Lange wurde der Adaption von Gabriel García Márquezs Roman Die Liebe in den Zeiten der Cholera entgegengefiebert und Regisseur Mike Newell nahm sich der Verfilmung gerne an. Er mischt dafür unbekannte Gesichter mit bekannten Stars wie Benjamin Bratt, Javier Bardem und John Leguizamo. Aber leider schafft es der Film nicht das Publikum über die 139 Minuten bei Laune zu halten.
Der kolumbianischen Nobelpreisträger Gabriel García Márquez ist eine Legende. Seine Werke sind Poesie der Gefühle und ein Stück Zeitgeschichte. In Die Liebe in den Zeiten der Cholera erzählt er von einer unvergessenen Liebe, Hoffnung, Sehnsucht und dem Umgang mit Verlust.
1879 trifft der arme Telegrammbote Florentino Ariza (Unax Ugalde) die schöne Fermina (Giovanna Mezzogiorno) aus reichem Hause. Diese Begegnung verändert sein Leben für immer. Fortan versucht er Ferminas Liebe durch unzählige Liebesbriefe zu gewinnen. Doch als er um ihre Hand anhält, lehnt sie auf drängen des Vaters (John Leguizamo) ab, der auf eine bessere Partie für seine Tochter hofft. Als sie nach einem Zwangsurlaub wieder in der Stadt ist, lernt sie den etwas älteren Arzt Juvenal Urbino (Benjamin Bratt) kennen und heiratet ihn. Von da an wartet Florentino (ab da gespielt von Javier Bardem) "51 Jahre, 9 Monate und 4 Tage", um ihr erneut seine Liebe zu gestehen. In der Zwischenzeit arbeitet er sich zum Direktor der Karibischen Flussgesellschaft herauf und verführt mehr Frauen, als der berühmte Frauenheld Don Juan. Doch ungeachtet dessen, gibt Florentino nicht auf und hält trotz gebrochenem Herzen, an seiner Liebe zu Fermina fest.
Regisseur Mike Newell scheint Kontraste zu mögen. Nach Harry Potter und der Feuerkelch und Mona Lisas Lächeln, machte er sich an die Arbeit Márquezs Lebens- und Liebesgeschichte zu verfilmen, die eines unverbesserlichen Romantikers. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Oscargewinner Ronald Harwood, der zuvor Schmetterling und Taucherglocke verfasste. In Newells gefühlsbetonter Geschichte spielt der Spanier Javier Bardem den erwachsenen Florentino, was zugleich etwas verwirrend ist, denn der junge Florentino wird von Unax Ugalde (Goyas Geister) dargestellt. Es ist die einzige Figur, die von zwei Darstellern verkörpert wird. Während alle anderen mit der Maske, zu welcher ich später noch kommen werde, altern, werden hier die Darsteller ausgetauscht. Da es ein Einzelfall ist, ist nicht wirklich zu erkennen, warum es zu diesem Austausch kam. Bleiben wir bei den Darstellern. Benjamin Bratt (Thumbsucker), Javier Bardem und John Leguizamo (The Groomsmen) begeistern mit ihrer Darstellung und vor allem Bratt brilliert auch noch als attraktiver, alternder Mann. Nur bei den Damen scheint es eine kleine Fehleinschätzung der darstellerischen Leistung gegeben zu haben. Während Catalina Sandino Moreno (The Hottest State) sofort mit den wenigen Szenen ihrer Nebenrolle das Publikum begeistert, fragt man sich bei Mezzogiorno, die die Angebetete von Florentino spielt, warum sie die Rolle bekam. Ihr fehlt es an Ausstrahlung und Überzeugungskraft.
Trotz sehr opulenter Kostümierung und detaillierter Ausstattung, fehlt leider die einfühlsame Ausgestaltung der Charaktere. Natürlich musste viel von der Vorlage gestrichen und nicht alle Bezüge zur Zeitgeschichte konnten aus Márquezs Werk übernommen werden, aber vor allem enttäuscht die Maske der Schauspieler, welche sehr wichtig gewesen wäre. Sie ist mittelmäßig und verrät in sehr vielen Sequenzen nicht das Alter der Figuren. Oft zeigt sie die Darsteller älter oder jünger, als sie laut Drehbuch sein sollten.
Leider verbreitet sich bei Die Liebe in den Zeiten der Cholera sehr schnell Langeweile und die Geschichte fesselt nicht, da der Zuschauer nicht mit den Figuren mitfühlen und mitleiden kann. Stattdessen bleibt er oftmals außen vor. Man will den Figuren gerne glauben, doch wird man nicht so stark von ihnen gefesselt, als dass man ihnen die 139 Minuten gerne folgt und den Ausgang der Geschichte mit Spannung erwartet. Auch ist es sehr schade, dass die komplexen, historischen und kulturellen Details des Originals in den Hintergrund gedrängt wurden.
Wer das seitenstarke Buch nicht lesen, aber trotzdem in einer intellektuellen Runde mitreden will, für den kann es nicht schaden, eine Kinokarte zu lösen. Lust auf weitere Werke von Márquez macht die Arbeit von Newell aber leider nicht. Ein Glanzpunkt der Inszenierung ist aber gewiss der sehr gut gestaltete Soundtrack mit lateinamerikanischen Klängen, für den auch Shakira einige Lieder beisteuerte.