Basierend auf dem Bestseller Drachenläufer inszeniert Marc Foster (Monster's Ball) einen einerseits bewegenden, andererseits etwas zu glatten Film über die Menschen von Afghanistan. Durch Besatzung, Krieg und Terrorismus entstehen hier Geschichten, die einem hierzulande wie aus einer anderen Welt erscheinen.
Das Drachen steigen lassen ist eine alte Tradition in Afghanistan. Vor dem Krieg wurden unter Jugendlichen Turniere ausgetragen in denen es darum ging die Schnur eines gegnerischen Drachen abzutrennen. Dieses Schauspiel nahm Romanautor Khaled Hosseini zum Anlass sein Buch Drachenläufer darauf aufzubauen. Er beschreibt die Geschichte von zwei Freunden, die sich in den friedlichen Zeiten Afghanistans durch ein schreckliches Ereignis trennen.
Obwohl Hassan der Sohn eines Dieners von Amirs Vater ist, sind die beiden Jungen beste Freunde. Der Höhepunkt ist der Sieg beim jährlichen Drachen-Wettbewerb, der jedoch von einer schrecklichen Tat danach überschattet wird. Dieses Ereignis ist der Auslöser für die langsame aber stetige Trennung der beiden Freunde, die letztlich darin endet, dass Amir mit seinem Vater wegen der Kommunisten aus Afghanistan fliehen muss. Jahre später bekommt der Schriftsteller Amir in den USA einen Anruf von einem alten Freund seines Vaters, dass er "nach Haue" kommen müsse. Nun steht er vor der schweren Entscheidung all' diese schrecklichen Erinnerungen wieder in sein Gedächtnis zu rufen und in das zerbombte Afghanistan zurückzukehren.
Der Bestseller bietet für einen Kinofilm eine nahezu perfekte Geschichte. Im Kontext des überall drohenden Terrorismus das Leben von zwei Kindern aus Afghanistan zu zeigen, die innerhalb ihres Landes mit Vorurteilen und Verstoßung, sowie Gewalt zu kämpfen haben, birgt einiges an Potential. Marc Foster schafft es auch gekonnt durch tolle Sets sowie bemerkenswerte Schauspieler den Zuschauer sehr eng an dieser emotionalen Reise teilhaben zu lassen. Dennoch kommt man nicht umhin einige Schwachstellen zu bemerken, die den Filmgenuss deutlich trüben.
So wirkt die stark gekürzte Reise durch die 30 Jahre von Amirs Leben im Film ein wenig zu glatt. Zu naiv scheinen manche Ansätze und am Ende steht eine mögliche Aussage, die Foster aber weder unterstreicht noch verneint. Der Zuschauer wird allein gelassen mit seinen Gedanken und Vermutungen. Vielleicht ist es zwar das, was man bewirken wollte, die schwachen Andeutungen eines "Erwachsenwerdens" des Haupt-Charakters aber wirken wie eine leise Kritik zu der man keinen echten Mut hatte.
Drachenläufer ist für das interessierte Publikum ein sehr dicht inszenierter Film ohne größere Längen. Auch wenn man hier und da Kritikpunkte in der Kondensation des Romans anbringen könnte. Gegen Ende aber erwartet man sich eine deutlich klarere Position der Charaktere und auch des Regisseurs. Diese Stellungnahme wird zwar angedeutet aber konsequent verweigert, sodass ein leichter Nachgeschmack zurückbleibt.