Die Broadway-Inszenierung des Musical-Thrillers Sweeney Todd schafft es dank Tim Burton auf die Leinwand. Die rabenschwarze Geschichte glänzt durch wunderbare Darsteller und eine gelungen düstere Atmosphäre, die kleine Handlungsschwächen schnell vergessen lassen. Zu Recht wurde Johnny Depp für seine Darstellung des rächenden Barbiers mit dem Golden Globe ausgezeichnet.
Benjamin Barker arbeitet als Friseur und ist glücklich verheiratet. Der skrupellose Richter Turpin ist auf eben dieses Glück eifersüchtig und beschuldigt Barker eines Verbrechens, welches dieser gar nicht begangen hat. 15 Jahre sitzt Benjamin eine Haftstrafe in Übersee ab, bevor er in seinen Heimatort zurückkehrt. Er nennt sich nun Sweeney Todd und schwört Rache. Er bezieht Quartier in seinem einstigen Salon, den ihm die Vermieterin Mrs. Lovett zur Verfügung stellt. Nach und nach entledigt sich Sweeney Todd auf blutige Weise Menschen, die ihm sein Leben zur Qual gemacht haben. Unterstützung findet er bei Mrs.Lovett, die die Leichenentsorgung übernimmt, um ihr Pastetengeschäft wiederzubeleben.
Sweeney Todd ist bereits als preisgekrönter Musical-Thriller von Stephen Sondheim bekannt geworden. Zahlreiche Neuinszenierungen sind seitdem für die Bühne entstanden, bis sich Regisseur Tim Burton der rabenschwarzen Geschichte angenommen hat. Burtons Stil ist unverkennbar, auch wenn die Grundgeschichte nicht aus seiner eigenen Feder stammt. Kleine Details seiner Umsetzung erinnern an frühere Werke, insbesondere an den düsteren Stil von Sleepy Hollow. Für die Kinofassung arbeitete Burton eng mit Stephen Sondheim zusammen.
Burton gelingt es perfekt, bereits von der ersten Szene an eine bedrückende und zugleich bedrohliche Stimmung zu erzeugen. In der düsteren Atmosphäre agieren wie immer äußerst skurrile Figuren, für die sich Burton erneut seine Paradedarsteller Johnny Depp und Helena Bonham Carter ausgesucht hat.
Für Depp ist es die erste Rolle in einem Musicalfilm, doch kann er diese Aufgabe, ebenso wie seine Filmpartnerin, mit Bravour meistern. Sowohl Depp als Bonham Carter gelingt es durch ihre Gesten und Mimik den Film und dessen Stimmung zu tragen. Alan Rickman als Richter Turpin agiert ebenfalls überzeugend und vermag es, die überhebliche selbstgefällige Art seiner Figur allein mit seiner Mimik zu verkörpern. Komische Momente wird man in dieser Umsetzung selten finden. Lediglich der kurze Auftritt des Barbiers Signor Adolfo Pirelli, verkörpert durch Sacha Baron Cohen, lässt Burtons Humor durchscheinen.
Der Film zeigt dem Zuschauer in kurzen Rückblenden das frühere Leben Barkers gemeinsam mit seiner Familie. Der Kontrast zu dem ansonsten vorherrschenden grau in grau Londons ist eine gelungene Abwechslung und untermalt den traurigen Standpunkt Sweeney Todds noch mehr. Zwar kann man zu den Figuren keine richtige Bindung aufbauen und fühlt mit keinem der Charaktere wirklich mit, die stilistischen Elemente und der Score, die beide für gruselige Stimmung sorgen, machen dieses kleine Manko aber allemal wett.
Sweeney Todd ist nichts für Zartbesaitete, denn das Blut spritzt insbesondere in der zweiten Hälfte ohne Ende und auch die unsanfte Leichenentsorgung ist nicht zu verachten. Die großartige Atmosphäre, die der Film jedoch überträgt, die wunderbar agierenden Darsteller und der Charme eines Tim Burton-Films lassen das Horror-Musical jedoch zu einem echten Erlebnis werden.