschen Wärme und Anerkennung mit jedem macht (letzteres bleibt unausgesprochen). Seit Lilli (Karoline Herfurth) ihren Bruder Alexander (Cyril Sjöström) verloren hat und mit ihren Eltern - insbesondere der Mutter Eliane (Carinna Harfouch) - nicht mehr besonders gut klar kommt, sucht sie sich Zuneigung bei allerlei wechselnden Liebschaften.

Auch der Vater Thomas (Hanns Zischler) fährt eine ähnliche Strategie: Beruflich läuft für den Wissenschaftler und Buchautor alles bestens - und horizontale Belobigung gibt's von der Assistentin obendrein gratis. Auf den ersten Blick scheint die Mutter die einzige, welche wirklich leidet und in ihrem Schmerz, ähnlich einer Isolationshaft, gefangen ist. Als sich der Jahrestag von Alexanders Tod nähert, beschließt sie ein Portrait beim renommierten Maler Max Hollander (Josef Bierbichler) in Auftrag zu geben. Die Grundlage für das Bild des toten Sohns stellen eine Reihe Fotos und einige Videobänder dar. Aber Alexander soll nicht allein portraitiert werden: Seine Schwester muss mit aufs Bild - so als wären beide am Leben. Die Realität des Verlustes hat bei Eliane noch lange nicht Einzug gehalten.

Lilli ist von dem Gedanken, Modell für das Portrait zu stehen, nicht sonderlich angetan. Auf drängen des Vaters willigt sie ein und nach und nach findet Max einen Zugang zu ihr, kommt ihr sogar auf eine Weise näher, die irgendwo in der namenlosen Schwerelosigkeit zwischen Vaterfigur und Liebhaber angesiedelt scheint. Vor allem der Aspekt, dass auch er einen tragischen, schlecht verarbeiteten, Verlust zu beklagen hat, bringt die vertrauliche Ebene voran. Und spätestens hier ist ein kathartischer Lacher von Nöten. Nicht des Motivs wegen. Das mag prosaisch sein, wie es will, aber es gefiel aus einem nicht genau nachvollziehbaren Grund, aus dem gestandenen süddeutschen Mannsbild Bierbichler einen Künstler mit homosexuellen Tendenzen zu machen. Es mag nun mehr als Klischee sein, dass in der Künstlerszene gleichgeschlechtliches "hipp" ist, und womöglich bringt die Romanvorlage Aftermath das Motiv ein, aber aus Bierbichler jemanden zu machen, der eigentlich glücklich verheiratet und mit Sohn, sich plötzlich in einen Mann verliebt und seine Familie verlässt, ist schon einen Lacher wert.

Da hätte man die Figur des Malers schon anders besetzen müssen. Anderseits bringt Bierbichler soviel Kraft und Ruhe in den Plot ein, dass man das steuermannslos anmutende Filmchen irgendwie besser erträgt. Man darf sich ihn nur nicht in einer homosexuellen Beziehung vorstellen - falls man über soviel Vorstellungsvermögen verfügt. Im wesentlichen kreist die Story aber um die unvollkommenen Verarbeitungsprozesse aller beteiligten und gerade die Ebene der Mutter, die eigentlich die stärksten Akzente zu setzen vermögen würde, bleibt, bis zum starken Finish, das aber schnitttechnisch ungeschliffen wirkt, recht schwach beleuchtet. Dafür erlebt man sehr intensiv, wie die sich nach Liebe sehnende Lilli in Sachen Männerwahl ein nicht besonders glückliches Händchen beweist. Und während der Plot so vor sich hin leiert, gibt es tatsächlich noch eine Wendung ins Detektivische: Licht scheint ins Dunkel um den Tod des Vorzeige- und Mustersohnes zu kommen. Allerdings gibt es hier ebenfalls einen kurzen Abstecher zu einem homosexuellen Motiv. Doch diesmal hat der fällige reinigende Lacher mehr von einem gepressten Keuchen, begleitet von einem Kopfschütteln.

Es bewahrheitet sich (leider) wieder mal, dass beim deutschen Kino, selbst wenn alle Akteure für sich handwerklich ihr bestes geben, der Erzählstil oft bleiern daherkommt und die verbindenden Motive teilweise albern bis hölzern wirken. Dabei ist es keine schlechte Geschichte und der tragische Verlust, der ein Trauma hinterlassen hat, nicht unbedingt eine Steilvorlage für einen plaudernden Ton. Es ermangelt sich einfach an ausgefeilteren Psychogrammen, szenischen Akzenten und dramaturgischen Zuspitzungen, die nicht notgedrungen aus Nebenplots entlehnt werden. Zwar gibt es für alles Ansätze, aber wegen der recht verwirrenden Richtungslosigkeit der Erzählung, bleibt wiederum vieles auf der Strecke. Wer sich aber in der lichtschwachen Jahreszeit für solche Geschichten zu erwärmen vermag, könnte sich am Spiel der Darsteller durchaus erfreuen.



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