Richard Gere ist nicht nur im privaten Leben sehr engagiert, wenn es um Menschenrechte geht. In Richard Shepards Polit-Thriller spielt er einen couragierten Reporter, dem kein Weg zu gefährlich ist, einem grausamen Kriegsverbrecher das Handwerk zu legen. Wer aber knallharte Action erwartet, wird von Hunting Party - Wenn der Jäger zum Gejagten wird enttäuscht werden. Trotzdem gelingt es dem Regisseur bei der empfindlichen Thematik, mit fein eingestreuten Späßen, für gute Laune zu sorgen und die Absurdität des Sujets aufzudecken.
Grundlage für Richard Shepards Hunting Party - Wenn der Jäger zum Gejagten wird ist ein Artikel des Esquire Magazins aus dem Jahr 2000. In "What I Did on My Summer Vacation" beschreibt der Journalist Scott Anderson seine abenteuerlichen Begegnungen in Bosnien. Zusammen mit vier anderen Reportern forschten sie damals vor Ort nach dem realen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic. Das ging so lange gut, bis die CIA sie stoppte. Shephard, der nur einige Elemente der Geschichte für seinen Film verwendete, verweist aber schon im Vorspann auf die realen Begebenheiten, die dem Streifen zu Grunde liegen, denn dort ist zu lesen: "Nur die unglaublichsten Teile dieser Geschichte sind wahr".
Kommen wir also zu dem erstaunlichsten Teil der Geschichte. Hunting Party - Wenn der Jäger zum Gejagten wird ist vor allem daher so brisant, da er interessante Fragen aufwirft. Wie kommt es, dass Kriegsverbrecher immer wieder ins Nirgendwo verschwinden können, ohne dass man weiß, wo sie sind? Warum schafft es die UNO und die CIA nicht jemanden dingfest zu machen, der tausende unschuldige Menschen auf dem Gewissen hat? Jetzt könnte man sagen:"Na weil der so clever war und sich aus dem Staub gemacht hat." Aber nehmen wir an, das hat er nicht. Er blieb im Land und lebt sein Leben mit einigen Einschränkungen so weiter, wie bisher. Wie kommt das, wenn doch im selben kleinen Land die Top-Agenten verschiedener Organisationen nach ihm suchen? Vielleicht weil man ihn gar nicht wirklich fangen will?
Mit einer plötzlich beginnenden Szene führt Shepard den Zuschauer schnell zum Ort des Geschehens - Bosnien im Kriegszustand. Furchtlos und ohne zu zaudern machen sich Reporter Simon Hunt (Richard Gere) und sein Kameramann Duck (Terrence Howard) auf die Suche nach den aussagekräftigsten Bildern vom Krieg. Zu einem tragischen Zwischenfall kommt es 1994. Anhänger des serbischen Kriegsverbrechers Dr. Boghdanovic (Ljubomir Kerekes), genannt "Der Fuchs", veranstalteten in einem kleinen muslimischen Dorf ein bestialisches Massaker. Während der Live-Übertragung verliert Hunt nicht nur die Fassung, er kritisiert die Vorgehensweise der UNO und greift auch die bornierte Art der Berichterstattung seines Senders an. Das bleibt nicht ohne Folgen. Während Duck zum erfolgreichen Chef-Kameramann des Senders aufsteigt, wird Hunt gefeuert und muss sich mit Gelegenheitsreportagen für drittklassige Sender über Wasser halten. 2000 reist Duck nochmals nach Sarajevo und wird von Hunt besucht, der ihm eine unglaubliche Story anbietet. Hunt weiß, wo sich "Der Fuchs" versteckt hält und hat es auf das Kopfgeld von fünf Millionen US-Dollar abgesehen. Nach langer Überzeugungsarbeit sagt Duck schließlich zu und bringt auch noch den Sohn des Senderpräsidenten, Benjamin Strauss (Jesse Eisenberg), mit an Bord. Zu dritt wollen sie jemanden fangen, der bisher von Niemandem ausfindig gemacht werden konnte. Doch ihr Unternehmen bleibt nicht lange unbemerkt und schnell stellt sich die Frage wer Jäger und wer der Gejagte ist.
In dem Streifen wird nicht nur der USA auf die Zehen getreten, auch Den Haag und die UNO kommen nicht so gut davon. Somit ist es nicht überraschend, wenn die Nebenfiguren (ein Zwerg, der den Schwarzhandel lenkt; Kellner, die auch mal das Gewehr zücken; grausame Psychopathen, die bei der Unterhaltung mit der Liebsten ganz sanft werden und Soldaten, die nicht von ihren Wahnvorstellungen abzuhalten sind) etwas überzeichnet sind. Trotzdem gibt es immer wieder schlagfertige Sprüche, die einen zum schmunzeln bringen. Die Spannung wird vor allem durch den gekonnten Mix aus paradoxen Sequenzen und real erscheinenden Begebenheiten immer wieder aufrecht gehalten.
Richard Gere überzeugt in der Rolle des engagierten Reporters mit Herz und Terrence Howard (Die Fremde in Dir) darf zeigen, was alles in ihm steckt. Doch die Darstellung von Diane Kruger (Das Vermächtnis des geheimen Buches) ist alles andere als glaubwürdig. Sie traut sich einfach nicht, auch mal eine entstellte, dreckige oder hässliche Person zu spielen. Dazu kommt noch Jesse Eisenberg (Der Tintenfisch und der Wal), der, abgesehen von einer Szene, wie das dritte Rad am Wagen wirkt.
Da der Streifen vor Ort gedreht wurde, kann man die ehemalige Olympiasportstätte von 1984 sehen, die Serpentinen des Landes bewundern und sieht viele zerschossene Ruinen und Häuser, die dem Film einen Hauch Authentizität verleihen. Hunting Party - Wenn der Jäger zum Gejagten wird ist zwar etwas vorhersehbar, aber nie wirklich langweilig. Dadurch, dass er von jedem Genre Elemente in sich vereint, ist er durchaus für das Mainstream-Publikum zu empfehlen. Nur Zuschauer, die sich einen ausgereiften Polit-Thriller erhoffen, sollten nicht mit allzu großen Erwartungen hineingehen.