Regisseur Oliver Stone zeigt in seinem bekannten Börsendrama die skrupellosen Geschäfte an der New Yorker Börse. Ihm gelingt dabei ein spannender, kluger und äußerst interessanter Film, der mit Michael Douglas in der Hauptrolle perfekt besetzt ist. Trotzdem kann Wall Street durch kleine inhaltliche Schwächen und eine miserable Leistung von Daryl Hannah nicht auf ganzer Linie überzeugen, weswegen ein Meisterwerk leider verhindert wurde.
Die weltberühmte "Wall Street" ist eine Straße in Manhattan mit zahlreichen Banken und der weltgrößten Börse, der New York Stock Exchange. Es war kein geringerer als der dreifache Oscarpreisträger Oliver Stone, der im Jahre 1987 ein Börsendrama namens Wall Street drehte und in den Hauptrollen sowohl Michael Douglas als auch Charlie Sheen verpflichten konnte. Stone, der selbst aus einer Börsenmaklerfamilie stammt, wollte mit seinem Film die Auswüchse der Börsengeschäfte kritisieren und schuf dabei die Figur Gordon Gekko, die sich an den Machenschaften der realen Wallstreet-Millionäre Ivan Boesky und Carl Icahn orientierte. Wall Street wurde gerade aufgrund seiner Aktualität durch den "Schwarzen Montag" im Oktober 1987 ein großer Erfolg und konnte mehrere Filmpreise gewinnen, darunter den Oscar für die Kategorie "Bester Hauptdarsteller" (Michael Douglas).
Bud Fox (Charlie Sheen) ist ein junger Börsenmakler, der unbedingt das große Geld machen möchte. Eines Tages erfüllt sich sein Traum, weil er mit dem schwerreichen Börsianer Gordon Gekko (Michael Douglas) ins Geschäft kommt. Als Bud Insiderinformationen von seinem Vater Carl Fox (Martin Sheen) erhält, der bei der Fluggesellschaft "Bluestar" als Chefmechaniker arbeitet, gibt er diese an Gekko weiter, um zusammen mit ihm die Firma vor dem Konkurs zu bewahren. Doch Gekko spielt mit falschen Karten und löst das Unternehmen aus reiner Profitgier auf, anstatt es zu retten. Bud beschließt, sich an seinem Mentor zu rächen.
Wall Street kann insbesondere durch seinen Hauptdarsteller überzeugen. Michael Douglas spielt, wie des Öfteren, den unmenschlichen Geschäftsmann, der sein Gewissen vollkommen verloren und durch seine Profitgier ersetzt hat. Für seine Figur Gordon Gekko zählt nur der Erfolg und mit ihm natürlich das Geld, während ihm Familie, Freunde und vor allem auch Vertrauen rein gar nichts bedeuten. So sagt Gekko: "Wenn du einen Freund brauchst, kauf dir einen Hund." Douglas schafft es, diese fragwürdigen Ansichten exzellent auf die Leinwand zu zaubern und erhielt völlig zu Recht viele Auszeichnungen für die wohl beste Darstellerleistung seiner Karriere. Ebenso hervorzuheben ist die kleine Nebenrolle von Martin Sheen, der den Gegenpart von Gekko spielt und dabei als loyaler, humanitärer Mann vollkommen überzeugt.
Doch jede Medaille hat bekanntlich auch ihre Kehrseite: So ist Daryl Hannah für die Darstellung der Darien Taylor mit der Goldenen Himbeere als schlechteste Nebendarstellerin ausgezeichnet worden und auch Regisseur Stone bereute später, Hannah als Schauspielerin eingesetzt zu haben. Deutlich besser, wenn auch lange nicht so gut wie Douglas oder sein Vater Martin, spielt Charlie Sheen, der den jungen Börsianer Bud Fox darstellt. Ihm kommt dabei die wichtige Aufgabe zu, zwischen seinem Vater Carl und seinem Mentor Gekko zu stehen und dabei den Konflikt "Geld oder Gewissen?" besonders im letzten Drittel des Films glaubhaft darzustellen.
Inhaltlich bietet Wall Street eine intelligente Story, die an manchen Stellen jedoch entweder Ungereimtheiten aufweist oder zu konstruiert erscheint, was auch mit einer 40-minütigen Kürzung der ursprünglichen Fassung zu tun hat. So wird in der Kinoversion beispielsweise nicht klar, warum Carl Darien als Hure bezeichnet oder warum Bud Präsident von Bluestar wird, ohne dabei seine Tätigkeit als Broker eingestellt zu haben. Zu stark konstruiert bleibt leider das Ende, bei dem Gordon Gekko einen Wutausbruch erleidet und seine illegalen Unternehmungen vor Bud preisgibt, der ein Aufnahmegerät der Polizei bei sich trägt. Hier versucht Stone zwar den Übeltäter Gekko noch zu überführen, aber gerade Gekkos Ausraster wirkt - vielleicht auch aufgrund der Kürzung des Films - einfach zu unglaubwürdig.
Oliver Stone ist für seine explizit politischen und teils äußerst moralisierenden Werke bekannt. Bei Wall Street wird ihm jedoch häufig vorgeworfen, dass er die finanziellen Machtstrukturen vernachlässige und damit viel zu unpolitisch agiere. Diesen Vorwurf mag man für richtig erachten oder auch nicht, eine Sache steht jedenfalls definitiv fest: Stone bietet mit seinem Börsendrama einen sehr starken und äußerst unterhaltsamen Film mit einem genialen Michael Douglas als Hauptdarsteller.