Paulas Geheimnis zeigt die beiden Hauptdarsteller Thelma Heintzelmann und Vincent Paul de Wall nicht nur in ihrer ersten großen Rolle, sondern vereint auch in seiner Geschichte sowohl einen spannenden und gleichzeitig humorvollen Detektivfilm, märchenhafte Momente als auch eine Sozialproblematik, die die vorwiegend junge Zielgruppe bisher sicherlich nur am Rande kennen gelernt hat.
Paula stammt aus einem reichen Elternhaus, wo sie für ihre stets mit Arbeit beschäftigten Eltern mehr als ein nettes Beiwerk fungiert. Sie ist gut in der Schule, zieht sich vor ihren Mitschülern aber stets zurück. Dafür schreibt sie eifrig Tagebuch und flüchtet sich dank diesem in eine Märchenwelt mit einem Prinzen, der ihr immer zuhört. Tobi dagegen stammt aus der Unterschicht und ist von seiner zickigen Schwester und den sich häufig streitenden Eltern reichlich genervt. Er ist der Einzige, der sich um Paula kümmert, als ihr das geliebte Tagebuch von rumänischen Kinderdieben geklaut wird. Gemeinsam begeben sich die beiden unterschiedlichen Kinder auf die Suche und entwickeln dabei langsam eine Beziehung, die auf ständigem Geben und Nehmen beruht.
Gernot Krää kreiert die Geschichte um Paula und Tobi ähnlich einem Kinderfilm a la Erich Kästner. In einem gelungenen Mix aus Detektiv - und "Erwachsen werden"- Film zeichnet er die Charaktere der beiden Kinder sehr einfühlsam. Beide verkörpern ihre Rollen glaubhaft und lassen weitaus mehr Potential vermuten, als ihnen ihre Charaktere zukommen lassen. Trotz der recht klischeehaften Darstellung von wohlerzogenem Kind aus reichem Haus und pummelig-faulem aus ärmeren Verhältnissen, rutscht die Geschichte nie ins Langweilige ab. Stattdessen macht es Spaß zuzusehen, wie die anfänglichen Vorurteile der Kinder im Laufe ihrer Handlungen immer mehr nachlassen. Zu guter letzt entwickelt sich eine feste Freundschaft, beide lernen aus ihren Fehlern und sehen, dass der andere gar nicht so schlimm ist, wie gedacht.
Krää stellt den trotz aller Unterschiede sicheren Elternhäusern von Paula und Tobi die harte soziale Situation rumänischer Kinderdiebe gegenüber. Dieser harte Schnitt wirkt zwar drastisch, verdeutlicht aber so den Zuschauern, dass die Realität oft brutaler ist, als gedacht. Zwar kann man das Verhalten der Diebe nicht gutheißen, sieht die Hintergründe dieser Tat aber mit ganz anderen Augen. Zur Auflockerung seiner Erzählung dienen die märchenhaften Szenen von Paulas Träumen von "ihrem Prinzen". Zwar fallen sie etwas kitschig aus, fügen sich aber dennoch gut in das Gesamtbild ein.
Dass Regisseur Gernot Krää mit Paulas Geheimnis genau die Herzen der Zielgruppe anspricht, zeigt der Hauptpreis, den der Film auf dem Internationalen Kinderfilm Festival LUCAS 2006 gewann.