Auch fast neun Jahre nach Ende des Kosovo-Krieges ist die Auseinandersetzung zwischen den nach Unabhängigkeit strebenden Kosovo-Albanern und der serbischen Regierung noch nicht beendet. Der erste Spielfilm des Münchner Regisseurs Rudolf Schweiger will den Konflikt und die Schwierigkeiten für die zwischen den Fronten stehenden Friedenstruppen der NATO thematisieren. Mörderischer Frieden entpuppt sich allerdings als unsägliches Desaster.
Der Krieg hat viele hässliche Gesichter. Landminen sind eines seiner schlimmsten. Als der deutsche KFOR-Soldat Tom (Adrian Topol) sieht, wie die Mutter des 14-jährigen Kosovo-Albaners Durcan (Damir Dzumhur) getötet wird, während sie am Grab ihres Mannes betet, ist er hilflos. Kurz darauf schießt der aus Hass und Trauer zum Heckenschützen mutierte Durcan aus einem Hinterhalt auf die junge Serbin Mirjana (Susanne Bormann). Gemeinsam mit Kumpel Charly (Max Riemelt) kann Tom die Krankenschwester retten. Und während sich der angeschossene Charly in die mutige Blondine verliebt, versucht Tom, Durcans Vertrauen zu gewinnen. Denn die Soldaten haben Informationen, wonach Durcans Landsmänner einen großen Rachefeldzug gegen die Bevölkerung des einstigen Unterdrückers planen. Und sie haben auch Mirjanas Vater, den zwielichtigen Arzt Dr. Goran Jovovic (Peter Bongartz), im Visier.
Sieben Jahre lang hat der Regisseur Rudolf Schweiger für die RTL-Serie Notruf gedreht. Mörderischer Frieden, sein erster Kinofilm, bewegt sich auf einem ähnlichen Niveau. Dabei hätte Schweiger alle Möglichkeiten gehabt, einen anspruchsvollen und tiefgründigen Film über den in Deutschland so viel beachteten KFOR-Einsatz der Bundeswehr zu machen. Ohne UN-Mandat hatte die NATO 1999 Luftangriffe gegen Jugoslawien gestartet, weil sie bei den Gräueltaten der serbischen Armee gegen die albanische Bevölkerung im Kosovo nicht mehr länger zusehen wollte. Die deutsche Beteiligung markierte den ersten Kampfeinsatz der Bundeswehr seit dem Zweiten Weltkrieg. Der auf die Angriffe folgende Friedenseinsatz der Kosovo-Force (KFOR) sollte für Sicherheit und Stabilität sorgen.
Statt sich der Auseinandersetzung von einer Seite zu nähern, die von der Schwierigkeit des Vermittelns zwischen den verfeindeten Volksgruppen erzählt, lässt Schweiger seine Hauptfiguren Tom und Charly in eine absurde Dreiecks-Liebesgeschichte schlittern, stellt die Bundeswehr-Soldaten vor Ort als undisziplinierte Trottel bloß, die ständig in Eigenregie handeln, sich damit in dem maßlos dramatisiert dargestellten Konflikt selbst in Gefahr bringen und von ihren Vorgesetzten trotzdem nur zwei oder drei tadelnde Sätze zu hören bekommen. Die Schauspieler wirken in ihren Darstellungen zuweilen unfreiwillig komisch und machen teilweise den Anschein, als seien sie direkt aus einer Gerichtsshow heraus verpflichtet worden.
Erschreckend ist aber vor allem, dass Schweiger tatsächlich den Anspruch hatte, einen authentischen Film über den KFOR-Einsatz zu drehen. Herausgekommen ist vielmehr ein schlechter Actionfilm, der mit der Realität ungefähr genauso viel zu tun haben dürfte wie ein Eisbär mit einem Kamel.