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Wenn Männer Big Dick heißen und sich darüber beschweren, dass sie nur oral befriedigt werden; wenn Großväter zur Uniform greifen und die halbe Familie in einem Blutrausch nieder metzeln oder wenn Vergewaltigungen in Großaufnahme an der Tagesordnung stehen... dann ist man in Koen Motiers durchgeknalltem, verstörendem und perfekt inszeniertem Ex Drummer angekommen.
Requiem for a Dream oder Lilja-4-ever zählen zu den wenigen Filmen, denen es gelingt ihr Publikum zu plätten und tagelang aufzuwühlen. Mit der Verfilmung des gleichnamigen belgischen Skandalromans tritt nun der Gewinner des diesjährigen "Fresh Blood Awards" in die Fußstapfen oben genannter Filme und bietet einen Mindfuck allererster Güte.
Drei heruntergekommene Loser -Ivan, ein tauber Gitarrist, der regelmäßig seine Ehefrau verprügelt und seine kleine Tochter verwahrlosen lässt / Jan, der schwule Bassist der sich mit seiner glatzköpfigen Mutter um den sexgeilen pflegebedürftigen Vater kümmert / Koen, seines Zeichens paranoider Sänger, der Frauen verprügelt und es mit Jans Mutter treibt- wollen den ehemals erfolgreichen Dries dazu bewegen in ihre Band einzusteigen. Da dieser vom Leben gelangweilt scheint, willigt er ein, suhlt sich im Leid seiner Bandkollegen und spielt diese dabei rücksichtslos gegeneinander aus.
Es gibt Filme die kann man nicht beschreiben, sondern muss sie einfach gesehen haben, um ihnen gerecht zu werden. Ex Drummer ist so ein Film. Denn was dem Zuschauer hier für Abartigkeiten (meist noch in Kombination mit herablassendem, schwarzen Humor) geboten werden, bekommt man nicht alle Tage zu sehen. So werden Vergewaltigungen mit einer vollkommenen Natürlichkeit präsentiert, ebenso auch Drogenexzesse oder abgetrennte Gliedmaßen in Großaufnahme. Doch selbst dabei vergisst Motier nie seine gut geschriebenen Charaktere, die mit einer Kompromisslosigkeit agieren, welche sicherlich einige entsetzte Blicke bei ihren Zuschauern ernten wird. Umso überraschender und unverständlicher die Tatsache, dass ein Film wie dieser, der explizit oben aufgeführte Themen zeigt, eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten hat.
Doch nicht nur inhaltlich kann sich Ex Drummer als wahrer Mindfuck bezeichnen, auch inszenatorisch wird der Zuschauer mit großartigen Kniffen erstaunt. So werden z. B. die ersten 5 Minuten des Filmes rückwärts abgespielt oder im Haus des paranoiden Koen läuft dieser beharrlich an der Decke seiner Wohnung entlang. Ex Drummer wimmelt nur so von Spielereien dieser Art und hat zudem noch einen düsteren Look und dazu passende Undergroundmusik zu bieten, die das intensive Seherlebnis des Filmes noch verstärken.
Ex Drummer ist ein Film, den man so schnell nicht wieder vergessen kann. Kompromisslos zieht er seine Linie von der ersten bis zur letzten Minute durch und sorgt dabei gleichzeitig für Entsetzen und Begeisterung bei seinem Publikum. Die Sichtung dieser abgedrehten, schwarzhumorigen und ebenso heftigen Sozialstudie ist ein Schlag in den Magen und eine uneingeschränkte Empfehlung. |