Schöne neue Plastikwelt: Wasser in Plastikflaschen ist eines der größten Umweltprobleme der Erde. Die amerikanische Dokumentation Abgefüllt geht den Ursachen, der Industrie und der profitierenden Industrie auf den Grund - manchmal allerdings etwas zu suggestiv.
Verstärkt in den 1990er Jahren haben Nestlé, Cola Cola und Pepsi auch den Wasser-Markt entdeckt. Sie pumpen halblegal Trinkwasser aus kommunalen Seen, filtern es und verkaufen es den Menschen abgefüllt in Plastikflaschen wieder zurück. Im Jahre 2007 kauften US-Amerikaner 29 Milliarden Flaschen Wasser - von denen nur ein Bruchteil recycelt werden kann. Der Rest landet auf immer größer werdenden Deponien oder im "östlichen Müllteppich" im Pazifik, dessen Meerwasser zwischen der Westküste der USA und der Ostküste Japans durch kleine Plastikteilchen als letzte Überbleibsel dieser Industrie stark verunreinigt ist und zum Artensterben beiträgt.
Das sind nur zwei der zahlreichen beängstigenden Fakten, welche die brisante und mit wissenschaftlichen Expertenmeinungen wie Erfahrungen von Aktivisten unterfütterte Dokumentation Abgefüllt vorbringt, welche das Label Sunfilm veröffentlicht. Die Vorgehensweise ist dabei eine ähnliche wie die der ähnlich gelagerten Nahrungsmittel-Doku Unser täglich Gift der französischen Journalistin Marie-Monique Robin: Sie führt von Einzelschicksalen (Geschädigte der chemischen Industrie in Texas) zu den Auswirkungen des Problems auf der Makroebene (Umweltzerschmutzung, Kommerzialisierung eines notwendigen Grundnahrungsmittels) - und konfrontiert dabei versagende Behörden und windige PR-Angestellte der skrupellosen Großkonzerne mit ihren Recherche-Ergebnissen.
Fernab der Polemik der "Mockumentaries" von Michael Moore bleibt Abgefüllt aber immer sachlich und informativ, auch wenn er dabei mit suggestiven Kontrasten arbeitet: Blühende Landschaften und idyllische Wasserfälle hier, verdreckte Strände am Südzipfel der USA mit angespülten Plastikabfällen zu verklärender Gitarrenmusik dort. Und zwischendurch immer wieder alarmierende Fakten: Flaschenwasser wird in seiner Qualität kaum geprüft, das Trinkwasser aus dem Hahn hingegen mehrere Male täglich - und die Konzerne bewerben ihr Flaschenwasser als das reinere und gesündere von beiden. In dem Kunststoff der Flaschen ist die Chemikalie Bisphenol A (BPA) enthalten, das unter ungünstigen Lagerungsbedingungen den Inhalt verunreinigen und die Fruchtbarkeit der Menschen schädigen kann. Kommerzialisierung des knappen Guts Trinkwasser und Umweltbelastung gehen - und das wird von Nestlé, Cola Cola und Co. oftmals großzügig übersehen - in der Beförderung einer unsinnigen, aber durch Lifestyle-Manie "trendigen" Industrie eine unglückselige Ehe ein.
Dabei liegt die Stärke des Films abseits seiner sachlichen, aber anschaulichen Präsentationsform in der Montage darin, dass auch auf die ersten Schritte gegen diese Entwicklungen eingegangen wird. Eine Ausdehnung des Pfands auf Plastikflaschen, unabhängige Qualitätsberichte: Abgefüllt zeigt auf, wie weit die USA noch von Standards entfernt sind, die in der EU fest etabliert sind. Ob dazu dann der treibende Song "Kids" der Indietronic-Band MGMT in eine etwas zu euphorische Öko-Aufbruchsstimmung hinsichtlich der Verantwortung den nächsten Generationen gegenüber münden musste, sei dahingestellt.