Thomas Harlan - Wandersplitter Poster

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Thomas Harlan - Wandersplitter

(Thomas Harlan - Wandersplitter, 2007)

Durchschnittliche Redaktionswertung

80%



Inhalt

Thomas Harlan denkt nach, spricht, bricht ab und das alles vor laufender Kamera. Er ist Autor, Filmemacher und der Sohn des Jud Süss - Film ohne Gewissen-Regisseurs Veit Harlan, der engen Kontakt zu Hitler hatte. In Thomas Harlans Kopf entsteht ein Film: Er erzählt in einem Lungensanatorium in den Bergen des äußersten Süddeutschlands persönliche, politische und sonstige kurze, mal längere Episoden über sein Leben.

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Thomas Harlan - Wandersplitter

Kritik

von Harald Witz

Wertung Kritik

80%

Ein Zeitzeuge berichtet und eine Kamera hält fest. Thomas Harlan - Filmemacher, Literat, Kommunist und Moralist - erzählt aus seinem Leben, das unabdingbar mit dem Namen seines Vaters verbunden ist: Veit Harlan, Hitlers Lieblingsregisseur und Schöpfer des Hetzfilms Jud Süss - Film ohne Gewissen. Dass Thomas Harlan aber weitaus mehr als der Sohn ist, davon berichtet die faszinierende Dokumentation Thomas Harlan - Wandersplitter.

Bild aus Thomas Harlan - Wandersplitter Ein Mann sitzt an einem vollgepackten Schreibtisch und erzählt. Bald darauf sitzt er an der Bettkante seines kleinen Zimmers und erzählt. Thomas Harlan ist 78 Jahre alt und der Sohn des berühmt-berüchtigten Propaganda-Regisseurs Veit Harlan. Hier, in einem Sanatorium oberhalb von Berchtesgaden, hat der schwerkranke Zeuge deutscher und europäischer Geschichte seine Zuflucht gefunden und berichtet aus seinem Leben.

Thomas Harlan - Wandersplitter ist ein rudimentäres Filmerlebnis. Es ist eher ein Hörbuch oder Hörspiel mit Bildern. Thomas Harlan ist ein grandioser Erzähler. Detailreich, überraschend, faszinierend und spannend sind nur einige Attribute, die man seinen Ausführungen in den 96 Minuten dieser spartanischen Dokumentation anheften kann. Aus 50 Stunden Ausgangsmaterial, einer 20-stündigen Rohfassung und einer fünfstündigen erweiterten Fassung (für die DVD) haben Hübner, Gabriele Voss und ein kleines Team des Münchner Filmmuseums ein erstaunliches Stück Kino (-Geschichte) gefiltert. Feinfühlig und facettenreich haben sie Splitter einer literarischen Karriere als gesprochene Literatur zusammengestellt.

So berichtet Harlan von seinen Begegnungen mit Hitler und räsoniert über die Auswirkungen des Faschismus sowohl auf seine Person wie im Allgemeinen. Über die Bürde des Namens, seine Arbeit als Naziverfolger und seine Zeit in der Sowjetunion spannt sich der Bogen seiner höchst persönlichen Betrachtungen, denen er auch gleich eine übergeordnete, erklärende Reflexion folgen lässt.

So entstehen Schlaglichter aus seinem Leben, das er inmitten von lebendiger Geschichte verbracht hat. Es sind "Wandersplitter". Den größten Raum der Doku nehmen die Erlebnisse während der Portugiesischen Revolution in den Siebziger Jahren ein. Mit Ausschnitten seines Dokumentarfilms Torre Bela versetzt, doziert er an dieser Stelle nicht nur über Doktrinen und revolutionäre Mechanismen, sondern auch gleich über die Auswirkungen von Kamera/Massenmedien auf das Verhalten der Menschen - und das ohne oberlehrerhaft oder gar hyperwissenschaftlich zu wirken.

Thomas Harlan erzählt und Christoph Hübner lässt ihn erzählen - ein einfacher wie effektiver Kniff. Geradezu frech wirkt die spartanische Installation. Und doch ist daraus eines der faszinierendsten und sensibelsten Porträts der letzten Zeit entstanden. Die Zuschauer tauchen ein in literarisches Essay und erleben Fragmente einer Biografie, von der man zu gerne mehr hören und sehen will. Thomas Harlan - Wandersplitter ist die Entdeckung eines Genies, dessen soziologisch-literarisches Reflektionsvermögen nur staunen läßt. Nicht umsonst erinnert der Titel an die Lehr- und Wanderjahre eines Goethe oder eines Peter Brook.

Keine weitere Wertung


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