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China unter japanischer Besatzung Ende der Dreißiger Jahre: Eine junge Schauspielerin (Tang Wei) soll einen Regierungsbeamten (Tony Leung Chi-wai)mit ihren weiblichen Reizen in eine Falle locken. Dabei läßt sie sich auf ein gefährliches Spiel aus Intrigen, Obsession und Verführung ein. Ang Lee meldet sich nach seinem Brokeback Mountain-Triumph mit seinem Venedig-Gewinner Gefahr und Begierde zurück. Eine erotisch-exotische Mischung aus Gesellschaftsdrama und Agententhriller vor der imposanten Kulisse eines Chinas im Aufbruch.
Einen schwachen Film kann man in Oeuvre des taiwanesischen Regisseurs Ang Lee nicht finden. Von Preisen überhäuft darf man Werke wie Eat Drink, Man Woman, Tiger & Dragon oder zuletzt Brokeback Mountain zu den besten Filme der letzten 15 Jahre zählen. Lees größter Konkurrent scheint nur noch er selbst zu sein.Auch sein neuester Film Gefahr und Begierde wurde mit dem Goldenen Löwe in Venedig ausgezeichnet und darf erneut als Beispiel für die Themenvielfalt seiner Filme gelten. Diesmal hat er sich Eileen Changs Kurzgeschichte "Se Jie - Gefahr und Begierde" vorgenommen, das in Hongkong und Shanghai während der japanischen Besatzung spielt:
Die junge Studentin Wang Jiazhi (Tang Wei) tritt 1938 der Theatergruppe ihres besten Freundes Kuang (Wang Leehom) bei, der mit patriotischen Theaterstücken die Hongkonger gegen die Besatzer aufrütteln will. Als Wang binnen kürzester Zeit zum Star avanciert, trägt Kuang ihr einen verwegenen Plan an. Sie soll sich an einen hohen Regierungsbeamten und Kollaborateur namens Yi (Tony Leung Chi-wai) heranmachen und ihn in eine Falle locken. Tatsächlich gelingt die Kontaktaufnahme über Yis Ehefrau (JoanChen) in der Rolle der gelangweilten Frau eines abwesenden Geschäftsmannes.
Doch der Plan muss nach einer überraschenden Wendung aufgegeben werden, bis Kuang drei Jahre später wieder an Wang herantritt, um sie zu überreden, noch einmal in die Rolle der verführerischen Frau Mak zu schlüpfen. Herr Yi leitet in Shanghai nämlich mittlerweile den lokalen Geheimdienst und hat damit eine Schlüsselrolle innerhalb der Besatzungsregierung inne. Als Wang Yi wieder begegnet, trifft sie auf einen veränderten Mann, zutiefst misstrauisch, skrupellosen und gefährlich. Doch je näher sich die beiden wieder kommen, desto mehr gerät nicht nur ihre Gefühlswelt erneut durcheinander.
Schauspiel, Intrige, Täuschung und Verrat bilden die Eckpunkte eines pittoresken Kostümdramas, das laszive Erotik ebenso wenig verschmäht wie spannungsgeladenen Agententhrill. Und natürlich ist es die Liebe, die alle Elemente in diesem aufwändigen, visuell und emotional so bewegenden Werk miteinander verbindet. Einmal mehr versteht es der Regisseur voller Eleganz tiefgründige Charakterstudien zu betreiben und gleichzeitig eine spannende und mitreissende Geschichte zu erzählen, die voller Ambivalenz und Lebenslust ist. Lee gelingt inszenatorisch eine Verschmelzung der Sehgewohnheiten aus Fernost und Hollywood zu einem imposanten Gesellschaftsporträt der Dreißiger und Vierziger Jahre im urbanen China. Unübersehbar sind die Referenzen ans Kino der Dreißiger Jahre, wenn Garbos Matahari und andere Femmes fatale ihre Schatten über dieses hochmoderne Intrigenspiel und Identitätsdrama voller Schein, Masken und Verführung werfen. Noch lieber kompromitiert der Filmemmacher nur noch die konservativen Moralwächter diesseits und jenseits des Pazifiks mit expliziten Körperlichkeiten, die den emotionalen Nacktheiten in nichts nachstehen.
Mit Wei Tang präsentiert Lee den nächsten asiatischen Star, der es an der Seite des großartigen Tony Leung Chi-wai und unter Führung des versierten Filmemachers auch letztlich leicht hat, zu glänzen. Anders als zuletzt bei Wong Kar-wai mit 2046 oder Zhang Yimou (Der Fluch der goldenen Blume) kann man bei Ang Lees west-östlichen Spagat keine Abnutzungserscheinungen ausmachen. Sein sinnliches Spionagedrama Gefahr und Begierde verzaubert zweieinhalb Stunden lang und bietet großes Kino vom Feinsten. |