Australien in den Sechziger Jahren: Vier im Dezember geborene Waisenkinder dürfen bei einer Familie am Meer Urlaub machen. Das riecht nach Abenteuer, erster Liebe und der Sehnsucht nach Geborgenheit und Familie. Daniel Radcliffe zeigt in Rod Hardys Coming-of-Age-Drama December Boys auch ohne Magie sein Talent. Bittersüßes Family-Entertainment.
Aus Australien kommt ein nostalgisch angehauchtes, bittersüßes Coming-of-Age-Drama über die Sehnsucht nach Geborgenheit, Liebe und Familie. Rod Hardy verfilmt Marc Rosenbergs Adaption eines Michael Noonan-Romans und bietet Harry Potter-Star Daniel Radcliffe die Gelegenheit, auch ohne Magie sein Können zu zeigen.
Vier Jungs jenseits des Knuddelalters, die allesamt im Dezember Geburtstag haben, erhalten von den katholischen Nonnen ihres Waisenhauses eine besondere Belohnung: vier Wochen Ferien über Weihnachten bei einem Ehepaar (Kris McQuade und Ralph Cotterill) am Meer. Gemeinsam mit Father Scully (Frank Gallacher) erleben Maps (Daniel Radcliffe), Misty (Lee Cormie), Spark (Christian Byers) und Spit (James Fraser) beim ehemaligen Marine-Offizier Shellback und seiner frommen Frau in einer idyllischen Bucht zunächst unbeschwerte Tage voller Überraschungen und Abenteuer.
Auch die anderen Bewohner der Bucht erweisen sich als freundlich, vor allem eine schöne Französin und ihr cooler Ehemann (Victoria Hill und Sullivan Stapleton), ein Motorradartist vom nahe gelegenen Vergnügungspark. Zwar sind alle vier Jungs sehr am Mysterium Frau interessiert, aber nur Maps findet Gelegenheit, dieses in Form der schönen Lucy (Teresa Palmer) auch näher zu untersuchen.
Doch die perfekte Idylle aus Strand, Meer, Felsen, Dünen, Wüste und Herzenswärme erhält durch verschiedene Ereignisse bald Risse, die aufzeigen, wie zerbrechlich der Seelenzustand der vier Freunde ist. Es gibt einige schmerzhafte Erfahrungen, bis sie erkennen, dass eine Familie nicht unbedingt aus Vater, Mutter und Kind bestehen muss.
Prägende Kindheitserlebnisse bieten spätestens seit Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers (1986) zahllose spannende Filmethemen. Rod Hardy inszeniert mit sicherer und feinfühliger Hand die Abenteuer der vier besten Freunden und Waisenkinder als kommerzielle, leichtverdauliche Familienunterhaltung. In ausgewaschenen, nostalgischen Brauntönen beobachtet er den Übergang in die Pubertät, die Sehnsucht nach Geborgenheit und die Suche nach dem fragilen Gebilde einer Familie.
Dabei federt er alle emotionalen Extreme ebenso ab, wie er durch Humor und Komik die wendungsreiche Handlung immer wieder auflockert. Natürlich verlässt sich Hardy dabei auf sein Zugpferd und Star Daniel Radcliffe, der erstmals außerhalb der Harry Potter-Serie sein Können zeigt. Allerdings bietet seine Figur nicht viel anderes als erneut einen verunsicherten Teenager. Nur darf er diesmal kräftig Emotionen zeigen und sein Traummädchen auch "gescheit" küssen.
Radcliffe bildet bei aller Dominanz aber nicht das eigentliche Zentrum des jungen Ensembles. Das ist eher Lee Cormie als sensibler Misty. Dessen Einfühlungsvermögen überrascht ein ums andere Mal. Seine Darstellung verleiht December Boys jene an Rührseligkeit grenzende Emotionalität, die das spannende Gegenstück zu Radcliffe Wandlung zum "angry young men" bildet. Dieses Spannungsfeld macht das Drama dann auch zu einer sehenswerten Familienunterhaltung jenseits knalliger Hollywood-Bonbons.