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Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia

(The Chronicles of Narnia: Prince Caspian, 2008)

Dt.Start: 31. Juli 2008 Premiere: 16. Mai 2008 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Fantasy
Länge: 144 min Land: USA
Darsteller: Liam Neeson (Aslan), Warwick Davis (Nikabrik), Ben Barnes (Prince Caspian), Peter Dinklage (Trumpkin), William Moseley (Peter Pevensie), Anna Popplewell (Susan Pevensie), Georgie Henley (Lucy Pevensie), Skandar Keynes (Edmund Pevensie), Shane Rangi (Asterius), Sergio Castellitto (King Miraz), Pierfrancesco Favino (Lord Glozelle), Vincent Grass (Dr. Cornelius), Cornell John (Glenstorm), Alicia Borrachero (Queen Prunaprismia), Predrag Bjelac (Lord Donnon), Damián Alcázar (Lord Sopespian), Simon Andreu (Lord Scythley)
Regie: Andrew Adamson
Drehbuch: Andrew Adamson, Christopher Markus


Inhalt

Ein Jahr nach dem größten Abenteuer ihres jungen Lebens kehren die Kinder der Familie Pevensie nach Narnia zurück und müssen feststellen, dass dort 1000 Jahre verstrichen sind. Gleichzeitig haben sich die Machtverhältnisse in Narnia dramatisch verändert, denn das Land wird mittlerweile von dem tyrannischen König Miraz und seinen Telmarern regiert, die die zauberhaften Wesen und sprechenden Tiere unterdrücken und ausrotten. Zusammen mit dem rechtmäßigen Thronfolger Prinz Kaspian, dem Neffen von König Miraz, versuchen sie nun die Machtverhältnisse wieder zurechtzurücken.
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Kritik

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia hat eine Wertung von 50%
Die Fortsetzung des Weihnachtshits von 2005 setzt auf identische Attraktionen und bietet deshalb erneut Krieg, christliche Themen, seltsame Wesen aus diversen Mythologien und visuelle Effekte. Trotz straffer Handlungsführung kann Andrew Adamson nicht verhindern, dass die große Show leer und nicht innovativ wirkt.

Bild aus Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia Als wäre nichts gewesen, treffen sich die vier Pevensie-Geschwister nach der Schule am Bahnsteig der Londoner Tube. In ihren Schuluniformen sehen sie nicht gerade wie die Könige aus, die sie noch vor einem Jahr in Narnia waren. Doch der Schrank, der Löwe Aslan und ihr Fantasyreich sind Geschichte. Oder doch nicht?

Nur für sie erkennbar öffnet sich nämlich plötzlich ein Tor, das sie durchschreiten, und schon sind sie wieder zurück. Jemand muss sie gerufen haben und zwar mit Hilfe Susans magischem Horn, das sie damals zurückließ. Schnell erkennen sie, dass hier in Narnia viel Zeit vergangen ist. 1300 Jahre, um genau zu sein, Das Land wurde mittlerweile vom Volk der Telmarer erobert. Die überlebenden Narnier flohen in die Wälder, um nicht endgültig ausgerottet zu werden.

Ihre Hoffnungen liegen ausgerechnet auf Prinz Kaspian (Ben Barnes), dem telmarischen Thronerben. Der wurde von seinem Lehrer nicht nur in den alten Lehren der Narnier unterrichtet, sondern auch auf Toleranz und Humanismus trainiert. Allerdings ist er gerade auf der Flucht vor den Häschern seines Onkels, General Miraz (Sergio Castellitto), der die Macht an sich gerissen hat und mehr denn je die Vernichtung der Narnier vorantreibt.

Pete (William Moseley), Lucy (Georgie Henley), Susan (Anna Popplewell) und Edmund (Skandar Keynes) finden Unterstützung in dem grummeligen Zwerg Trumpkin (Peter Dinklage), der wagemutigen Maus Reepicheep sowie vielen anderen Fabelwesen wie Zentauren, Griffins oder Minotauren. Doch nach anfänglichen Erfolgen erleidet ihre zusammen gewürfelte Armee kurz vor der Eroberung der Königsburg eine Niederlage. Zu viele Anführer mit zu vielen eigenen Interessen haben den Sieg gekostet.

Nun müssen sie ihre Bergfestung gegen die telmarische Übermacht verteidigen und ihre einzige Hoffnung liegt in einem Wunder. Ein Wunder, das vielleicht Aslan heißt. Doch nur die unschuldige Lucy scheint ihn bislang gesehen zu haben...

Aufwand und Länge sind in etwa identisch mit dem Original von 2005. Mit allen vertrauten Gesichtern vor und hinter der Kamera geht die Fortsetzung der C. S. Lewis-Adaption und mit fast zwei Jahren Verspätung ins Rennen um die Gunst der Zuschauer. Ehrgeizig hatte man damals noch verkündet, die Fortsetzung gleich zur nächsten Weihnachtssaison in die Kinos zu bringen, wohl um den Hype der Fantasy-Welle zu nutzen. Der Bruch dieses Versprechens verwundert niemand, und weil die Effekttechnik seitdem wieder einmal einen Sprung gemacht hat, ist man auch ganz froh darüber, die zweieinhalb Jahre gewartet zu haben. Die Effektleute von WETA legen eben wie schon bei der Herr der Ringe-Trilogie Wert auf Qualität. Das ist für das kritische Auge auch schon die beste Nachricht in Bezug auf das Werk.

Augenscheinlich ist die Auflösung der ohnehin schwer zu definierenden eigenen Identität zugunsten einer Annäherung an die anderen erfolgreichen Fantasy-Serien. Helms Klemm, Zwerg Gimli und die wandelnden Ents - zum Herr der Ringe-Vorbild stoßen Anleihen bei Harry Potter und sogar von Shrek. Ein schrecklicher Missgriff, der nur damit entschuldigt werden kann, dass man Kinder und Familien zum (lukrativen) Zielpublikum auserkoren hat.

Verlierer der Feinjustierung sind die ohnehin lau gezeichneten Charaktere der Protagonisten, die zu keiner ernsthaften Entwicklung fähig scheinen (sieht man mal vom mittlerweile kleinlauten Edmund ab). Die vier Pevensies bleiben gerade aufgrund mangelnder Entfaltungsmöglichkeiten (Regie, Skript, Potenzial?) und der Leere der Dialoge immer in einer zwangsneutralen Distanz zum Publikum. Emotionen wirken aufgesetzt, Sympathien entstehen nicht. Ähnliches gilt für den nur äußerlich attraktiven Prinz Kaspian, der sich als Doppelung von Anführer Pete entpuppt und damit emotional obsolet ist. Peter Dinklages Figur darf man getrost als eine permanente Strafe für den kleinwüchsigen Darsteller verstehen. Sein schon oft bewiesenes Können geht in Grummeln und Augenrollen unter.

Einziger Lichtblick im Personal ist das italienische Bösewichten-Duo Sergio Castellito und Pierfrancesco Favino. Zusammen mit dem Mexikaner Damian Alcazar bringen sie zumindest etwas Farbe ins blasse Spiel, auch wenn es nur Schwarz ist. Doch nach ihrem großartigen "Macbeth"-Beginn verzichtet Regisseur Adamson auch auf ihre schauspielerischen Fähigkeiten. Im weiteren Verlauf posieren sie nur noch für die üblichen Stationen ihres obligatorischen Niedergangs - dem bitteren Ende allen Übels.

Die Dramaturgie von Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia begnügt sich mit Auftritten von wunderlichen wie einfallslosen Fabelwesen, dem Herumirren durch Wälder und natürlich vom Krieg. Statt Epik klappert Adamson lieber all die vermeintlichen Fantasy-Highlights ab, kann aber letztlich nur mit der bewaffneten Auseinandersetzung etwas anfangen. Nur da findet er die Muse, die einzelnen Sequenzen auszuwälzen, denn hier klirren die Schwerter, sterben die Kreaturen, werden Freunde im Pfeilehagel zurückgelassen (weil man für den Endsieg Opfer bringen muss), gibt es unterirdische Überraschungen und kommt es zu stundenlangen Fechtduellen zwischen Gut und Böse. In solchen Momenten manifestiert sich die Kernbotschaft vom bedingungslosen Glauben, welcher bei richtiger Anwendung auch in aussichtloser Lage ebenso sicher den Sieg bringt wie die Inquisition Geständnisse.

Mitunter ist der Religionskrieg etwas weniger offensichtlich als im ersten Teil. Dennoch manifestiert sich am Ende doch noch der Löwe Aslan als Deus ex Machina - für jene, die bedingungslos und mit reinem Herzen an ihn glauben. Aslans Rolle ist in diesem Zusammenhang natürlich recht dubios, schließlich nimmt Aslan den Tod seines Lehrer und Stepfather billigend in Kauf.

Generell leidet das Werk nicht nur unter den verballhornten christlichen Motiven, wenn auch weit weniger als Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia. Vielmehr irritiert einmal mehr die Freimütigkeit, mit der hier Kinder in den Krieg geschickt werden und das ganze auch noch als Familienunterhaltung verkauft wird. Ganz den FSK-Bestimmungen entsprechend wird auf Gewaltdarstellungen nicht verzichtet, sondern schlicht verzerrt, in dem man das Blut weg lässt. Das stete Argument, es sei nur Fantasy und/oder Unterhaltung, ändert nichts an der Tatsache, dass im ersten Teil Kinder ab 6 Jahren der Gewalt eines Krieges ausgesetzt wurden. Immerhin ist Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia wie die letzten Harry Potter-Filme oder Der Goldene Kompass in Deutschland erst ab 12 Jahren freigegeben. Aber diese verschärfte Freigabe hindert viele Eltern nicht, ihre Kleinkinder mit ins Kino zu nehmen. Eine echte Änderung wäre das Zielen auf ein anderes, ein erwachsenes Publikum. Trotz Kinder-Darsteller kann von Kinderunterhaltung keine Rede sein. Für Erwachsene, auf der anderen Seite, sind viele Elemente und Figuren wiederum zu kindlich, kindisch und zu albern, um höhere Unterhaltungsanspruche zu befriedigen.

So blass wie die Hauptfigur bleibt letztlich das ganze Werk in Erinnerung - eine laute, unruhige und dumpf unterhaltende Show ohne bleibenden Eindruck, die zwar nicht langweilt aber auch nicht mitreißt. In den USA erspielte sich das laue Actionfeuerwerk in drei Wochen bislang knapp $130 Mio. und konnte sich nicht gegen die Konkurrenz aus Indiana Jones und Iron Man durchsetzen.

von Harald Witz


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