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Lost Highway ist ein bildgewaltiges Kunstwerk, ein düsteres Gemälde voller Geheimnisse. David Lynch greift menschliche Urängste auf, spielt mit Paranoia, Gewalt und Wahnsinn und schickt seine Zuschauer auf eine Reise über einen langen Highway in die Hölle. Ein grandioses Meisterwerk das zu Recht zum Klassiker und zum Kult wurde.
1997 lies David Lynch (Inland Empire) einen seiner Besten und gleichzeitig verwirrendsten Filme auf die Menschheit los. Lost Highway ist wie so viele Filme Lynchs ein düsterer, surrealer Albtraum. Technisch perfekt inszeniert, erzählt der amerikanische Kultregisseur die verworrene Geschichte, wobei er mit zeitlichen Abfolgen und den Identitäten seiner Figuren jongliert. Die dichte Atmosphäre entführt den Zuschauer in eine fremde Welt, einen Traum aus dem es kein Erwachen gibt und dessen Deutung ihn noch Wochen beschäftigen wird.
Lynch-typisch gibt es keine vorgegebene Lösung des Falles. Die mysteriösen Geschehnisse bleiben unerklärt, der Zuschauer wird mit dem Gesehenen allein gelassen. Es ergeben sich unzählige Interpretationsmöglichkeiten, zu denen man allerdings in der Regel erst beim zweiten, dritten oder auch zehnten sehen kommt. Lost Highway beim ersten Mal zu verstehen ist beinahe unmöglich. Wobei man sich zuerst von dem Begriff "verstehen" frei machen muss. Ohne eine Interpretation vorweg nehmen zu wollen, sei dennoch darauf hingewiesen, dass die Story alles andere als unauffällige Parallelen zu Goethes "Faust" aufweist.
Musik ist ein tragendes Element in Lost Highway. Beweist Lynch, selbst Gittarist, in all seinen Werken ein glückliches Händchen bei der Musikauswahl, gehört der Soundtrack von Lost Highway zu den Besten der Filmgeschichte. Immer perfekt inszeniert, lässt er seine Szenen unter anderem von der Musik von David Bowie, Marilyn Manson, Rammstein und natürlich den fantastischen Kompositionen und Geräuschkreationen Angelo Badalamentis tragen.
Lynchs Spiel mit Licht und Schatten ist auch in Lost Highway in meisterhafter Perfektion zu bewundern. Kaum ein anderer Regisseur weiß so geschickt Licht als Stilmittel einzusetzen, Atmosphäre zu schaffen und durch die bloße Ausleuchtung der Location und der Charaktere Botschaften zu vermitteln. Lynch blendet seine Szenen oft langsam ins Schwarze ab, lässt zum Teil das Bild einige Momente dunkel, um es dann wieder langsam aufzublenden. So gelingt ihm eine unheimliche, ruhige, aber dennoch spannende Verwobenheit zwischen den einzelnen Szenen. Diese Technik findet sich mit ähnlicher Wirkung auch in Filmen anderer Regisseure wieder, die bekanntesten zeitgenössischen Vertreter sind wohl Richard Kellys Donnie Darko oder Brad Andersons großartiger Der Machinist. Lost Highway ist ein klassischer Film-Noir und greift typische Elemente vergangener Klassiker dieses Genres auf. Das Hauptaugenmerk liegt dabei vor allem auf der Femme Fatale, die immer wieder als Schlüsselfigur zwischen den Storywendungen fungiert. Film-Noir ist letzten Endes in diesem düsteren Thriller absolut wörtlich zu nehmen.
Bill Pullman (You Kill Me) überzeugt in der Rolle des verzweifelten Fred durchweg und auch Patricia Arquette (Stigmata) bietet in ihrer Doppelrolle eine schauspielerische Glanzleistung. Auch der damals erst 22 jährige Balthazar Getty (President Evil), der in der Rolle des jungen Mechanikers Pete zu sehen ist, passt perfekt in seine Rolle. Getty scheint eine Vorliebe für Rollen, in denen er mit Autos zu tun hat, zu haben. So war er doch schon in Natural Born Killers in einer kleinen Nebenrolle als Tankwart und in dem unsäglich dämlichen Shadow Hours ebenfalls als Tankstellenmitarbeiter zu sehen. Doch auch neben den drei Hauptakteuren ist in Lost Highway wirklich jede Rolle absolut ideal besetzt. So sind neben Robert Blake (Kaltblütig) in seiner bis heute letzten Rolle, auch Robbert Loggia (Fräulein Smillas Gespür für Schnee) als Mister Eddie und in Gastauftritten auch Henry Rollins (Feast) und Marilyn Manson (Bowling for Columbine) zusammen mit Bandmitglied Twiggy Ramirez zu sehen.
Lost Highway ist definitiv sehr anstrengend und erfordert über 140 Minuten höchste Konzentration. Am Ende bleiben um einiges mehr Fragen als Antworten und dieses eigenartige Gefühl im Schädel, das in etwa so ist, als hätte man sein Gehirn allein Achterbahn fahren lassen, danach wieder abgeholt und von einem Schießbudenbesitzen wieder einpflanzen lassen, macht einem auch irgendwie zu schaffen. Aber als Filmfan muss man dieses Meisterwerk einfach gesehen haben, auch wenn sich einem, wenn überhaupt, erst bei mehrmaligen anschauen, die ganze Tragweite offenbart. |