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2:37

(2:37, 2006)

Dt.Start: 19. Juli 2007
DVD: 07. Januar 2008
Premiere: 26. Mai 2006 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 16 Genre: Drama
Länge: 99 min Land: Australien
Darsteller: Teresa Palmer (Melody), Joel Mackenzie (Sean), Frank Sweet (Marcus), Clementine Mellor (Kelly), Charles Baird (Uneven Steven), Sam Harris (Luke), Marni Spillane (Sarah), Sarah Hudson (Julie), Chris Olver (Tom), Xavier Samuel (Theo), Gary Sweet (Mr. Darcy), Daniel Whyte (Mr. Swift), Irena Dangov (Ms Jacobs), Olivia Furlong (Rochelle), Michael Griffin (Janitor), Amy Schapel (Lacey)
Regie: Murali K. Thalluri
Drehbuch: Murali K. Thalluri


Inhalt

Um 14:37 Uhr wird auf der Toilette einer australischen High School ein Teenager aufgefunden, der sich das Leben genommen hat. Seine oder ihre Identität bleibt verborgen. Ausgehend vom Morgen desselben Tages werden sechs potentielle Selbstmordkandidaten der Reihe nach vorgestellt und über einige Stunden begleitet. Nach und nach bröckeln die sorgsam errichteten Fassaden der Schüler, so manches Lügengerüst stürzt ein. Eine Anzahl prekärer Geheimnisse kommt ans Licht - und damit eine Reihe möglicher Motive für einen Freitod.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

2:37 hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 40%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Birte Lüdeking
2:37 hat eine Wertung von 40%
Das Ensemble-Drama aus Australien kreist um die Frage, wer von sechs Schülern sich das Leben genommen hat. Jeder von ihnen hätte ausreichend Gründe. Der von vielen Seiten hoch gelobte Debütfilm ist in seiner formalen Umsetzung gleichzeitig spannend und moralisch fragwürdig. Er verfolgt die besten Absichten, erzielt Effekte allerdings wiederholt auf Kosten seiner Figuren.

Bild aus 2:37 Es ist 14:37 Uhr. Die Leiche eines Teenagers wird auf der Toilette einer High School gefunden. Aber wer ist er oder sie? Die Erzählung springt zurück zum Morgen des Tages und fokussiert in den folgenden Stunden nacheinander die möglichen Selbstmordkandidaten. Spult wie in einer Endlosschleife bereits gezeigte Handlungsabläufe aus unterschiedlichen Perspektiven aufs Neue ab, ähnlich wie es Gus Vant Sant in Elephant vorgemacht hat. Dass sich der australische Autor und Regisseur Murali K. Thalluri dessen Verfilmung der Columbine-Schüler-Morde zum stilistischen Vorbild genommen hat, versucht er auch gar nicht erst zu verbergen - er dankt dem Amerikaner im Abspann.

Anders als Van Sant addiert Thalluri bei seiner wiederholten Wiedergabe derselben Ereignisse allerdings Hinweise, die er bis dahin aus Kalkül zurückgehalten hat. Das krimigleiche, schrittweise Hinzufügen von Informationen, in diesem Fall das Entblättern persönlicher Geheimnisse, dient also primär dem Aufbau von Spannung. Und diese errichtet sich weitestgehend auf den Seelenqualen der Protagonisten. Wer von den durchweg verzweifelten Jugendlichen wird sich schließlich als Selbstmörder entpuppen?, scheint der Regisseur den Zuschauer zu fragen. Raten Sie mit!

Gleichzeitig scheint sich Thalluri - der sein Drama einer Freundin gewidmet hat, die sich das Leben nahm - um eine ehrlich und gut gemeinte Auseinandersetzung mit dem Thema Freitod zu bemühen. Nur die Art und Weise, wie er dies tut, ruft beim Zusehen immer wieder ein mulmiges Gefühl hervor. Thalluris Film ist aufgrund seiner handwerklichen Raffinesse bis zu einem gewissen Zeitpunkt tatsächlich spannend, erreicht dies aber mittels fragwürdiger Methoden. Einerseits geht er eine Komplizenschaft mit seinen Figuren ein, andererseits benutzt er sie und ihre Probleme. Stellt sie in einigen Szenen bloß, höchstwahrscheinlich ungewollt, um Effekte zu erzielen.

Darüber hinaus droht 2:37 mit seiner Überfrachtung an Leid und Unglück ins Melodram zu kippen: Zwei Schwule und ein Inzestopfer, eine Bulimikerin und ein Vergewaltiger, ein inkontinenter und zudem noch humpelnder Außenseiter. Dazu bricht das überwiegend eindimensionale und stereotype Randgruppen-Personal in absehbarer Regelmäßigkeit entweder in (männliche) Wutanfälle oder in (weibliche) Heulkrämpfe aus. Mitgefühl für Figuren zu entwickeln, die fast ausschließlich auf ihre Täter- oder Opfer-Rollen festgelegt sind und ansonsten kaum Identifikationsfläche bieten, könnte von manch einem Zuschauer zu viel verlangt sein.

Die finale, in ihrer expliziten Darstellung drastische Selbstmordsequenz benutzt der Regisseur dann als überraschendes Ass im Ärmel: Sehen Sie mal, der oder die bringt sich um. Hätten Sie darauf getippt? Was erneutes Unbehagen auslöst. Thalluris enthusiastisches Kinodebüt ist ein Beispiel für "gut gemeint und doch daneben". Es zieht alle erdenklichen und teils bedenklichen Register, um ein leidenschaftliches und vermutlich aufrichtig gemeintes Statement abzugeben. Durch seine übereifrige, dem Stoff unangemessene Inszenierung entkräftet es dieses aber eher als es zu verstärken und stellt sich somit selbst ein Bein.



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