Eigentlich sollte es nichts zu schimpfen geben. Da treten drei sehr gute Top-Schauspieler (Ulrich Noethen, Katja Riemann und Ulrich Tukur) an, es gesellt sich eine teuflisch erotische Newcomerin (Petra Schmidt-Schaller) hinzu und fertig ist das tolle Ensemble dieses Films. Da sie von einem ebenfalls sehr guten Regisseur geleitet werden, spielen die Darsteller äußerst nuanciert und facettenreich. Allerdings will der Funke trotzdem nicht so richtig überspringen.
Das liegt vor allem am zu Grund liegenden Buch aus der Feder von Martin Walser, das für einen vielleicht noch nicht in der Midlife-Crisis befindlichen Menschen schlicht und einfach banal ist. Die Geschichte handelt von zwei verschiedenen Männertypen im Alter um die Fünfzig, der Eine mit einer soliden Ehefrau, der Andere mit einer deutlich Jüngeren - und dann finden sie auch noch die jeweils andere Partnerin ansprechender. Aber dies natürlich nur für kurze Zeit. Denn man spürt recht deutlich, dass die wahre Beziehung beim eigentlichen Lebensgefährten zu finden ist und so ist einige erotische Eskapaden später alles wieder vorbei.
Nun wäre all das noch nicht so tragisch, wäre das Ganze nicht in einer sehr "fernseh-liken" Optik gedreht. Hierbei sind nicht nur die geringe Fluktuation von Drehorten und die daraus resultierenden wenigen Schauwerte zu nennen. Auch die durchgängig nur als "nett" zu bezeichnende Lichtführung und vor allem das generelle Vermissen überhaupt durch Bilder zu erzählen, tragen ihren Teil dazu bei. Ein Großteil der Zeit wird durch äußerst eloquente, also sehr literarische, Gespräche gefüllt. Hier hätten ein paar Brüche hin und wieder ganz gut getan.
Allerdings gibt es dann doch zwei Ausnahmen hervorzuheben: Zum Einen eine Reitszene, in der im Film ein ausgebüchstes "fliehendes Pferd" gezähmt wird. Dies ist nicht nur atemberaubend weil hier mit einer brachialen Wucht erzählt wird, sondern auch weil Ulrich Tukur offensichtlich selbst ein sehr guter Reiter ist. Trotz eines hohen Tempos sieht man ihn eindeutig selbst auf dem Rücken des Pferdes voranpreschen. Zum Anderen begeistert eine wirklich perfekt gewordene Sturmszene. Es ist immer faszinierend und toll, wenn Wetter, mit all seinen zwischenzeitlichen Entstehungsstufen, in einem Film auftaucht. Das ist aufwendig und episch zugleich. So natürlich im Fluss, wie das hier passiert, ist das wirklich selten zu sehen. Wenn der Sturm schließlich da ist verkörpert er wiederum eine brachiale Wucht, die als "ganz großes Kino" bezeichnet werden kann.
Alles in Allem hätte so stark, wie diese beiden Szenen, der ganze Film sein müssen. Aber wie bereits erwähnt, wird man ansonsten fast nur mit "Talking Heads" konfrontiert. Da die Schauspieler so gut aufgelegt sind, ist es für ältere Zuschauer, die sich an der eloquenten Sprache nicht stören, vielleicht sogar ganz amüsant. Manch anderer ist allerdings sicherlich noch ein wenig "zu jung" für diesen Film.