Trotz einiger inhaltlicher Schwächen bei der Charakterzeichnung, gelang Drehbuchschreiber, Regisseur und Hauptdarsteller Til Schweiger ein durchweg unterhaltsamer Film, der neben dem prominent besetzten, spielfreudigen Darstellerensemble auch eine gute Inszenierung mit einer passenden Musikauswahl zu bieten hat.
Nach seinem desaströsen Hollywoodausflug One Way besinnt sich Til Schweiger wieder auf das, was er scheinbar am Besten kann: Drehbuch schreiben und Regie führen. So war sein erster Film Der Eisbär zwar ein sehr offentsichtliches Tarantino-Rip-Off, aber durchweg unterhaltsam. Mit seinem letzten Werk Barfuss hat er einen wunderschönen romantischen Film geschaffen, wie man ihn nur selten aus deutschen Landen zu sehen bekommt.Und so viel sei schon verraten: Schweigers Weste als Regisseur bleibt weiterhin rein.
Als Klatschreporter Ludo versucht sensationelle Bilder von Vladimir Klitschko, der Yvonne Catterfeld einen Heiratsantrag macht, zu bekommen zerstört er aus Versehen den halben Saal. Für dieses Missgeschick wird der Frauenheld zu Sozialstunden in einem Kindergarten verdonnert. Dort arbeitet natürlich ausgerechnet seine ehemalige Schulkollegin Anna, der er damals das Leben zur Hölle gemacht hat. Diese scheint nun endlich Rache nehmen zu können, doch so nach und nach kommen sich die beiden näher als sie es je für möglich gehalten hatten.
Inhaltlich gibt eine Geschichte wie diese zwar nur wenig her, ist jedoch von der Grundsituation das Patentrezept für eine romantische Komödie. Doch leider fehlt Keinohrhasen jegliche Leichtigkeit, die Barfuss so Besonders machte. Viele Handlungsweisen der Charaktere wirken unglaubwürdig und speziell gegen Ende ein wenig überkonstruiert. Es fehlt die Seele und der Zuschauer merkt deutlich, dass die Story mehr als ein Konstrukt zu sehen ist, das von Gag zu Gag führen soll.
Dass deutsche Komödien trotz schwacher Geschichte funktionieren können, hat uns Ende letzten Jahres Wo ist Fred!? bewiesen. Genau damit lässt sich dieser Film auch am ehesten vergleichen, denn auch hier gelingt es die inhaltlichen Schwächen durch jede Menge Humor zu überdecken. Fast jeder Gag sitzt, alleine bei der Eröffnungszene hat man schon mehr gelacht, als bei den meisten deutschen Genrevertretern während des gesamten Filmes. Und da Schweiger es ebenfalls versteht seinen Film mit sympathischen Charakteren und einer tollen Musikuntermalung auszustatten, kann man über den konstruierten Handlungsverlauf leicht hinwegsehen.
Dass Schweiger nicht unbedingt von großem Schauspieltalent gesegnet ist, ist altbekannt. Dennoch gibt es eine Art Rolle, die hat er wirklich drauf: den arroganten Schnösel, den man ihm hier einmal mehr abnehmen darf. Wie schon in Barfuss ist das Highlight des Filmes jedoch die weibliche Hauptrolle an seiner Seite, denn Nora Tschirner hätte besser nicht besetzt werden können. Sie sorgt nicht nur für die meisten Lacher des Filmes, sondern kann auch dank ihrer Austrahlung viele Sympathiepunkte für sich verbuchen. Des Weiteren ist im Cast von Keinohrhasen noch das Who is Who der deutschen Szene in kleinen Nebenrollen zu sehen, bei denen vor allen Dingen Rick Kavanian als launiger österreichischer Bild ... pardon, Blatt-Herausgeber, sowie ein Jürgen Vogel, dessen Auftritt zu Beginn alleine schon jegliches Eintrittsgeld für diesen Film rechtfertigt, brillieren.
Bleibt abschließend zu sagen, dass man vor dem Kinobesuch, die vom Trailer geweckte hohe Erwartungshaltung ein klein wenig nach unten schrauben sollte. Sicherlich ist der Film durch die Bank unterhaltsam, hat viele herrliche Szenen und einen namhaften Cast zu bieten, doch zum erhofften zweiten Barfuss reicht es leider nicht.