Genau das stelle ich mir unter einem wirklich guten Film vor. Eine mitreissende Geschichte über liebenswerte Personen, in Szene gesetzt von einem Regisseur der was von seinem Handwerk versteht, gespielt von Schauspielern die das Wort Leidenschaft neu definieren könnten wenn sie es müssten, verbunden mit einem tollen Soundtrack und einer nicht zu dick aufgetragenen Message. Alles in allem ein Feel-Good Movie zum immer wieder angucken und immer wieder mitfiebern.
Ohne großes Vorgeplänkel steigt Jerry Maguire gleich an der richtigen Stelle in seine Geschichte ein. Er zeigt uns die Schönheiten seines Berufs, nur um kurz darauf von Gewissensbissen geplagt zu werden die ihn dazu veranlassen ein Manifest zu schreiben, das die Konditionen dieses harten Geschäfts verbessern könnte. Natürlich wünschen wir Jerry, daß er mit seinem Schriftstück eine neue, menschenfreundlichere Bewegung ins Rollen bringt aber insgeheim wissen wir, daß er mit seiner neu gewonnenen Einstellung mächtig auf die Schnauze fallen wird. Schließlich leben wir in einer grausamen, ungerechten Welt und außerdem hat der Film ja auch eben erst angefangen. Wir Zuschauer stehen Jerry bei seinem nun folgenden Kampf gegen das System jedoch zur Seite, denn er steht für eine gute Sache. An dieser Stelle sollte man Tom Cruise mal ein dickes Lob aussprechen, denn er ist ja nicht unwesentlich für Jerry Maguire's Elan und Esprit verantwortlich. Der Mann geht in seiner Rolle als energiegeladener Sportmanager auf, daß es eine wahre Freude ist ihm dabei zuzusehen. Ich könnte jetzt natürlich all meine Lieblingsszenen aufzählen, wie zum Beispiel das Telefonat mit Rod in dem er dem Football-Spieler versichert, daß er ihn zum Schotter führen wird oder die anschließende Ansprache an seine ehemaligen Mitarbeiter mit der er versucht noch ein paar Leute mitzureißen und von seinen Ideen zu überzeugen, doch wenn ich all diese wunderbar gespielten Momente aufzählen sollte, könnte ich auch gleich das komplette Drehbuch hier reinkopieren.
Jerry Maguire - Spiel des Lebens ist allerdings keine One-Man-Show eines genialen Tom Cruise wie man jetzt vielleicht vermuten mag. Nein, mit Cuba Gooding Jr. als unzufriedenen, erfolgsgeilen und dauermaulenden Football-Profi hat Cameron Crowe einen weiteren talentierten Schauspieler für eine nicht minder interessante Rolle verpflichtet. Die Academy war von Cuba's Performance sogar so beeindruckt, daß sie ihm einen Oscar als besten Nebendarsteller verliehen und ihn damit in den darauf folgenden Jahren zu einem der meist gefragtesten Schauspieler gemacht hat. Als wären Tom und Cuba noch nicht genug, zog Cameron schließlich noch ein Ass aus dem Ärmel und legte mit einer unheimlich knuddeligen Renee Zellweger noch einen drauf. Renee, die bisher entweder bedeutende Rollen in unbedeutenden Filmen oder unbedeutende Rollen in bedeutenden Filmen angeboten bekam, spielt Jerry's einzige Mitarbeiterin die von seinem Manifest so angetan ist, daß sie sich dazu entschließt mit ihm zu gehen als er sein altes Büro räumt.
Nun bleibt mir nur noch dem Meister selbst zu danken: Cameron, wo immer Du auch gerade steckst: Danke für Deine wundervollen Filme! Cameron beweißt nämlich nicht nur beim Casting seiner Schauspieler und bei der Wahl des Soundtracks (okay das sollte bei einem ehmaligen Musik-Journalisten selbstverständlich sein) stets ein gutes Händchen, sondern gehört auch zu den wenigen Regisseuren die großen Wert auf die kleinen, persönlichen Momente einer Geschichte legen und genau das macht seine Filme auch zu etwas so Besonderem. In freudiger Erwartung auf Crowe's nächstes Projekt Vanilla Sky werde ich mir Jerry Maguire - Spiel des Lebens jetzt gleich nochmal ansehen und wer weiß, vielleicht häng ich sogar Almost Famous - Fast berühmt noch hinten dran.