Ein Patient in der Nervenheilanstalt verliebt sich in ein Mädchen, das sich für einen Cyborg hält und deshalb nichts essen will. Mit technischer Expertise baut er das Mädhcen langsam um. Park Chan-wook legt mit dem schrägen I'm a Cyborg, but that's okay eine subtile Fabel vor, die alle visuellen Stärken des asiatischen Kinos demonstriert.
Gestern noch bewegten sich seine Figuren nur am Rande des Wahnsinns. Heute sind sie einen Schritt weiter. Koreas Park Chan-wook, der mit seiner Rache-Trilogie (Sympathy for Mr. Vengeance, Old Boy, Lady Vengeance) und einer ausgefeilten Bildästhetik Publikum wie Kritik gleichermaßen jubeln liess, schlägt mit I'm a Cyborg, but that's okay eine ganz neue Richtung ein und bleibt sich trotzdem treu. Natürlich erinnert die Geschichte um die Liebe eines jungen Patienten zu einem Mädchen, das sich für einen Roboter hält, die westlichen Zuschauer zunächst an Milos Formans Klapsmühlen-Drama Einer flog übers Kuckucksnest. Doch mehr als der Referenz an die allgemeine Metapher von der Welt als Irrenhaus folgt Park eher der vornehmlich japanischen Tradition der absurden Gesellschaftskritik wie in Ishi Sogos Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb (1984) oder Takashi Miikes Antwort Visitor Q (2000). Auch visuell orientiert sich der sonst so straff komponierende Park an den schräg-phantastischen japanischen Bilderstürmen wie Nakashimas Kamikaze-Girls (2003) oder Tetsuyas Memories of Matsuko (2006). Allerdings muss man gestehen, dass dies dank erschwinglicher CGI-Technik mittlerweile ein fast pan-asiatischer Trend ist (wie man an E J-yongs Dasepo Naughty Girls sehen kann) und auch der Kanadier Michel Gondry zuletzt das Arthouse-Publikum mit Pappmaché-Träumen (Science of Sleep - Anleitung zum Träumen, 2006) überraschte.
Die junge Young-goon (ein Wiedersehen mit Lim Su-jeong) hält sich für den titelgebenden Cyborg, doch okay ist mit ihr gar nichts. Die Neue in der idylischen Nervenheilanstalt ist ein Sorgenkind, weil sie folgerichtig keine Menschennahrung mehr zu sich nehmen mag und sich stattdessen lieber an Stromkabeln versucht. Die Patientengemeinschaft hat ihre ganz eigene Meinung über Young-goon. Nur Il-sun (Popstar Rain) hat sich eindeutig in das Mädchen verliebt, schon allein deshalb, weil ihr Dasein mit seiner Arbeit an einem esseren Schutzanzug (aus Papier) bestens zusammenpasst. Während Young-goon in vernünftigen Momenten davon träumt, mit den Maschinengewehren in ihren Fingern alles und jeden umzuballern, setzt Il-sun seine ganze Elektronik-Expertise ein, um ihren Cyborg-Körper auf menschliches Essen umzuprogrammieren. Darüber vergißt er bisweilen sogar seine Fähigkeit, in andere Menschen mutieren zu können...
Park Chan-wook ist eine phantasievolle Liebesgeschichte gelungen. Allergdings trägt er dem kommerziellen Anspruch des koreanischen Publikums Rechnung und streut immer wieder Eruptionen maßloser Gewalt ein. Die zarte Annäherung zweier vernunftloser Welten bis zu ihrer Verschmelzung bei einem gemeinsamen Campingausflug überrascht dennoch durch ihre wundervolle, faszinierende Bildsprache, die Ordnung, Raum und Zeit einfach ignoriert.
Auf Festivals gefeiert, dürfte sich die wahnwitzige verspielte Komödie vor allem ein experimentierfreudiges Publikum erobern, das Lust hat, die komplexen Untertöne der metaphernreichen Handlung zu entziffern. Anders als der verspielte Kanadier Gondry mag es Park dem Publikum nicht leicht machen und hat unter der Oberfläche der Liebesgeschichte so manche Falltüre eingebaut.