Wie wäre es denn mal wieder mit einer unterhaltsamen Hommage an die Slasher der achtziger Jahre? Wer diese Frage mit "Aber gerne doch!" beantwortet, ist bei Hatchet genau richtig: Ein gut aufgelegtes Darsteller-Ensemble, haufenweise Anspielungen auf Genre-Klassiker, zum Brüllen komische Dialoge und übertrieben blutige - und dabei aber durchaus gut gemachte - Kills sorgen für ein äußerst gelungenes Werk des "beinahe Regie-Neulings" Adam Green. In den USA erst vor kurzem im Kino, sorgt der Film hierzulande bereits auf DVD für Furore, und das zu Recht.
Es ist KEIN Remake, es ist KEINE Fortsetzung... und basiert auch nicht auf einer Japanischen Vorlage! Mit diesem Satz wurde der Film beworben, und mit diesem Satz ist das Wichtigste über den sehr spaßigen Slasher auch schon gesagt. Endlich hat man sich in den Staaten mal wieder auf das besonnen, womit man in den 80ern gleich mehrere erfolgreiche Ikonen erschaffen hatte: den soliden Slasher (bevor dann kurz vor der Jahrtausendwende ein gewisser Wes Craven mit Scream - Schrei! eine bis heute nicht anhalten wollende Welle von mehr oder weniger überflüssigen Exemplaren dieser Gattung ausgelöst hatte).
Was braucht man denn eigentlich, für einen gelungenen Slasher-Film (i.e. Subgenre des Horrorfilms, in welchem ein Killer eine Gruppe von bevorzugt Teenagern mit einem Messer oder ähnlichen Hieb- und Stichwaffen dezimiert)? Wenn man ganz ehrlich ist, nicht sehr viel: ein paar potentielle - meist gutaussehende - Opfer, einen überzeugenden Killer mit Kultpotential inklusive vergangenheitsbezogener Motivation, einen abgeschiedenen Fleck Erde, nackte Haut, etwas zu Lachen und viel Blut. Voilà!
Und was genau davon bietet nun Hatchet? Alles!
Ben (Joel Moore) und sein Kumpel Marcus (Deon Richmond) sind nach New Orleans gefahren und feiern dort den Mardi-Gras. Da aber Ben erst kürzlich von seiner Freundin verlassen wurde, hat er keine große Lust auf unzählige, freizügige Mädels mit großen Brüsten. Viel lieber würde er an einer "Haunted Swamp Tour" mitmachen und dabei ohne sexuelle Hintergedanken etwas Nervenkitzel verspüren. Obwohl Marcus davon alles Andere als angetan ist, will er seinen Kumpel nicht allein losziehen lassen und so kommt es, wie es kommen muss: Das Boot kentert mitten im Sumpf, und die Insassen - darunter ein älteres Paar, eine geheimnisvolle Schönheit und ein Filmemacher mit zwei Oben-Ohne-Schauspielerinnen - müssen den Rückweg zu Fuß antreten. Dies wäre jedoch im Grunde kein allzu grosses Problem, wäre da nicht der kürzlich auferstandene und extrem wütende Victor Crowley, der sich fortan einen Spass daraus macht, einen nach dem Anderen auf zum Teil innovative Weise ins Jenseits zu befördern.
"Victor Crowley lebt!" lautete die Botschaft im Trailer, und genau dies beweist der Film auf visuell eindrückliche Art und Weise. Doch wer ist dieser ominöse Victor Crowley überhaupt? Nun, man kann sagen, dass er ein Hybrid aus Michael Myers (er kommt an Halloween zurück), Freddy Krüger (er ist durch Verbrennung gestorben) und Jason Vorhees (er ist ein massiv entstelltes Kraftpaket) ist. Natürlich ist dies nicht sonderlich innovativ, doch handelt es sich hier eindeutig um eine Hommage an eben diese Größen des Slasher-Genres, weswegen man den Umstand als gewollt und dabei auch gelungen ansehen kann, und im Grunde auch so verstehen muss. Einen erheblichen Unterschied gibt es jedoch: Viktor Crowley ist kein Sprücheklopfer, schleicht sich nie an, schlägt nicht in Träumen zu und ist dennoch alles Andere als ein lautloser Zeitgenosse. Immer wieder greift er gleich die komplette Gruppe lauthals und ohne Deckung an... und genau deswegen - weil nie jemand damit rechnet - ist er auch so erfolgreich in seinem Hobby.
Hatchet beginnt, nach dem obligaten und typischen Intro, mit einem wunderbar gefilmten Vorspann, welcher mit Marilyn Mansons "New Shit" optimal unterlegt wurde. Neben mehreren Regie-Kniffen und einem guten Auge für die Inszenierung im Allgemeinen, liefert uns Adam Green (Coffee and Donuts) außerdem einen zwar abrupten, aber doch intelligenten Schluss. Man merkt, dass dieser Mann hier genau wusste, was er vor hatte und man darf gespannt sein, was uns von seiner Seite in Zukunft noch alles geboten wird.
Joel Moore (Grandma's Boy, Art School Confidential) darf hier zur Abwechslung mal den sympathischen Helden mimen und überzeugt mit seiner zurückhaltenden Art bis zum Schluss. Sein bester Freund, wird von Deon Richmond (Scream 3, Nicht noch ein Teenie-Film!) gespielt, welcher es versteht viel Humor und Realismus in seine Rolle zu bringen. Neben diesen beiden belegt Tamara Feldman (Verführung einer Fremden) als Marybeth die dritte Hauptrolle, und auch bei ihrer Darstellung gibt es offen gesagt nichts auszusetzen. Man merkt hier einfach, dass eine extreme Motivation bei den Dreharbeiten vorhanden war, und das lag sicherlich nicht nur an der Anwesenheit (bzw. dem Mitwirken) von Kane Hodder (Jason X, TDR - The Devil's Rejects), Tony Todd (Candyman, Final Destination) und Robert Englund (A Nightmare on Elm Street, 2001 Maniacs) am Set.
Natürlich ist Hatchet immer wieder etwas vorhersehbar und nur wenig innovativ, aber das verlangt ein Slasher-Fan von solch einem Film auch gar nicht. Was man aber erwartet, bekommt man hier auch geboten: Brüste und Blut en masse! Wen das nicht anspricht, der muss sich auch nicht die Mühe machen die DVD aus der Hülle zu nehmen. Doch wer genau danach sucht, kommt an Victor Crowley nicht vorbei und wird dabei sicherlich nicht enttäuscht werden. Let the swamp-tour begin... and the heads roll!