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Vivere

(Vivere, 2007)

Dt.Start: 18. Oktober 2007 Premiere: 26. April 2007 (Festival, USA)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 94 min Land: Deutschland
Darsteller: Hannelore Elsner (Gerline von Habermann), Esther Zimmering (Francesca Conchiglia), Kim Schnitzer (Antonietta Conchiglia), Aykut Kayacik (Enrico Conchiglia), Egbert-Jan Weeber (Snickers), Friederike Wagner (Inge Grewe), Nina Vorbrodt (Frau Polder)
Regie: Angelina Maccarone
Drehbuch: Angelina Maccarone


Inhalt

Seitdem ihre Mutter verschwunden ist, kümmert sich Francesca Conchiglia um den lethargischen Papa Enrico und die rebellische Schwester Antonietta. Als diese an Weihnachten mit ihrem Freund, dem durchgeknallten holländischen Rocker Snickers, durchbrennt, macht sich Francesca mit ihrem Taxi auf die Verfolgung. Auf der Fahrt nach Rotterdam begegnet ihr Gerlinde, die durch einen Unfall mit dem Tourbus von Snickers Band verletzt ist. Doch Gerlinde denkt gar nicht daran, ins Krankenhaus zu gehen, da sie unbedingt nach Rotterdam will.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Vivere hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 65%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Harald Witz
Vivere hat eine Wertung von 65%
Drei Frauen, ein Erkenntnisweg. Eine verbitterte Rentnerin, eine einsame Taxifahrerin und ihre schwangere Teenager-Schwester stranden für zwei Nächte in Rotterdam, wo sie sich ihrer Vergangenheit, ihrer Schuld und ihren Sehnsüchten stellen müssen. Ordentliches, episodisches Drama von Angelina Maccarone, das zwar Fernseh-Produktionsverhältnisse verrät aber auch Talent und Verve. Hannelore Elsner, Esther Zimmering und Kim Schnitzer überzeugen.

Bild aus Vivere Drei Frauen und ihre Sehnsüchte, eine Reise: Taxifahrerin Francesca (Esther Zimmerin) kutschiert eine seltsame Frau von Köln nach Rotterdam. Die offensichtlich traurige Gerlinde (Hannelore Elsner) raucht, trinkt und gibt sich viel Mühe, ihre Containance zu wahren. Auch Francesca muss ruhig bleiben, denn sie sollte eigentlich ihre Teenager-Schwester Antonietta (Kim Schnitzer) suchen, die nach einem Streit aus der Wohnung gestürmt ist. Doch Francesca hat es satt, die Ersatzmama für ihre Schwester und ihren viel zu italienischen Vater zu spielen, gerade jetzt an Weihnachten.

Auch Antonietta hat genug. Seit sie in Bandleader Snickers (Egbert-Jan Webbger) verliebt ist, dreht sich die Welt eindeutig zu schnell. Probleme zuhause und in der Schule, di Anfeindungen der Bandkollegen und der Gig in Rotterdam. Naja, und schwanger ist sie auch noch, das muss sie Snickers und der Welt auch noch beibringen. Gerlindes Ende der Fahnenstange heißt Rente, und dahin wurde sie gerade im Betrieb verabschiedet. Nun hat sie keine Fluchtmöglichkeit mehr vor ihren Gefühlen. Sie liebt eine Frau, die sich an Heiligabend aber lieber um ihre Familie kümmert, statt sich zu ihr zu bekennen. Als sie bei der Bahnunterführung vom Bus der Band in den Straßengraben gedrängt wird, überlebt Gerlinde (in ihren Augen) dummerweise. Da kommt diese Taxifahrerin gerade recht. Sie flüchtet in jenes Hotel in Rotterdam, wo sie Erinnerungen an eine schönere Zeit zurückgelassen hat...

Für ihren Roadmovie Vivere entwickelt die Regisseurin und Drehbuchautorin Angelina Maccarone eine besondere Erzählstruktur. Dreimal erzählt sie die Geschichte der Reise nach Holland und wechselt dafür die Perspektive der Hauptfigur: erst Francesca, danach Gerlinde und schliesslich Antonietta. Jedes dieser Tableaus fügt dem Vorangegangenen neue Facetten hinzu, die auch Widerspruch auslösen, da jede Figur eine andere Wahrnehmung hat. Auch wirkt manches, wie zum Beispiel Francescas abrupte Annäherung an Gerlinde zunächst brüsk und konstruiert. Doch erreicht die Filmemacherin durch die Einbettung in die Struktur einer Dreifacherzählung, dass sich am Ende die notwendige Kohärenz einstellt. Vivere ist eine zärtliche Ode ans Leben mit Hindernissen und ans Frausein trotz all der Liebesmühen. Männer spielen da eine eher untergeordnete Rolle. Aber die drei so unterschiedlichen Charaktere füllen auch so locker die 94 Minuten der gefühlvollen Dramödie.

Schade nur, dass sich das Panorama der Sehnsüchte und die Selbstfindungsprozesse am Ende einer ganz anderen Bildsprache bedienen. Maccarone verpackt Hoffnung und wiedergewonnene Lebenslust in visuelle Märchenhaftigkeit, so als vertraute sie der Kraft ihrer Geschichte doch nicht so ganz. Vielleicht liegt es auch an den knappen Produktionsmitteln, dass sich die Diskrepanz zwischen den Wünschen und Sehnsüchten in Rotterdam sowie der drögen Enge der Kölner Vorstadt Pulheim nicht als Dualismus durch den ganzen Film etabliert.



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