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Außer Atem

(A bout de souffle, 1960)

Dt.Start: 05. Juli 1960
DVD: 24. Juli 2001
Premiere: 16. März 1960 (Frankreich)
FSK: ab 16 Genre: Drama
Länge: 90 min Land: Frankreich
Darsteller: Jean-Paul Belmondo (Michel Poiccard), Jean Seberg (Patricia Franchini), Daniel Boulanger (Police Inspector Vital), Jean-Pierre Melville (Parvulesco), Henri-Jacques Huet (Antonio Berrutti), Van Doude (Van Doude), Claude Mansard (Claudius Mansard), Richard Balducci (Tolmatchoff), Roger Hanin (Cal Zombach)
Regie: Jean-Luc Godard
Drehbuch: Jean-Luc Godard, Francois Truffaut


Inhalt

Auf dem Weg nach Paris gerät der Autodieb Michel in eine Verkehrskontrolle und erschießt einen Polizisten. Die amerikanische Studentin Patricia, die er in Südfrankreich kennen gelernt hat, gewährt ihm schließlich Unterschlupf. Ihre Gefühle zu dem charismatischen Anti-Helden verwirren die junge Frau jedoch zusehends, so dass sie am Ende vor eine Entscheidung gestellt wird: Soll sie mit Michel nach Italien flüchten oder an die Polizei verraten?
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Außer Atem hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 85%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Daniel Licha
Außer Atem hat eine Wertung von 85%
Von der ersten bis zur letzten Minute ist der Zuschauer gefangen in dieser atmosphärischen Welt, die Godard hier kreierte. Mit seinem großartig aufgelegten Hauptdarsteller Belmondo wird das Publikum mit auf eine wilde Achterbahnfahrt aus grandios inszenierten Szenen und großartig geschriebenen Dialogen genommen, die der Zuschauer so schnell nicht wieder vergessen wird.

Bild aus Außer Atem Jean Luc Godard zählt zu den beeindruckendsten europäischen Regisseuren aller Zeiten. Nicht zu Unrecht laufen seine Filme immer wieder in Retrospektiven auf verschiedenen Festivals und auch dieses Jahr gibt sich Godard unter anderem mit diesem Film bei den 60. Internationalen Filmfestspielen in Berlin die Ehre.

Michel Poiccard könnte man in einem Lexikon als Beispiel finden, wenn man nach dem Wörtchen des Draufgängers suchen würde. Der Kleinganove ist ein Rebell und liebt das Vergnügen. Als er jedoch mit einem gestohlenen Auto in eine Geschwindigkeitskontrolle gerät, erschießt Michel seinen Verfolger kaltblütig. Auf der Flucht trifft er auf die Studentin und Zeitungsverkäuferin Patricia. Gemeinsam mit ihr möchte er sich nach Italien absetzen, doch zuvor muss noch ihr Herz erobert werden und sie sich die Frage stellen ob sie ihre Karriere für den Draufgänger Michel aufzugeben bereit ist.

Die Geschichte des Filmes basiert auf einer wahren Begebenheit, die Godards Regiekollege Francois Truffaut in einer Zeitung aufgeschnappt und in eine eigene Story adaptiert hat. Aus dieser wiederum schuf Godard das Drehbuch zu seinem Film. Da die Geschichte somit durch einige Hände glitt, ist es nicht mehr nachzuvollziehen, wie viel von der wahren Begebenheit noch vorhanden ist, doch Godards Handschrift lässt sich deutlich erkennen. Sein Markenzeichen, dass über einen längeren Zeitraum zwei Personen über den aktuellen Stand ihrer Beziehung reden, wird auch hier wieder aufgegriffen und gerade in diesen Momenten zeigt sich die enorme Stärke des Drehbuchs. Auch das Ende hätte besser nicht gewählt werden können, ist es nur eine logische Konsequenz der zuvor gezeigten Ereignisse.

Die auf der Berlinale mit der besten Regie ausgezeichnete Inszenierung Godards hat Geschichte geschrieben. Viele wissen jedoch nicht, dass sich der hochgelobte Stil aufgrund drastischer Budgetprobleme ergeben hat. Beispielsweise die in diesem Film zum ersten Mal eingesetzten Jump Cuts wurden nur eingebracht, da Godard die Laufzeit seines Filmes radikal kürzen musste. Dennoch funktionieren die Schnitte inmitten der Dialoge perfekt als eigenes Stilmittel. Unterstützt wird der Realismus der dialoglastigen Geschichte ebenfalls durch die hervorragende Soundkulisse des Stadtumfelds, die gepaart mit der häufigen Verwendung der Handkamera für eine einmalige Atmosphäre sorgen kann.

Schon in den ersten Minuten des Filmes wird klar: Niemand hätte den Hauptdarsteller besser portraitieren können als Jean Paul Belmondo. Er legt seine Figur als Karikatur von Humphrey Bogart an und spielt die coole Sau vom Dienst souverän, kann aber auch in den ruhigen Momenten überzeugen. Wer jedoch denkt, dass sich die weibliche Hauptrolle Jean Seberg von dieser Leistung in den Schatten stellen lässt, der irrt: Ihre Anfangs recht zurückhaltende Art ändert sich mit ihrem Charakter furios und ist eine nahezu perfekte Ergänzung zu Belmondos aufdringlichem Spiel.

Jean Luc Godard schuf mit Außer Atem ein atemberaubendes und vor allen Dingen großartig inszeniertes Werk. Dabei fesselt einen die Atmosphäre vom ersten bis zum letzten Moment, lebt von seinen langen hervorragenden Dialogpassagen und seinem einnehmenden Hauptdarsteller. Dass bei einem solchen Erfolg ein US-Remake (Atemlos mit Richard Gere) nicht fehlen durfte ist klar, allerdings ist dieses dem Original von Godard um Längen unterlegen.



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