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Fatih Akins gefühlsbetontes Episodendrama lebt nicht nur von seinem fast perfekten, kompromisslosen Drehbuch, sondern ebenfalls von dessen ruhigen und einfühlsamen Inszenierung. Die bestens harmonierende und durchweg überzeugende Darstellerriege ist ein weiterer Garant für einen der besten deutschen Filme der letzten Jahre.
Liebe, Tod und Teufel nennt sich die Trilogie Fatih Akins, die mit Gegen die Wand schon einen großartigen Einstand fand. Inhaltlich unabhängig legt er nun mit Auf der anderen Seite nach und konnte sich im Vorfeld sogar den Drehbuchpreis in Cannes sowie eine Nominierung für die goldene Palme sichern.
Als sich der Witwer Ali in die Prostituierte Yeter verliebt und ihr Geld für ein gemeinsames Leben bietet, stößt dies bei seinem Sohn Nejat auf wenig Gegenliebe. Nach einem ausufernden Streit wird Yeter getötet und Nejat findet heraus, dass sie das Geld ihrer Tochter zukommen ließ um ihr ein Studium zu ermöglichen. Um diese weiterhin zu unterstützen, will er sie ausfindig machen und reist in die Türkei.Hier erfährt er jedoch, dass sie in ihrem Heimatland ein politischer Flüchtling und inzwischen illegal in Deutschland eingereist ist.
Akin hat ein untrügliches Gespür für seine Charaktere und gerade deren Emotionen lassen sich realistischer kaum einfangen. Anstatt auf große Trauer zu setzen, zeigt er lebensnah wie sich Menschen nach einem Verlust verhalten, welche Motive sie haben, sowie das Gefühl der Veränderung in ihnen. Dies bewegt den Zuschauer ungemein, zumal Fatih Akin keinerlei Kompromisse eingeht und sich schonungslos jeglichem Kitsch entsagt.
War der Auftakt der Trilogie Gegen die Wand noch ein wildes emotionales Drama, ist die Fortsetzung nun in einem komplett anderen Stil in Szene gesetzt worden. Dank dieser extrem ruhigen Atmosphäre gelingt es Akin die Emotionen der ohnehin schon großartig geschriebenen Charaktere noch zu verstärken und ein perfektes Zusammenspiel zwischen Drehbuch und Inszenierung zu schaffen.
Dass viel Wert auf das Casting gelegt wurde, merkt man von der ersten Minute an. So könnte man jeden Darsteller als Bestbesetzung für die jeweilige Rolle sehen. Sowohl bekannte als auch unbekannte Gesichter verleihen ihren Charakteren durch ihr intensives Spiel Leben wie man es nur selten zu sehen bekommt. Höhepunkt hierbei ist die eindrucksvolle Leistung der Hanna Schygulla, welche im letzten Drittel besonders zur Geltung kommt. Auf der anderen Seite braucht sich vor seinem Vorgänger, dem Berlinale Gewinner Gegen die Wand, zu keinem Zeitpunkt verstecken und übertrifft diesen an manchen Stellen sogar. So schuf Akin erneut ein extrem realistisches und ergreifendes Drama, welches einen schon jetzt auf den Abschluss seiner Trilogie freuen lässt. |