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Ein Einziger Augenblick

(Reservation Road, 2007)

Dt.Start: 19. Juni 2008
DVD: 16. Oktober 2008
Premiere: 13. September 2007 (Toronto Film Festival, Kanada)
FSK: ab 12 Genre: Drama, Thriller
Länge: 102 min Land: USA
Darsteller: Joaquin Phoenix (Ethan Learner), Jennifer Connelly (Grace Learner), Elle Fanning (Emma Learner), Sean Curley (Josh Learner), Mark Ruffalo (Dwight Amo), Mira Sorvino (Ruth Wheldon), Gary Kohn (Norris Wheldon), Eddie Alderson (Lucas Arno), Antoni Corone (Sergeant Burke), John Slattery (Steve), Linda Dano (Großmutter)
Regie: Terry George
Drehbuch: Terry George, Burnham Schwartz


Inhalt

An einem warmen Septemberabend treffen zwei Männer auf unglückliche Art und Weise aufeinander: Der frisch geschiedene Anwaltsgehilfe Dwight Arno ist mit seinem 10-jährigen Sohn Lucas auf dem Heimweg von einem Baseballspiel. Zur gleichen Zeit kehren der Professor Ethan Learner, seine Frau Grace und seine Kinder Emma und Josh von einem Konzert zurück, bei dem Josh Cello spielte. Doch als sie an einer Tankstelle anhalten, gerät der 10-jährige Josh auf die Straße und wird von Dwight Arno überfahren. In Panik flieht der Anwaltsgehilfe und verfällt daraufhin in tiefe Depressionen und Schuldgefühle. Soll er sich der Polizei stellen? Gleichzeitig macht sich Ethan voller Verbitterung auf die Suche nach dem Mörder seines Sohnes.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Ein Einziger Augenblick hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 65%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Linus Reingen
Ein Einziger Augenblick hat eine Wertung von 65%
In einem einzigen Augenblick werden durch den Tod eines Jungen die Leben zweier Familien zerstört. Dabei wendet sich die Geschichte gleichermaßen dem flüchtigen Unfallverursacher, wie dem trauernden Vater zu, bis sich deren Wege schließlich kreuzen. Hier werden die ganz großen Gefühle geweckt, leider auf sehr vorhersehbare und konstruierte Art.

Bild aus Ein Einziger Augenblick In dem Oscar-nominierten Bürgerkriegsdrama Hotel Ruanda ließ Regisseur Terry George den Gutmenschen Paul Rusesabagina (Don Cheadle) als schwarzen Oskar Schindler tausende Leben im lebensfeindlichen Ruanda retten. Nun hat er das Genre gewechselt, zeigt aber nicht weniger missionarischen Eifer. In dem Drama Ein Einziger Augenblick rückt der Regisseur seinen Darstellern sehr nahe, indem er detailliert von ihrem "Leben nach dem Tod" in Connecticut erzählt. Dass das Spiel der ausgewählten Darstellerriege trotzdem bis zum Ende blass bleibt, mag am Drehbuch liegen, oder daran, dass sich Terry George zu stark darauf verlassen hat, an ur-amerikanischen Gefühlen zu rütteln.

Zwei Väter sind nachts im Auto unterwegs. Ethan (Joaquin Phoenix) fährt seine Familie von einem Konzert seines Sohnes nach Hause. Dwight (Mark Ruffalo) kommt mit seinem Sohn von einem Baseballspiel. Er ist gestresst. Gerade erst hat er vor Gericht ein Besuchsrecht erwirkt und ist schon dabei sich gewaltig zu verspäten. An einem dunklen Rastplatz kreuzen sich die Wege der Väter. Für einen einzigen Augenblick ist Dwight abgelenkt und überfährt den Sohn von Ethan. Dwight flüchtet. In dem kleinen Ort in Connecticut bleibt es nicht aus, dass sich die beiden Väter über den Weg laufen, doch Ethan erkennt Dwight nicht. Verschiedene Zufälle führen die beiden jedoch immer wieder zusammen. Während Ethan obsessiv der Suche nach einem Täter erliegt, versinkt Dwight in Panik und Schuldgefühlen. Auf ihrer Suche nach Erlösung, driften sie so unaufhaltsam aufeinander zu.

Vieles an diesem Film ist ur-amerikanisch. Spürbar wird die sensible nationale Angst des Identitätsverlusts durch ein Aufbrechen der Konstanten, allem voran die der heiligen Familie. Typisch amerikanisch ist auch Dwight. Doch er verkörpert eher die weniger tugendhaften Seiten Amerikas: Sportspiele im Fernsehen bei Pizza und Pommes, Unzuverlässigkeit und Jähzorn. Dwight bedeutet soviel wie Fels des Zeus, und der hatte es ja bekanntlich auch nicht mit der Tugend. Doch insbesondere steht der geschiedene Dwight für die moderne Patchworkfamilie. Demgegenüber sieht der bärtige Ethan aus wie ein Siedler zu Kolonialzeiten. Sein biblischer Name steht für Stärke und Aufrichtigkeit. Er ist Professor und Vater des perfekten Familienglücks. Um eben dieses perfekte amerikanische Familienideal geht es hier, und darum, wie es in einem einzigen Augenblick zerstört werden kann.

Die Dekonstruktion der Familie, sowie die zunehmende Verzweiflung Dwights, haben durchaus Potential. Oft rückt die Kamera zum Beispiel Dwight so beeindruckend nahe, das man die Schweißperlen auf seiner Stirn sehen kann. Aber die viel zu glatte Inszenierung macht ein tatsächliches Mitleiden mit Ethan und Dwight unmöglich. Zu nett sieht Dwight nach einer Nacht auf dem Sofa aus, von zu viel Gutmenschentum strahlt der betreuende Polizist und viel zu wenig wird die zunehmende Distanz zwischen Ethan und seiner Frau (Jennifer Connelly) deutlich gemacht. Hier fehlt die Konsequenz der Erzählung. Leider ringt Terry George seinen Darstellern nur wenige intime Szenen und Momente der Unbeherrschtheit und Verzweiflung ab. Wenn am Ende die beiden Väter in der Konfrontation endlich zum ersten Mal die Nerven verlieren, ist man regelrecht dankbar, weil sie dadurch endlich greifbar werden.

Schonungslos inszeniert hätte der Stoff ein packendes Feel-Bad-Movie abgeben können. Aber die solide Machart, die mit altbewährten Mitteln Emotionen zu wecken versucht, erinnert eben mehr an Nachtprogramm-Dauerbrenner wie Die Hand an der Wiege, nur eben noch berechenbarer. Und leider endet das Drama mit der wieder ur-amerikanischen Botschaft, dass die Katharsis der verletzten Seelen nur durch Selbstjustiz eingeleitet werden kann, durch die Befriedigung eines subjektiven Gerechtigkeitsbedürfnisses.



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Dt. Start: 27. Nov 2003
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