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Nanny Diaries

(The Nanny Diaries, 2007)

Dt.Start: 14. August 2008
DVD: 08. Mai 2009
Premiere: 24. August 2007 (USA)
FSK: o.A. Genre: Komödie
Länge: 105 min Land: USA
Darsteller: Scarlett Johansson (Annie Braddock), Laura Linney (Mrs. X), Alicia Keys (Lynette), Chris Evans (Harvard Hottie), Donna Murphy (Judy), Paul Giamatti (Mr. X), Nicholas Reese (Grayer), Nathan Corddry (Calvin), Cady Huffman, Brande Roderick (Tanya), Nina Garbiras (Miss Chicago), Judith Roberts (Milicent), Alison Wright (Bridget), Heather Simms (Murnel), Sakina Jaffrey (Sima)
Regie: Shari Springer Berman, Robert Pulcini
Drehbuch: Shari Springer Berman, Robert Pulcini


Inhalt

Die frischgebackene Absolventin Annie stammt aus einfachen Verhältnissen und entscheidet sich gegen den Willen ihrer Mutter für einen Job als Kindermädchen und nicht für eine Karriere in der Geschäftswelt. Ihre Suche führt sie zu einer wohlhabenden Familie aus Manhattan, die auf den ersten Blick das perfekte Familienglück lebt. Doch nach einigen Tagen kommt die Wahrheit ans Licht und so muss Annie erkennen, dass nicht alles Gold ist was glänzt.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Nanny Diaries hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 55%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Nanny Diaries hat eine Wertung von 55%
Soziologische Studien aus der Dienstmagdperspektive. Annie wird Nanny für die Zöglinge der Upper East Side Gesellschaft. Trotz eben abgeschlossenem BWL- und Anthropologiestudium fühlt sich Annie noch nicht Erwachsen genug für die Härten der Bussinneswelt. Vielleicht will sie einfach was völlig anderes in ihrem Leben. In einer Auszeit im 24-Stunden Job als Babysitterin hofft sie sich darüber klar zu werden. Nett gemachte Komödie mit ganz soften Dramaakzenten und Persiflageeinlagen, die auf die High-Society zielen und eine groteske Welt skizzieren, die vermutlich tatsächlich so ähnlich funktioniert. Die Intention aber, auch ein wenig Mitgefühl diesen verwöhnten Kreaturen entgegenzubringen, bleibt Geschmacksache.

Bild aus Nanny Diaries Alle Eltern wollen ihre Kinder glücklich sehen. Annies Mutter (Donna Murphy) hat sich zwanzig Jahre als Alleinstehende bemüht, ihrer Tochter (Scarlet Johansson) eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Die Opfer haben sich gelohnt: Annie hat auf dem College erfolgreich BWL- und Anthropologie studiert und ist nun bereit ihre Karriere in der New Yorker Geschäftswelt zu starten. Bereits das erste Vorstellungsgespräch geht aber in die Hose. Annie ist nicht mal in der Lage, die einfachste aller Fragen zu beantworten: "Wer bin ich?" Während sie durch den Central Park läuft, um den Black-Out zu verarbeiten, bewahrt sie einen kleinen Jungen davor umgefahren zu werden. Seine Mutter ist überglücklich und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. "Wie heißen Sie?" "Annie." "Nanny! Super ich suche eine Nanny." Und schwups ist es passiert: Eine ganze Schar Oberschichtprimadonnen stürzen sich auf Annie, sobald sie das Stichwort Nanny hören.

Annie entscheidet sich den Job bei den Eltern des geretteten Jungen anzunehmen: Mr. und Mrs. X. Er: Immens erfolgreicher Geschäftsmann, notorischer Fremdgeher und nahezu nie anwesend. Sie: Vollzeitmutter, die vor lauter "Aktivitäten" keine Zeit für sich findet und für die lästigen Erziehungsaufgaben schon gar nicht. Dafür gibt es Nannys. Nach anfänglichen Kommunikationsproblemen schließen Annie und Grayer (Nicholas Reese), Sohnemann der X-Eltern, miteinander Frieden. Der Arme Grayer hat schon einige Nannys kommen und gehen sehen. Kaum hat er einer Bezugsperson seine Zuneigung und Vertrauen geschenkt, ist sie schon wieder weg. Wie lange wird Annie durchhalten? Das Leben in der Oberschicht Manhattans ist ein grotesker Zirkus der Eitelkeiten. Oft steht sie kurz vor dem Wahnsinn, wäre da nicht ihre beste Freundin Lynette (Alicia Keys), sie hätte überhaupt keinen Rückhalt. Ihrer Mutter hat sie aus Angst sie zu enttäuschen nichts von diesem Job erzählt. Annie macht bald aus der Not eine Tugend und hält ihre Erlebnisse in ihrem Tagebuch fest: ganz Wissenschaftlerin, quasi als "Feldstudie". Richtig kompliziert wird es dann, als sich Annie in den flotten Nachbarn Hayden (Chris Evans) verguckt.

Nanny Diaries ist nett und charmant inszeniert. Das liegt vor allem an der hinreisenden Scarlett Johansson, die optisch einiges hermacht. Allerdings scheint der Spagat nicht immer gelungen, die Jung-Diva, ehemals sexiest woman alive, zum "Backfisch" herunterzustutzen. Die 24-jährige Johansson wirkt nicht immer als Frischling vom College glaubhaft, dazu ist die Akteurin etwas überpräsent. Bilderbuchmäßig, irgendwo zwischen Peter Pan und Mary Poppins, schön umgesetzt sind die Passagen, in denen sich Annie die Welt aus ihrer Perspektive "mahlt". Das hat Charme und wirkt schön pointiert. Dramaturgische Substanz bekommt der Streifen aber erst durch Laura Linney als unterkühlte und affektierte New Yorker Society-Lady. Das nervös-spröde Spiel einer Frau, die gefangen ist zwischen Kunstrealität und Pseudoidentität, verleiht dem Film einige Akzente, ohne die das ganze schnell zu einem Sex and the City-Aufguß geworden wäre. Chris Evans hingegen, die lebende Fackel aus Fantastic Four, darf sich mal wieder, als fescher Charmbolzen, selber spielen.

Insgesamt fühlt man sich gut unterhalten. Die Story ist nicht völlig hanebüchen, der Blick nach oben halbwegs gut persifliert und mit einigen Akzenten gewürzt, die zum Nachdenken anregen mögen. Kernfrage bleibt aber, was der Film, außer ein bisschen nett zu unterhalten, noch möchte. Es geht um Narzissmus, um Menschen die alles haben und doch oder eben deswegen emotional verkümmern. Eine Welt bevölkert von Tussis, Society-Zicken und Machtehemännern, die glauben sich nehmen zu können, was immer ihnen in den Sinn kommt, sowie von Kindern, die von Fremden erzogen werden und echte elterliche Zuneigung vermissen. Und ehrlich gesagt, sind es auch alleinig die, welche zu Mitgefühl anregen. Um das traurige Schicksal des Geldadels beweinen zu können, muss man schon sehr die eigene geistige Welt in Yellow-Press Manier ausgestaltet haben. Hier leidet ernstlich die Glaubwürdigkeit, wenn Schauspieler, die eigentlich selber zur "Welt der Schönen und Reichen" zählen, diese an den Pranger stellen. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, könnte sich nett unterhalten fühlen.



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