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Videospielverfilmungen haben mittlerweile einen schlechten Ruf. Dies ist nicht nur Dr. Uwe Boll sondern auch anderen Regisseuren zu verdanken, die sich anscheinend keinerlei Gedanken über den Fankult hinter den Figuren und den daraus resultierenden Erwartungen der Zielgruppe machen. Xavier Gens wollte bei Hitman - Jeder stirbt alleine alles besser machen - doch das Resultat spricht eher gegen diesen Vorsatz.
In älteren Interviews mit Uwe Boll (Postal, Seed) kam auch immer wieder das Computerspiel "Hitman" zur Sprache, welches er gerne verfilmen würde. Wenn man sich die anderen Videospiel-Verfilmungen von Boll ansieht, dann kann man nur dankbar sein, dass er die Rechte nicht bekommen hat. Mit Xavier Gens hat man nun zwar einen Regisseur gefunden, der nach eigenen Aussagen ein leidenschaftlicher Gamer ist und "Hitman" zu seinen Lieblingsspielen zählt, aber ob er wirklich das gleiche Computerspiel wie der Rest der Welt gespielt hat, wird wohl immer ein Rätsel bleiben.
Der Hitman mit dem Codenamen 47 ist ein Retorten-Baby, das für den Zweck des Auftragsmordes aus genetischem Material von perfekten Killern erschaffen wurde. Er zeichnet sich durch Nervenstärke, Präzision, Entschlossenheit und Zielstrebigkeit aus, wodurch er in seiner Agentur zu einem der Besten wurde. Im Film nun findet sich 47 (Timothy Olyphant) auf einmal in einem politischen Verwirrspiel wieder, dessen Hintergründe er aufzudecken versucht. Dabei hat er es nicht nur mit dem russischen Geheimdienst, sondern auch mit dem Interpol-Agenten Whittier (Dougray Scott) zu tun, der ihm einige Kopfschmerzen bereitet.
Dass man bei Computerspiel-Verfilmungen meist keine tiefgründige Storyline erwarten kann, damit hat man sich als Kinozuschauer abgefunden. Warum aber nahezu jede Game-Adaption gleich die gesamten Regeln und Vorgeschichten über den Haufen werfen muss, wird man wohl nur in Hollywood verstehen. Bei Hitman - Jeder stirbt alleine legte man gerade auf die "ikonografischen Aspekte" wert, so zumindest der Regisseur in einer Presseinformation. Wie das dann aussieht ist aber fast schon lächerlich.
Das Computerspiel zeichnet sich - im Gegensatz zu anderen "Ballerspielen" - nämlich durch die Cleverness und Perfektion von Agent 47 aus. Als Spieler geht es nicht um das dumme umballern anderer Menschen, sondern um die Erfüllung der Aufträge mit hoher Effektivität und möglichst perfekter Tarnung. So ist die "Standard-Waffe" von Agent 47 eine Klaviersaite, denn mit ihr ist ein lautloses töten möglich ohne andere Wachen zu alarmieren. Weiterhin ist das ständige Umziehen ein wichtiger Aspekt im Spiel, denn mit der richtigen Kleidung kommt man an fast jeder Wache oder Kontrolle vorbei ohne Alarm auszulösen.
Im Film werden diese "ikonografischen Aspekte" dann so umgeschrieben, dass die Klaviersaite überhaupt nicht vorhanden ist (obwohl sie unter Spielfans als das Highlight der "Hitman"-Reihe gilt) und Timothy Olyphant sich nur einmal von seinem Anzug mit der roten Krawatte trennt und in eine Uniform klemmt. Dass dann während des Filmes noch andere Auftragskiller auftauchen, die alle mit der prägnanten Tätowierung am Hinterkopf ausgestattet sind und damit auch aus dem gleichen Labor stammen sollen, fällt vielleicht nur dem echten "Hitman"-Fan auf. Denn von Agent 47 gibt es mehrere Klone, deswegen hat eben jede "Züchtung" auch diesen Barcode als Tattoo. Dummerweise haben die Agenten im Film nicht nur unterschiedliches Aussehen, sondern auch unterschiedliche Hautfarben. Soviel also zu den Eigenschaften, die die Fans so sehr am Spiel schätzen und daher im Film nicht verändert werden sollten.
Natürlich mag mancher jetzt anbringen, dass man ohne das Spiel gespielt zu haben, den Film einfach als Action-Film toll finden kann. Das mag durchaus richtig sein, doch hier sollte man sich mal über die Zielgruppenfrage Gedanken machen - die Gamer sind diejenigen, die man ins Kino locken will, sonst hätte man den Film nicht an dem Spiel "Hitman" anlehnen müssen. Also wieso verärgert man eben diese Multiplikatoren in dem man sich nicht an die vorgegebenen Regeln der "Hitman"-Welt hält, sondern einmal mehr der kreativen Ader freien Lauf lässt und alles zunichte macht, was dem Gamerherz so wichtig ist.
Hitman - Jeder stirbt alleine hätte ein großer Erfolg werden können, denn Agent 47 ist eine Figur, die perfekt für einen spannenden Thriller auf der großen Leinwand gewesen wäre. Wenn man statt Uwe Boll dann aber einen anderen Regisseur ran lässt, der sich ebenso wenig um die Eigenschaften und "ikonografischen Aspekte" der Charaktere schert, dann sollte man sich nicht wundern, wenn erboste Computerspielfans - die Zielgruppe - sich dem Film gegenüber nicht nur kritisch sondern vernichtend äußern! Aber auch alle, die die "Hitman"-Reihe als Computerspiel nicht kennen, werden nur einen 08/15-Actionfilm sehen, der sich nicht vom Einheitsbrei abheben kann. |