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Mit ihrem Debütfilm Oi!Warning aus dem Jahr 1999 sorgten die Filmemacher Dominik und Benjamin Reding für Aufsehen. Der selbstproduzierte Film über Homosexualität in der Skinhead- und Punkszene heimste zur Überraschung der Beiden etliche Preise und Zuspruch bei der Kritik ein, aber auch viele negative Stimmen. Dass auch ihr neuestes Projekt Für den unbekannten Hund für Diskussionen sorgen wird, ist vorhersehbar. Diesmal haben sich die Brüder für ihre Geschichte an den vielen grundlosen Gewalttaten Jugendlicher im Ostteil Deutschlands orientiert.
In dem Drama Für den unbekannten Hund trifft der junge Betonbauer und Totschläger Bastian aus Wismar auf eine Gruppe reisender Handwerksgesellen und begleitet sie auf ihrer traditionellen Wanderschaft. Die Grenzerfahrung eines Lebens mit den Gesellen auf der Straße, ganz auf sich allein gestellt, ohne Geld, ohne Freunde oder Sicherheiten, führen letztlich dazu, dass sich Bastian zu seiner Tat bekennt. Darüber hinaus versucht er, sie wieder gut zumachen und eigene Bedürfnisse hinten anzustellen.
Den Reding-Brüdern war es wichtig zu zeigen, wie junge Gewalttäter mit ihren Taten umgehen und wie sie nach einiger Zeit zu ihnen stehen. Sie versuchen aufzuzeigen, dass es neben den üblichen staatlichen Instrumenten, wie Jugendgefängnis oder Erziehungsheim, möglich ist, die Täter eines Besseren zu belehren. Insbesondere dieser Aspekt wird für viele Diskussionen sorgen, denn nicht jeden Straftäter kann man auf Wanderschaft schicken, damit er seine Tat bereut. Aber es regt dazu an nachzudenken, welche weiteren Möglichkeiten es gibt, um Jugendliche wieder in die Gesellschaft einzuführen.
Bastians Wandel ist in ein Roadmovie verpackt worden, in dem der Weg zur Besserung ganz klassisch in eine Reise eingebettet ist. Die Regisseure arbeiten dabei mit ausdrucksstarken Aufnahmen und scheuen auch nicht davor zurück, offene Gewalt nahe zu bringen. Langsam entfaltet sich dem Zuschauer Bastians wahrer Hintergrund, der ihn zu seiner Reise animiert hat. In kleinen Rückblenden erfährt man Bastians Vergangenheit und gleichzeitig die Wirkung, die seine aktuellen Handlungen und Erfahrungen auf ihn haben. Genauso wie sich Bastians vergangene Taten erst langsam offenbaren, so entfaltet sich auch Festus' Vergangenheit, die ihn immer noch belastet. Der Lebenskünstler wirkt auf den ersten Blick stets fröhlich, trägt in sich jedoch eine tiefe Bitterkeit.
Alle Schauspieler können auf ganzer Linie begeistern, auch wenn die Sympathie zu den Personen einem steten auf und ab unterzogen ist. Manchmal ist die Flut an Bildern, Eindrücken und kraftvoller Musik dem Zuschauer fast zu viel. Doch die stete Anspannung der Charaktere überträgt sich auch auf den Betrachter und sorgt dadurch für anhaltendes Interesse.
Für den unbekannten Hund greift ein aktuelles Thema auf und verarbeitet dieses drastisch und realitätsnah. Die Kreativität der Regisseure ist beachtenswert und sicher ist schon jetzt, dass auch dieser Film für viele Diskussionen sorgen wird. |