Die Macher von Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia haben offenbar Gefallen daran gefunden Fantasy-Kinderbücher zu verfilmen und präsentieren mit Wintersonnenwende die erste Leinwandadaptation eines Teils der sehr beliebten Buchreihe von Susan Cooper. Der Film ist ganz klar auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten und vermag leider in Sachen Handlung kaum zu überraschen. Doch dank der guten darstellerischen Leistungen und der liebevollen und aufwendigen Inszenierung, handelt es sich auf keinen Fall um einen mangels Spannung vollkommen misslungenen Film.
Wann immer ein beliebtes und bekanntes Buch verfilmt wird, hört man oft schon im Vorfeld kritische Stimmen, welche nicht an das Gelingen dieses Vorhabens glauben können. Als ganz unbegründet kann man diese Tatsache jedoch nicht ansehen, hat doch erst kürzlich die Verfilmung von Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter ein weiteres Mal Öl ins Feuer der Kritiker gegossen. Somit war es von Anfang an alles Andere als ein einfaches Unterfangen, Wintersonnenwende als überzeugende Interpretation der Vorlage auf die Leinwand zu bringen.
Der junge Will Stanton wird soeben vierzehn Jahre alt, und schon steht seine Welt auf dem Kopf: Ein hübsches, älteres Mädchen macht ihm im Bus schöne Augen (heftet sich dann aber an einen seiner Brüder); überall sieht er ein spiralförmiges Muster, welches sich dann jeweils plötzlich bewegt; zwei Kaufhausdetektive nehmen ihn grundlos mit und fragen ihn über irgendwelche Zeichen aus und zu allem Überfluss taucht auch noch ein schwarzer Reiter auf, der ihm nichts Gutes will. Bald erfährt er, dass er der siebte Sohn eines siebten Sohnes ist und als der Sucher, welcher die sechs Zeichen des Lichts finden muss, die Welt vor der Dunkelheit retten soll.
Wenn ein vierzehnjähriger Junge auf einmal mit derlei vielen Veränderungen in seinem Leben zu kämpfen hat, ist es nur verständlich, dass er hin und wieder etwas überfordert ist. Leider geht es dem erwachsenen Zuschauer genau umgekehrt: Sobald die Karten verteilt sind, ist klar wie das Spiel zu Ende gehen wird, weswegen das Lächeln, welches man zu Begin noch im Gesicht hat, mit verstreichender Laufzeit immer müder wird. Dabei hatte alles sehr vielversprechend begonnen, indem uns der Charakter des Will Stanton und dessen gesamtes Umfeld auf liebevolle Weise vorgestellt wurden. Sobald aber ein zentrales Handlungselement zur Sprache kommt, weiss der geneigte Filmfreund sofort, was da am Ende wohl für Überraschungen preisgegeben werden. Dabei spielt es auch gar keine Rolle, ob man die Vorlage kennt oder nicht, da alles dermassen hastig abgehandelt wird, dass keine Zeit mehr für irreführende Fährten übrig ist. Andererseits kann es natürlich auch sein, dass man das jüngere Publikum - die eigentliche Zielgruppe - einfach nicht überfordern wollte...
Getragen wird der Film hauptsächlich durch Newcomer Alexander Ludwig, welcher als Will Stanton grösstenteils zu Glänzen weiss und immer wieder etwas Tiefe und Gefühl in die ganze Angelegenheit bringt. Sehr gelungen und facettenreich ist ausserdem Ian McShanes (Agent Cody Banks) Darstellung des Merriman Lyon, welcher dem jungen Will Stanton immer wieder mit Rat und Tat zur Seite steht. Der restliche Cast geht, ohne selbst dafür verantwortlich zu sein, mit ein paar wenigen Ausnahmen in der unspektakulären Handlung unter, und selbst der grosse Bösewicht - Christopher Eccleston (28 Days Later) als der Reiter - wirkt bei Licht eher freundlich und einladend (auch, wenn er das in der Geschichte natürlich trotzdem nicht ist) als furchteinflössend. Grossartig ist dafür allerdings die detaillierte Ausstattung des Films, welche es immer wieder schafft eine willkommene, düstere Atmosphäre zu verbreiten.
Man kann Wintersonnenwende sicherlich nicht einen schlechten Film nennen, denn dafür ist er zu gut gemacht. Aufgrund des sehr mangelhaften Drehbuchs und der Vorhersehbarkeit, kommt das Werk aber leider nicht über das Mittelmass hinaus und wird die meisten Fans der Vorlage wohl sogar eher leicht verärgern. Trotz aller Kritik ist Regisseur David L. Cunningham (To End all Wars) aber immerhin ein schönes Fantasy-Abenteuer für die jüngeren Kinozuschauer (zwischen sechs und vierzehn Jahren) gelungen, welches sich natürlich gerade zu Beginn der kühleren Jahreszeiten für ein paar gemütliche Stunden im Kino anbietet.