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Traffic - Macht des Kartels

(Traffic, 2000)

Dt.Start: 05. April 2001 Premiere: 27. Dezember 2000 (USA)
FSK: ab 16 Genre: Drama
Länge: 147 min Land: Deutschland, USA
Darsteller: Michael Douglas (Robert Wakefield), Don Cheadle (Montel Gordon), Benicio Del Toro (Javier Rodriguez Rodriguez), Luis Guzmán (Ray Castro), Dennis Quaid (Arnie Metzger), Catherine Zeta-Jones (Helena Ayala), Steven Bauer (Carlos Ayala), Jacob Vargas (Manolo Sanchez), Erika Christensen (Caroline Wakefield), Clifton Collins Jr. (Frankie Flowers), Miguel Ferrer (Eduardo Ruiz), Topher Grace (Seth Abrahams), Amy Irving (Barbara Wakefield), Beau Holden (D.E.A. Agent), Peter Riegert (Attorney Michael Adler)
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Simon Moore, Stephen Gaghan


Inhalt

Richter Robert Wakefield wird vom Präsidenten damit beauftragt, den Kampf gegen das Drogenproblem in den USA aufzunehmen und muß nur kurze Zeit später feststellen, daß seine eigene Tochter heroinabhängig ist. Während dessen versucht Helena Ayala, die Frau des kürzlich inhaftierten Drogenbarons Carlos, das Geschäft ihres Ehemanns fortzuführen, wird dabei jedoch von den DEA Agenten Gordon und Castro überwacht. Jenseits der Mexikanischen Grenze führt der Polizist Javier Rodriguez den Kampf gegen die Drogen auf seine eigene fragwürdige Weise.
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Kritik

Traffic - Macht des Kartels hat eine Wertung von 93%

Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, an dem ich zum ersten Mal etwas über das Projekt Traffic - Macht des Kartels las. Steven Soderbergh wollte nach seinem durchwegs gelungenen Streifen Erin Brockovich einen Film über das immer größer werdende Drogenproblem in den USA drehen. Damals war Harrison Ford noch im Gespräch für die Rolle des Richters Robert Wakefield, die dann schließlich von Michael Douglas gespielt wurde. Aber noch ehe genaue Details über die exquisite Besetzung des Streifens bekannt wurden, war bereits klar, daß dies ein äußerst interessanter Film werden würde. Als Traffic - Macht des Kartels dann kurz nach Weihnachten 2000 in den USA Premiere feierte und sich die ersten Kritiken vor Begeisterung überschlugen, wuchs die Vorfreude in mir natürlich ins unermeßliche. Zwei Wochen vor der bevorstehenden Oscar-Verleihung (bei der Traffic - Macht des Kartels theoretisch bis zu fünf der begehrten Statuen abräumen kann, wenn die Academy denn so will) hatte ich nun endlich das Vergügen den Film zu sehen. Es ist wirklich schön zu wissen, daß es noch einige wenige Filme gibt die so gut sind, daß sie sogar die hohe Erwartungshaltung die man sich im Laufe von vielen Monaten aufgebaut hat noch um einiges übertreffen.

Es fällt mir schwer, das Wort "genial" bei der Rezession dieses Films nicht zu benutzen. Also sag ich es doch einfach wie es ist: Der Film ist schlichtweg genial. Traffic - Macht des Kartels erzählt mehrere Geschichten die alle etwas mit dem Thema Drogen zu tun haben und teilweise ineinander verwoben sind. Dabei beleuchtet der Film das Drogenproblem von ganz verschiedenen Seiten und zeigt alle Facetten der Thematik. Wir erleben wie ein junges Mädchen unter dem Druck ihrer Freunde mit Heroin in Berührung kommt, innerhalb kurzer Zeit abhängig wird und wie man so schön sagt auf die schiefe Bahn gerät. Wir lernen auch ihren Vater kennen. Dieser ist kein geringerer als Richter Wakefield, der Mann der vom Präsidenten damit beauftragt wird, den Kampf gegen das stetig wachsende Drogenproblem in den USA von politischer Seite anzugehen. Wir begleiten die DEA Agents Gordon und Castro bei ihrer täglichen Arbeit, sehen wie der Polizist Javier Rodriguez zwischen die Fronten gerät, sind hautnah dabei wenn Helena Ayala erfährt, daß ihr Ehemann ein einflußreicher Drogenbaron ist und sehen wie sie schließlich versucht das Geschäft ihres inhaftierten Mannes fortzuführen. In gut zwei Stunden bekommen wir einen kleinen Einblick in die Welt des Drogenhandels und verstehen mit jeder Minute besser, warum die Dinge so schwierig sind und weshalb der Kampf gegen den blühenden Markt im Grunde völlig aussichtslos ist.

Regisseur Steven Soderbergh gelang es eine absolut stimmungsvolle und packende Atmosphäre zu schaffen, durch die bei dem prinzipiell sehr ruhig und gemäßig verlaufenden Film duchwegs Spannung herrscht. Die Bilder wechseln von grobkörnig gelb verschwommen über ganz hell überzeichnet bis hin zu gestochen scharf beruhigend blau und verleihen der jeweiligen Situation stets mehr Aussagekraft und Intensität. Zudem filmte Soderbergh (der unter dem Pseudonym Peter Andrews als sein eigener Kameramann agierte) viele Szenen mit Handkamera, wodurch diese äußerst realistisch wirken. Der gezielte Einsatz oder manchmal eben auch die bewußte Aussparung von Musik liefert ebenfalls einen wesentlichen Beitrag für den hohen Realitätsfaktor des Films. Gleiches gilt auch für Soderberghs Entscheidung fast alle Szenen die jenseits der mexikanischen Grenze spielen in Spanisch mit englischen Untertiteln zu drehen. Golden Globetrotter Benicio Del Toro spricht im ganzen Film vielleicht drei Sätze Englisch. All diese stilistischen Mittel laßen Traffic - Macht des Kartels streckenweise fast dokumentarisch erscheinen, wodurch der Film sehr echt wirkt. Hinzu kommen noch die makelosen Leistungen aller Darsteller von Michael Douglas angefangen über Don Cheadle und Catherine Zeta-Jones bis hin zur Neuentdeckung Erika Christensen. Soderbergh hat es intelligenterweise auch vermieden den moralischen Zeigefinger auszupacken. Während des gesammten 147 Minuten liefert der Film kein einziges Mal eine Wertung ab, sondern konzentriert sich ausschließlich auf eine realistische Darlegung der Fakten und überläßt jegliche Schlußfolgerung dem Zuschauer. All dies macht Traffic - Macht des Kartels zu einem der besten Filme die bisher zu diesem Thema gedreht wurden.

von Thomas Brendel


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