Weil seine Ex einen reichen, gut aussehenden wie sportlichen Börsenmakler heiraten will, kriegt ein bequemes Loser-Weichei endlich den Hintern hoch. Er erkennt, dass er ihr und seinem Sohn beweisen muss, dass er etwas zu Ende bringen kann. So will er ihre Liebe wiedergewinnen. Aber muss es gerade der London-Marathon sein? Scheinbar schon... Komiker Simon Pegg (Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis) und Friends-Star David Schwimmer (Regie) mischen Romantik- und Sportkomödie zur leichten und lockeren Genresatire fürs breite Publikum. Prima Popcorn-Kino!
Die Geschichte hat man schon oft gesehen: ein Loser wird vom Verlust der Liebe so sehr in den Hintern getreten, dass er endlich selbigen wieder bewegt, um diese zurück zu gewinnen. Da wurde es langsam Zeit für eine Parodie dieses Subgenres. Doch nicht aus dem momentan so angesagten Hause Apatow kommt die gewitzte Satire Run, Fatboy, Run sondern aus Großbritannien, wo der Komiker Simon Pegg einen ganz eigenen Satire-Stil pflegt. Mit Shaun of the Dead und Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis hat Pegg im Verbund mit Regisseur und Co-Autor Edgar Wright nicht nur die Briten sondern auch den Rest der Welt erobert. Seine erstklassigen Satiren besitzen Biss, ätzenden Brit-Humor sowie mitunter knallharte Körperlichkeit und Action.
In Run, Fatboy, Run schlägt Pegg allerdings andere, leichtere und sehr viel kommerziellere Töne an. Das dürfte mitunter daran liegen, dass statt Wright diesmal US-Export David Schwimmer (Friends) auf dem Regiestuhl Platz genommen hat, nachdem beide zuletzt in der ätzenden Thrillerkomödie Big Nothing gemeinsam vor der Kamera gestanden haben. Auch beim Drehbuch ging Pegg "fremd". Von US-Komiker Michael Ian Black (Blind Wedding) stammt die Original-Geschichte, die man aber von Amerika ins urbane London verlegte.
Der Prolog zeigt die Wurzel allen Übels: Weichei Dennis hat viele Pläne, aber keine Ausdauer. Nichts zieht er durch, weshalb er auch seine große und schwangere Liebe Libby (Thandie Newton) vor dem Traualtar stehen lässt und panisch vor der Verantwortung flüchtet. Fünf Jahre später ist er noch immer ein unschlüssiger Waschlappen, der wegen notorisch klammer Kasse im Souterrain von Mr. Ghoshdashtidar (Harish Patel) nur noch geduldet wird. Libby hingegen hat den Neuanfang gewagt. Ihre Bäckerei läuft bestens, ihr Sohn Jake (Matthew Fenton) ist ein aufgeweckter Junge und ihr neuer Freund Whit (Hank Azaria) ein überaus reicher und erfolgreicher Börsenmakler. Nun hat der gerade um ihre Hand angehalten, was beim bequemen Dennis einen schmerzhaften Schock auslöst. Plötzlich hat er genügend Adrenalin im Blut, um die Energie seiner eifersüchtigen Verlustangst in Taten umzusetzen. Er sucht den Vergleich zu Whit, der ihm in allen erdenklichen Punkten haushoch überlegen ist. In einem Anfall von ohnmächtiger Frustration fordert er ihn zum Testosteron-Duell unter Männern heraus: Beim London Marathon will er demonstrieren, dass auch er Ausdauer hat und eine Sache zu Ende bringen kann. So will er seine Familie zurückerobern. Ein verwegener Plan, denn Whit erweist sich als austrainierte Sportskanone, während Dennis bislang nur genüsslich seine Plauze streichelte. Doch Dennis' nicht minder lethargischer Kumpel Gordon (Dylan Moran) und Mr. Ghoshdashtidar versprechen, ihn zu trainieren, weil sie von seinem plötzlichen Feuereifer ganz überrascht sind. Nun, nebenbei haben sie auch eine Wette laufen...
Run, Fatboy, Run sucht sein Publikum diesmal nicht bei den vornehmlich männlichen Erwachsenen mit Action- und Horror-Faible, sondern in der breiteren Masse der Familienunterhaltung. Entsprechend zurückgenommen sind Slapstick, Wortwitz und abseitiger Humor. Nur eine eklige Blase und eine schräge Prügelei erinnern an taffere Zeiten. David Schwimmer inszeniert eine schlanke, auf den internationalen Markt zielende Komödienmischung, die bereits in Großbritannien zum Hit wurde. Für Nicht-Briten pflegte er einige entsprechende Marotten und ein dezentes Tourismus-Programm ein (Olympia 2012 dämmert schon). Den Rest überlässt er Simon Pegg, dessen Drang zur Selbstkasteiung er wohl ohnehin nicht hätte stoppen können. Also frönt der Komiker vor der Kamera mit Hingabe diverser Peinlichkeiten, die heftige Lacher erzeugen. Allerdings demonstrieren Gags wie Dennis' liebreizende Joggingshorts, seine Stretchversuche oder auch ein herzhafter Treppensturz die Harmlosigkeit der Gags im Vergleich zu Peggs vorherigen Filmen. Solange man die Leichtigkeit akzeptiert, wird man von der runden und sauber inszenierten Komödie tadellos unterhalten werden.
Sportliches Vorbild für Run, Fatboy, Run ist natürlich der Urvater aller Außenseiter-Triumphe, Rocky, dem in mehreren Sequenzen, wie die Eiertrinkerei und das obligatorische triumphale Erklimmen von Treppen, ausführlich gehuldigt wird. Für Romantiker steht mit Thandie Newton ein überaus attraktives Objekt der Begierde bereit, deren Anwesenheit allein dramaturgische Motivation genug ist, um an einem Marathon teilzunehmen. Schwimmer und Pegg überzeugen als Team ebenso wie zuvor Pegg mit Wright. Nur lachen jetzt mehr Leute darüber. Peggs geplagter Loser Dennis ist schließlich auch ein interessanteres Konstrukt, der bei aller eskapistischen Komik vor einem quasi-realistischen Hintergrund agiert. Sein geradezu tragisches Phlegma aus Unvermögen, Selbstüberschätzung und Tücke des Objekts erinnert an den größten archetypischen Loser der Moderne, Donald Duck. Und das macht ihn wohl besonders liebenswert. Da wird es interessant werden, Pegg in seiner Rolle als Chefingenieur Montgomery "Scotty" Scott in dem Prequel Star Trek 11 zu sehen. Sollte sein Scotty ein zweiter Dennis werden, muss man sich nicht wundern, wenn die "Enterprise" für ihre Mission drei Jahre braucht.....