Wenn sich eine Komödie selbst nicht ernst nimmt, dann besteht immer die Gefahr, dass sie flach wie ein schlecht verlegter Teppich vor den Schauspielern liegt und keinen Halt bietet, nicht mal den besten und gewandtesten unter ihnen, dass sie schnell zum rutschigen Klamauk verkommt und nur noch äußerst punktuell witzig ist. Genau das passiert im vorliegenden Fall, leider, und so bleibt letztlich nicht viel Erwähnenswertes, neben einigen gelungenen Szenen vor allem ein Schulterzucken und zwei hochgezogene Augenbrauen.
Charlotte Rampling (Swimming Pool, In den Süden) hatte schon immer diesen ganz besonderen Blick, nach dem man bei den allermeisten Schauspielerinnen, gleich welcher Generation, seit Lauren Bacalls Zeiten vergeblich Ausschau hält: geheimnisvoll, undurchdringlich, distanziert, verführerisch und stets ein wenig unnahbar. Und Jean Rochefort (Ein Elefant irrt sich gewaltig, Der Mann der Friseuse), mittlerweile 77 Jahre alt, hat in seiner unendlich langen Karriere vielfach unter Beweis gestellt, dass er sowohl in komischen als auch in ernsthaften Rollen bestehen kann. Gute Voraussetzungen also für eine Romantic Comedy. Da freut man sich doch drauf!
Es fängt dann auch gar nicht mal so schlecht an. Sie, Alice d'Abanville, ist bissig und unterkühlt, und er, Louis Ruinard, noch immer verschossen bis in den grauen Oberlippenbart und zu allem gewillt. Nachdem Alice, inzwischen eine gefeierte englische Theaterschauspielerin, eine vernichtende Laudatio auf ihn, den französischen Regisseur, der am Ende seiner Karriere steht, gehalten hat, sitzt sich das einstmalige Liebespaar alsbald gegenüber und tauscht nach drei Jahrzehnten Funkstille kleine Nettigkeiten aus.
Alice: "Wie geht's Deiner Mutter?" Louis: "Sie ist gestorben - sie wäre ja inzwischen auch schon 112." Alice: "Ja, sie hat Dich früh bekommen!"
Sieh an, sieh an, das ist richtig gut und geistreich und macht Appetit auf mehr, aber, tja, leider hat sich Drehbuchautor Antoine de Caunes, der gleichzeitig auch noch für die Regie verantwortlich zeichnet, von dieser Güteklasse nicht mehr allzu viel einfallen lassen. Von nun an geht's bergab, die Piste hinunter zu den Niederrungen des Humors: Hey Baby, I wanna know, if you be my girl, uh-ah... (um mal Dj-Ötzi zu zitieren).
Fast möchte ich's raus schreien, weil ich's nämlich nie verstehen werde: Wieso muss der adelige (und schwule) Ehemann ausgerecht Evelyn Gaylord heißen? Wieso muss der überaus hässliche Hund ständig in Louis Nähe furzen, nachts unter seinem Bett liegen und dessen letzte Viagra-Pille fressen? Wieso muss der (amerikanische?) Erdnussfabrikant eine nicht zu unterbieten dämliche Karikatur abgeben? Soll das (und noch einiges mehr) lustig oder gar originell sein? Ist es nicht. Wird es niemals sein. Nicht auf dem Papier und schon gar nicht auf Zelluloid.
Und so mühen sich die beiden Protagonisten, denen man trotz aller Belanglosigkeiten und Trivialitäten gerne zuschaut (auch wenn Rochefort mitunter zu sehr grimassiert), vergeblich ab und versuchen zu retten, was nicht zu retten ist. Immerhin wartet der Film zu guter Letzt dann noch mit einer wirklich köstlichen und angenehm dezenten Bettszene der beiden Senioren auf. Da wird nicht an Busen und Schwerkraft vorbeigefilmt (wäre auch nicht Ramplings Art), und die Tür fällt leise und taktvoll zum richtigen Zeitpunkt ins Schloss! Das versöhnt zwar nur ansatzweise, aber so kann man zumindest mit einem Lächeln aus dem Kino gehen - bevor man es, wie auch den Rest, ziemlich schnell und ganz gewiss vergessen wird.