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Erbarmungslos

(Unforgiven, 1992)

Dt.Start: 24. September 1992 Premiere: 03. August 1992 (USA)
FSK: ab 16 Genre: Western
Länge: 131 min Land: USA
Darsteller: Clint Eastwood (William 'Bill' Munny), Gene Hackman (Little Bill Daggett), Morgan Freeman (Ned Logan), Richard Harris (English Bob), Jaimz Woolvett (The Schofield Kid), Saul Rubinek (W.W. Beauchamp), Frances Fisher (Strawberry Alice), Anna Levine (Delilah Fitzgerald), David Mucci (Quick Mike), Rob Campbell (Davey Bunting), Anthony James (Skinny Dubois), Tara Frederick (Little Sue ), Beverley Elliott (Silky), Liisa Repo-Martell (Faith), Josie Smith
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: David Webb Peoples


Inhalt

In einer Kleinstadt wird eine Prostituierte von einem Freier übel zusammengeschlagen und entstellt. Die entrüsteten Kolleginnen wollen den Täter zur Rechenschaft ziehen und setzen ein Kopfgeld auf den Cowboy und dessen Freunde aus. Der in die Jahre gekommenen William Munny, ein ehemaliger Kopfgeldjäger und mittlerweile friedfertiger Familienvater und Schweinezüchter, nimmt sich dieser Aufgabe an, obwohl er bereits vor geraumer Zeit jeglicher Gewalt abgeschworen hatte. An seiner Seite reiten Ned Logan, ein alter Freund aus früheren Tagen und ein junger Möchtegern-Revolverheld, der sich selbst "The Schofield Kid" nennt.
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Kritik

Erbarmungslos hat eine Wertung von 97%
Clint Eastwoods Erbarmungslos zählt zu den besten Western der Zeitgeschichte. Das teils sehr düstere Meisterwerk um den gealterten Killer William Munny kombiniert klassische und untypische Elemente des Westerns und kann durch eine gelungene Story, insbesondere jedoch durch die starken Schauspielerleistungen von Eastwood, Freeman und Hackman in jeglicher Hinsicht überzeugen.

Bild aus Erbarmungslos Im Jahre 1971 wurde er als Inspector Harry Callahan in Dirty Harry zum Weltstar. Circa 21 Jahre später nahm Clint Eastwood auf dem Regiestuhl zum Western Erbarmungslos platz, doch der Weltstar war alt geworden und die Erwartungen an den Film entsprechend gering. Die Kritiker wurden allerdings eines Besseren belehrt, denn mit Erbarmungslos schuf Eastwood einen Western der absoluten Meisterklasse, der unter anderem vier Oscars erhielt und zum erfolgreichsten Film des Jahres 1992 wurde.

Der in die Jahre gekommene William Munny (Clint Eastwood) ist Witwer, ein allein erziehender Vater von zwei Kindern und lebt zurückgezogen auf einer Farm. Der junge Cowboy "The Schofield Kid" (Jaimz Woolvett) möchte diesen dazu anheuern, mit ihm Kopfgeld einzutreiben, da Munny in früheren Jahren als gefürchteter Killer in die Geschichte eingegangen war. Doch der Veteran zögert: Er fühlt sich nicht im Stande sein Killer-Dasein erneut aufleben zu lassen und lehnt das Angebot zunächst ab. "The Schofield Kid" gibt ihm jedoch die Möglichkeit, ihm nachzureiten, falls er seine Meinung doch noch ändern sollte.

Clint Eastwood wartete zehn Jahre, um in die Rolle des gealterten Cowboys zu schlüpfen. Bewusst grenzt er seinen Hauptcharakter William Munny von den Helden bzw. Anti-Helden anderer klassischer Western ab: So ist Munny weder der gefürchtete Killer noch der heroische Westernheld, sondern schlichtweg ein vom Leben gezeichneter Mann, der keinesfalls stolz auf seine Taten ist, Gewalt mittlerweile verabscheut und nur noch in Ruhe sein Leben verbringen möchte. Hier liegt die wunderbar aufgelegte Ironie bzw. Parodie seitens von Eastwood, denn in einem "normalen" Western wäre Munny als Protagonist einfach unmöglich gewesen.

Munny reitet schließlich tatsächlich los, obwohl seine Schießkünste anscheinend nichts mehr wert sind. Als Partner nimmt er wie früher Ned Logan (Morgan Freeman) mit, der ähnlich wie Munny mit seinem Leben als Killer abgeschlossen hatte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten macht sich das Trio um Munny, Logan und "The Schofield Kid" auf den Weg, um das Kopfgeld in Big Whiskey einzutreiben. Doch sie haben nicht mit dem sadistischen Sheriff Little Bill gerechnet, der in seiner Stadt für Ruhe und Ordnung sorgen will.

Allerdings darf Clint Eastwoods Erbarmungslos nicht als reine Parodie angesehen werden: So sind durchaus auch typische Kennzeichen für den klassischen Western vorhanden. Da ist zum Beispiel der harte Sheriff Little Bill, der English Bob (Richard Harris) brutal zusammenschlägt, weil dieser ebenfalls wie Munny und Co., das Kopfgeld eintreiben möchte. Außerdem gibt es den ehrgeizigen jungen Cowboy "The Schofield Kid", der den gefürchteten jungen Killer spielt und sich als absolut gefühlskalt ausgibt. Doch Eastwood reicht diese Charakterisierung nicht, denn er will nicht den idealen Western, sondern vielmehr den realistischen Western drehen. So entpuppt sich "The Schofield Kid" als ein Möchtegern-Revolverheld, der in Wahrheit noch niemanden umgebracht hat und sich der Grausamkeit des Mordens erst bewusst wird, als er sein erstes Opfer erschießt. Ebenso der harte Sheriff, der in Wahrheit ein Nichtskönner ist: So schafft es Little Bill nicht einmal sein Haus so zu konstruieren, dass es nicht hineinregnet. Am deutlichsten wird das Aufblühen der Realität jedoch in der Szene zwischen Sheriff Little Bill und dem Biographen von English Bob, einem angeblichen Helden. Little Bill erzählt dem Biographen die wahre Geschichte und deckt die Feigheit und die Lügen von English Bob auf, der eben nicht heroische Taten oder dergleichen begangen, sondern nur erfunden hat.

Man könnte noch stundenlang über derartige Einzelheiten diskutieren und nachdenken. Fakt bleibt jedoch insgesamt, dass Erbarmungslos eine Komplexität erreicht, die nur äußerst selten in Filmen zu finden ist. So bleibt nach einem ebenso düsteren, wie traurigen Ende nur zu sagen, dass der Western auf allen Ebenen überzeugen kann, wobei insbesondere auch die exzellent besetzte Schauspielergarde in den Vordergrund gerückt werden sollte. Als kleinen Kritikpunkt könnte man dennoch den etwas zu lang erscheinenden Anfangsteil anführen, der natürlich absichtlich etwas großzügiger ausfällt, um William Munny besser zu charakterisieren.

Clint Eastwood sagte über Erbarmungslos: "Der Film fasst all meine Gefühle für Westernfilme zusammen." Genau das ist der Grund, warum dieser Film so großartig ist.

von Jens Grimm


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