Theaterchef Leander Haußmann verfilmt den Sachbuch-Bestseller "Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können" als routinierte, aber auch überzogene Deutsche Komödie. Anhand eines Paares (Benno Fürmann, Jessica Schwarz) und ihrer Freunde sollen die Balz- und Beziehungsrituale der Menschen aufgedröselt und die geschlechtspezifischen Strategien herausgearbeitet werden. Mit anderen Worten: eine harmlose Kinounterhaltung mit Starbesetzung, aber ohne die notwendige Verve, um sich von der Masse zu unterscheiden.
Früher, in den Sechziger Jahren - quasi: "Damals in den Ardennen!" - war die Welt noch ordentlich eingeteilt. Ost-West, Gut-Böse, Kino-Fernsehen, Spielfilm-Dokumentation, Drama-Komödie, Anspruch-Klamauk. Dann kam Oswald Kolle mit seinen Aufklärungsfilmchen und seit dem ist die Welt einzige Diversifikation. Nun, vielleicht gibt es ja auch andere Gründe, aber der große sexuelle Befreier der Deutschen passt nun nun mal prima zum amerikanischen Ehepaar Allan und Barbara Pease, die mit zwei Büchern zum Thema Geschlechterkampf/ -liebe weltweit großen Erfolg haben.
Anders als Kolle oder die Sex-Forscher Kinsey, Hite oder gar Hirschfeld geht es den Peases dabei weniger um die Verbreitung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, als vielmehr um die unterhaltsame Neujustierung geschlechtlicher Stereotype, die durch populärwissenschaftliche Interpretation von Studienergebnisse umdefiniert werden. Damit ist man schon wieder bei der Ordnung der Dinge: Die Präsentation von Fakten geht heutzutage ja schon mal im Unterhaltungsansinnen unter. Wissenschaft ist dröge und soll lieber lustig sein. Das nennt man dann Edutainment oder Infotainment, wobei das markanteste Merkmal in beiden Variationen das stete Abgleiten in die reine Unterhaltung ist.
Nun hat Theater-Ikone Leander Haußmann den Pease-Bestseller Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken verfilmt und dabei keinen Zweifel gelassen, dass ihm die verschwommene Genrebeschreibung für die Vorlage ziemlich egal ist. Er macht aus der Geschlechter-Analyse das, was sie sein soll, nämlich Unterhaltung. Dass er das kann, hat er bereits vielfach auf Bühne und im Kino (zuletzt NVA) bewiesen. Also bereichert er die deutsche Komödie um das Subgenre der Aufklärungsfilm-Satire und läßt Oswald Kolles Nackedeis eine späte Ehrung zuteil werden. Vielleicht auch aus Dankbarkeit, denn nicht alle konnten in den Sechziger Jahren auch noch BRAVO lesen.
Herausgekommen ist ein hochkommerzielles Produkt aus der Constantin-Schmiede und der Feder der Drehbuchautoren Rochus Hahn und Alexander Stever. Die Produzenten Oliver Berben und Herman Weigel haben sich nicht lumpen lassen und selbst kleine Nebenrolle mit namhaften Schauspielern wie Sasha (Schmitz), Tom Schilling, Lars Rudolph, Katja Flint, Thomas Kretschmann und Peter Lohmeyer besetzt. Sie unterstützen Benno Fürmann, der als Macho Jan über eine "kleine Delle" im Sportwagen die Verlagsangestellte Katrin (Jessica Schwarz) kennenlernt.
Jan, das Alphamännchen, dessen evolutionäre Genese quasi als Entschuldigung vorangestellt wird, ahnt zwar das Unheil, aber triebgesteuert wie der moderne Mann ist, tapst er gleich in die Beziehungsfalle. Sein bester Freund Rüdiger (Matthias Matschke), seines Zeichen ein Frauenversteher, darf dank Jans Absenz deshalb bei Melanie (Annika Kuhl) landen und als zweite Geige (oder erste Nebenhandlung) die Alternativ-Verhalten des männlichen Geschlechts demonstrieren. Jan und Kathrin durchlaufen die verschiedenen Beziehungsphasen, bis sie endlich die Langeweile in der berüchtigten Beziehungssackgasse erreicht haben, aus der nur das Beziehungsende, der Seitensprung oder ein Kind heraushilft. Schon früh ist da die Verführung in Form der neuen, viel zu gut gebauten Sekretärin Angie (Nadja Becker). Doch der noch an Konventionen gebundene Jan zögert, bis er feststellt, dass die nicht minder frustrierte Katrin sich von Weltenbummler, Erfolgsautor und Berufsnaturburschen Jonathan (Uwe Ochsenknecht) einlullen läßt. Die Krise manifestiert sich, als Jonathan Kathrin mit auf seine nächste Expedition nehmen will - und sie zusagt. Schon tut Jan, was er als Mann tun muss. Er steigt mit Angie ins Bett und damit in die Falle. Draußen vor der Tür warten ihr eifersüchtiger Rocker-Freund (Sasha) und seine Biker-Kumpels...
Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken läßt sich nicht auf die erfrischenden Konzepte der smarten, neuen Filmemacher-Generation ein. Allerdings ist sie auch nicht ganz dröge wie so mancher Klamauk, mit dem man die deutsche Komödie im schlimmsten Fall schon in Verbindung gebracht hat. Leander Haußmann sucht die leichte Muse und droht wie Vanessa Jopp in Meine Schöne Bescherung immer mit dem Abdriften ins "Schreckliche". Anders als die Kollegin hat Haußmann allerdings weniger Skrupel, denn er kreiert eine Mischung aus Hommage an die Kolle-Filme und Satire auf die danach aufgeblühte "Sex-Filmchen"-Szene.
Da verwundert der Aufttritt als Nadja Becker nicht wirklich, denn sie könnte in ihrer Aufmachung auch einen Ingrid Steeger-Doppelgänger-Wettbewerb gewinnen. Ingrid Steeger, eine der unbekleideten Ikonen jener Zeit, erreichte in den Siebziger Jahren als Ulknudel TV-Serie Klimbim bundesweiten Kultstatus, und Haußmann kann nicht widerstehen, in seine Komödie auch etwas vom klamaukigen Humor der Serie einzuflechten. Da muß halt Uwe Ochsenknecht als Ersatz-Reinhold Messner alpenländischen Dialekt radebrechen und Benno Fürmann im Adams-Kostüm durch die Stadt flitzen. Die Steinzeitmenschen im albernen Affenkostüm verweisen als 2001 - Odyssee im Weltraum-Zitat ebenfalls auf das wenig smarte Niveau der Komödie. Dem Unterhaltungsfetischisten des Theaters geht da bisweilen der Gaul durch. Insgesamt ist sein Humorkonzept weit von dem entfernt, was die Vorlage eigentlich im Sinn hatte. Aus dem Edutainment streicht Haußmann unnachgiebig alles Lernbare und sein Entertainment konkurriert in manch unnötigen Momenten mit den Comedy-Shows des Privatfernehens.
Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken wird seinen Erfolg schnell unter den Lesern der Bestseller-Vorlage finden, aber auch genauso schnell wieder verlieren. Haußmanns bis ins Alberne reichende Leichtigkeit dürfte diesmal zuviel des Guten sein.