|
|
 |
 |
 |
 |
 |
Delirious(Delirious, 2006)
| Dt.Start: |
nicht bekannt
|
 |
Premiere: |
26. September 2006 (San Sebastian Film Festival, Spanien) |
| FSK: |
nicht bekannt
|
Genre: |
Komödie, Drama |
| Länge: |
107 min
|
Land: |
USA |
|
Darsteller:
|
Steve Buscemi (Les Galantine), Michael Pitt (Toby Grace), Joe D'Onofrio (Vince), Billy Griffith (Hoagie), Phillip Bloch, Marcus Collins (Marcus), Kevin Corrigan (Ricco), Elvis Costello, Greg D'Agostino (Security), Minnie Driver, Teddy Eck (Dougie), Marshall Factora, Gina Gershon, Mel Gorham (Tish), Jack Gwaltney (Chuck Sirloin), Amy Hargreaves (Nikki Blake), Kristina Klebe, Antoinette LaVecchia (Gretchen), Cinqué Lee (Corey), Alison Lohman (K'Harma Leeds), Rodrigo Lopresti, Carylee McPherson, Elizabeth Newman, Sarah Nichols, Melissa Rauch (Megan), Richard Short (Jace Hipley), Callie Thorne (Gabi), Nicole Vicius (Robbyn), David Wain (Byron) |
|
Regie:
|
Tom DiCillo |
|
Drehbuch:
|
Tom DiCillo |
|
 Inhalt
Les Galantine ist ein überheblicher Boulevard-Fotograf, der endlich den großen Wurf landen möchte, indem er ein großartiges und exklusives Foto schießt. Dazu begibt er sich heimlich auf Promi-Partys und legt gefälschte All-Access-Tickets vor. Eines Tages begegnet er dem obdachlosen Toby Grace, den er als Assistenten anheuert und wohlgefällig in seinem Schrank schlafen lässt. Zufällig begegnet Toby dem Singstar K'Harma, verliebt sich in sie und bekommt neue Einblicke, die Les zwar immer haben wollte, jedoch nie bekam. |  |
|
Durchschnittliche Redaktionswertung
Keine weitere Wertung
Kritik
von Thomas Brendel
Der hervorragend besetzte und routiniert inszenierte neue Independent-Film von Regisseur Tom DiCillo, der im September letzten Jahres auf dem San Sebastian Film Festival Premiere feierte und auf dem diesjährigen Münchner Filmfest seine Deutsche Erstaufführung erlebte, überzeugt durch seine unkonventionelle Mischung aus verschrobener Komödie, Freundschafts-Drama, modernem Märchen und Mediensatire.
Les Galantine ist ein Paparazzo wie er im Buche steht. Als selbstständiger Fotograf ist er immer auf Achse, ständig auf der Suche nach einem neuen Motiv, das sich gewinnbringend an die Redaktionen der Klatschblätter verkaufen lässt. Ein schlechtes Gewissen plagt ihn bei seiner Arbeit nicht, schließlich erfüllt er mit seinem schamlosen Eindringen in die Privatsphäre prominenter Menschen nur die Bedürfnisse der sensationslüsternen Leser. Eines Tages lernt er den jugendlichen Stadtstreicher Toby kennen, der sich ihm für eine warme Mahlzeit und einen Platz zum Schlafen als unbezahlter Assistent anbietet. Les geht auf das Angebot ein und nimmt den jungen Burschen unter seine Fittiche, bereit, ihn in die Geheimnisse seiner Arbeit einzuweihen. Als Toby sich jedoch in das Popsternchen K'Harma verliebt, dabei tiefer in die Welt der Promis eintaucht und über Umwege schließlich selbst zu einem Star wird, gerät das Lehrer-Schüler-Verhältnis der beiden Männer, zwischen denen sich mittlerweile eine ungewöhnliche Freundschaft entwickelt hat, zunehmend ins Wanken.
Delirious lebt in erster Linie von seinen liebenswerten Figuren, allen voran natürlich seinen beiden Protagonisten. Für den verschrobenen Papparazzo konnte Tom DeCillo den unnachahmlichen Steve Buscemi gewinnen, mit dem er bereits 1995 an Living in Oblivion zusammen arbeitete. Buscemi liefert hier ein ergreifendes Portrait einer gescheiterten Existenz, die sich ihr Versagen nicht eingestehen will. Äußerlich wirkt Les Galantine zwar wie ein erfolgreicher Lebemann, der seinen Platz im Leben und seine Freiheit in einem ungewöhnlichen und abwechslungsreichen Beruf gefunden hat, innerlich ist er jedoch zutiefst unzufrieden, da ihn seine Arbeit nicht wirklich glücklich macht und ihn sogar seine eigene Eltern für das schmutzige Geschäft, in dem er tätig ist, mit Verachtung strafen und ihm rigoros ihre Zuneigung und Anerkennung verweigern. Dass die Berühmtheiten, denen er tagtäglich hinterherjagt auch nur Menschen sind und sich von den gewöhnlichen Leuten nicht unterscheiden, versucht er seinem Assistenten Toby zwar immer wieder weiß zu machen, doch scheint er selbst nicht daran zu glauben. Umso niederschmetternder ist für ihn natürlich die Tatsache, dass dieser Junge mit einer vollkommen ungezwungenen Art durchs Leben geht und die aus Galantines Mund fast schon wie hohle Phrasen klingenden Weisheiten mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit umsetzt und dabei Dinge erreicht, die dem gefrusteten Paparazzo immer verwehrt blieben. Regisseur Tom DiCillo entwickelt aus der Gegensätzlichkeit dieser beiden Figuren eine hervorragende Komik, die in vielen irrwitzigen Situationen zum tragen kommt, ohne dabei jedoch die tiefergehende Tragik, die den zwei Charakteren innewohnt, zu vernachlässigen und schafft dabei gekonnt den Spagat zwischen spaßiger Comedy und substanziellem Drama.
Darüber hinaus ist Delirious aber auch eine großartige Mediensatire, angefangen von der fast schon märchenhaften Geschichte über den armen Stadtstreicher, der unverhofft zum großen Fernsehstar aufsteigt und dabei auch noch eine einschaltquotensteigernde Romanze mit einem zuckersüßen Popstar unterhält, bis hin zur schamlos überzeichneten Charakterisierung zahlreicher im Medienzirkus tätigen Nebenfiguren. So zeigt DiCillo beispielsweise die hübsche Sängerin K'Harma bei ihrem kreativen Schaffensprozess, der daraus besteht, in Seidenunterwäsche auf dem Bett des Hotelzimmers zu sitzen und auf dem vor ihr platzierten Mini-Keyboard in wohl geübter Ein-Finger-Technik die Melodie zu ihrer nächsten Erfolgs-Single zu komponieren. Doch selbst sie ist in diesem Film viel mehr als ein bloßes Abziehbild eines oberflächlichen Popstars und nicht nur als eindimensionales Klischee angelegt, was einmal mehr unterstreicht, wie wichtig die Figuren für Regisseur Tom DiCillo sind. Sie sind es letztendlich auch, die diesen großartig inszenierten Film auszeichnen und dafür verantwortlich sind, dass diese Geschichte so gut funktioniert. Ohne Frage einer der besten Filme, die es auf dem diesjährigen Filmfest München zu sehen gab.  Weitere interessante Filme
|
 |
 |
 |
 |
© 2012 MovieMaze.de |
 |
 |
 |
|