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Packendes Antikriegsdrama oder glorifizierendes US-Heldengemetzel? Ein ehrlicher Blick auf die Schrecken des Krieges oder ein überzogen patriotisches Denkmal an die US-Soldaten, die für die Befreiung Europas vom Nazi-Regime im Zweiten Weltkrieg ihr Leben ließen? Um solche und ähnliche Fragen drehen sich viele Diskussionen über Steven Spielbergs (Jurassic Park, Schindlers Liste) Oscar gekröntes kontroverses Meisterwerk Der Soldat James Ryan, dessen Geschichte zwar unrealistisch, aber packend und bewegend inszeniert ist.
6. Juni 1944, Omaha Beach in der Normandie: D-Day. Der Tag, an dem die Invasion der alliierten Streitkräfte beginnt, um das von Hitler unterjochte Europa zu befreien. Als die Landungsboote den Strand erreichen, entfacht sich ein wahres Gemetzel und der Krieg zeigt seine hässlichste Fratze. Unter dauerndem MG-Beschuss der Deutschen stürzen sich die Alliierten aus ihren Booten. Viele schaffen es nur wenige Meter weit, ehe sie von Kugeln durchlöchert oder von Granaten in die Luft gesprengt werden. In dieser Hölle befindet sich auch der amerikanische Captain John H. Miller (Tom Hanks), der mit seinen Kameraden nach und nach den Strand sichert und die deutsche Abwehr zerbricht. Doch Zeit zum Ausruhen bleibt nicht: Nachdem bereits drei der vier Ryan-Brüder im Krieg gefallen sind, bekommt Miller den Auftrag, den vierten, Private James Ryan (Matt Damon), lebend aus dem Kriegsgebiet zu holen. Zusammen mit acht weiteren Soldaten macht er sich auf die Suche...
Natürlich ist die Geschichte um den Trupp, der entsandt wird, einen einzigen Soldaten aus dem Kriegsgebiet zu retten, unrealistisch. Für solche Operationen dürfte in den Wirren und der Aufregung des Krieges kein Platz gewesen sein. Und doch schafft es die Story um die neunköpfige Gruppe, einen zu packen und zu bewegen. Das, was Steven Spielberg hier auf die Leinwand zaubert, ist ein düsteres und brutales Abbild des Krieges, das einem die Schrecken in schonungsloser Form präsentiert. Die Szene der Landung in der Normandie gehört zweifelsohne zu einer der beeindruckendsten der Filmgeschichte. Hier wird das Leid, die Angst und Verzweiflung der Soldaten greif-und spürbar. Dabei geizt Spielberg nicht mit Blut und herumfliegenden Körperteilen. Doch es stellt sich niemals auch nur der Gedanke an deplatzierten Splatter ein, sondern unterstreicht den Schrecken des Krieges in passender Form. Der Krieg war und ist brutal und genau das zeigt Spielberg auf offene Art und Weise. Wie einige Kritiker dem Film dann noch vorwerfen können, es handle sich um einen pathetischen und patriotischen US-Kriegshelden Film, der die Amerikaner übertrieben glorifiziert, ist eigentlich nicht nachvollziehbar. Immer wieder sind es hier die US-Streitkräfte, die auf brutale Art getötet werden. Von Patriotismus oder Pathos kann hier keine Rede sein, zumal das ausgesandte Team nur wenig Sympathie für ihre Mission und ihr Ziel mitbringt.
Spielberg zeigt wieder einmal, dass er zu recht zu den ganz Großen in Hollywood gehört. Inszenatorisch ist der Film eine Wucht und beeindruckt mit unglaublich dichten Gefechten, aber auch ruhigen Momenten, in denen vor allem die vielen verschiedenen Charaktere im Vordergrund stehen, insbesondere der des Captain Miller, dessen Herkunft und Leben erst mit fortschreitender Zeit Schritt für Schritt offenbart wird. Tom Hanks (Illuminati) zeigt in dieser Rolle einmal mehr sein schauspielerisches Talent und wurde verdient für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert. Matt Damon (Das Bourne Ultimatum) verkörpert den namensgebenden Private James Ryan mit Bravour und zeigt einen jungen, entschlossenen Soldaten. In weiteren Rollen überzeugen darüber hinaus u.a. Tom Sizemore (Red), Edward Burns (27 Dresses), Barry Pepper (Sieben Leben), Vin Diesel (Fast and Furious), Giovanni Ribisi (Public Enemies), sowie Jeremy Davies (Rescue Dawn).
Fazit: Steven Spielberg stellte mit Der Soldat James Ryan wieder einmal sein großes Talent unter Beweis und schuf einen der besten Antikriegsfilme aller Zeiten. Antikriegsfilm deshalb, weil die Beziehung "Amerikaner-Krieg" eben nicht glorifiziert und patriotisiert wird. Der Trupp, der entsandt wird, um Private Ryan zu retten, symbolisiert nicht den US-amerikanischen Patriotismus, der dem Film oft unterstellt wird, sondern reagiert mit Antipathie auf die Mission und auf jene Person, die gerettet werden soll. Bei der Inszenierung schreckt Spielberg nicht vor schonungslosen und brutalen Bildern zurück und präsentiert ein düsteres, grausames und blutiges Schlachtengemälde, dessen Intensität nur schwer zu toppen ist. Mit Superstar Tom Hanks als Zugpferd ist der Cast stark besetzt und überzeugt bis in die kleinste Rolle. Ein Meisterwerk des Antikriegsfilms mit einer unrealistischen, aber nichtsdestotrotz packenden, intensiven und bewegenden Geschichte in der dreckigen Hölle des Zweiten Weltkriegs. |