Abgedreht heißt er und genau das, in einer schön zweideutigen Art, ist er auch. Der neue Film von Michel Gondry mit Jack Black und Mos Def als verzweifelte Hobby-Filmemacher, die versuchen die alte Videothek des Mr. Fletcher zu retten, indem sie versehentlich gelöschte Filme "schweden" (selbst nachdrehen) und für viel Geld verleihen. Den Spaß, den sie und alle anderen dabei haben, transportieren sie in die Kinosäle und sorgen damit für gute Laune und einen durchaus witzigen Film.
Nicht überall wo Komödie drauf steht ist auch Komödie drin. So kommt es leider nicht selten vor, dass selbst Starbesetzungen wie Jack Black (School of Rock), die schon durch ihre bloße Anwesenheit einen zum Lachen bringen, aufgrund flacher Witze und unnötiger Übertreibungen einfach nur nerven. Glücklicherweise beweist Michel Gondry (Vergiss mein nicht!) bei Abgedreht ein gutes Händchen und schafft es einen sehr erheiternden und gut gelaunten Film zu machen, in dem jeder für mindestens eine komische Einlage sorgen darf.
Um die Videothek "Be Kind Rewind" des alten Mr. Fletcher (Danny Glover) steht es nicht gut. Das Gebäude, in dem sie sich befindet, steht kurz vor dem Abriss und das Geschäft mit den veralteten VHS-Kassetten will einfach nicht so richtig laufen. Um sich neue Ideen zu verschaffen, beschließt der alte Mann die Leitung für kurze Zeit auf seinen "Ziehsohn" Mike (Mos Def) zu übertragen und eine kleine "Spionage-Reise" zu unternehmen. Während Mr. Fletcher sich also Inspiration bei der Konkurrenz, diversen DVD-Verleihen, sucht, nimmt Mike seine Aufgabe als Vertretung sehr ernst. Leider beherzigt er den letzten Rat, den er vor der Abreise seines Chefs bekommen hat, nicht gänzlich. "Lass Jerry nicht herein". Der durchgeknallte Typ von der Autowerkstatt nebenan (Jack Black) steht für pures Chaos. Nach einem misslungenen Sabotageakt am örtlichen Elektrizitätswerk, ist Jerry zu einem wandelnden Magnet geworden. Nichts ahnend betritt er mit dieser zerstörerischen Kraft ausgestattet die Videothek mit all den VHS-Kassetten. Es kommt, wie es kommen muss, alle Bänder werden gelöscht. Um nun zu verhindern, dass Mr. Fletcher etwas von ihrem Missgeschick erfährt, beschließen Mike und Jerry, die Filme, die Kunden ausleihen möchten, einfach selbst nachzuspielen. Unterstützung finden sie dabei in Alma (Melonie Diaz). Anfangs nur als Hinhaltetaktik gedacht, verbreitet sich diese neue Art von Film wie ein Lauffeuer im Viertel und plötzlich möchte jeder eine "geschwedete" Version seines Lieblingsklassikers haben. Die Kassen klingeln und alles scheint gut, bis die Klage der Filmverleihe wegen Copyrights-Verletzungen vor der Tür steht (in Form von Ms. Lawson alias Sigourney Weaver).
In der heutigen Zeit, in der die Worte "Copyright-Verletzung" und "Filmpiraterie" zum allgemeinen Wortschatz geworden sind, ist es umso witziger, wenn in einem Hollywood-Film die manchmal zu harte und wenig nachvollziehbare Vorgehensweise ins Lächerliche gezogen wird. So sehen sich die Helden aus Abgedreht plötzlich mit einer Klage über eine Summe von mehreren Milliarden Dollar und/oder mehreren tausend Jahren Gefängnis konfrontiert. Trotz der Einwände, dass sie die Filme doch selbst gedreht hätten, werden alle Bänder mit einer riesigen Walze dem Erdboden gleich gemacht. Dass man hierbei mit einem zwinkernden Auge arbeitet, zeigt Sigourney Weaver (Heartbreakers) nicht nur durch ihre Forderung an den Fahrer der Walze, besser noch ein drittes Mal über die Videokassetten zu fahren oder ihren schnippischen Einwand, dass nun wieder sie als die "Bösen" da stünden. Dennoch wird das Urteil von allen Beteiligten angenommen und man beschließt einen komplett eigenen Film zu drehen, um derartigen illegalen Handlungen aus dem Weg zu gehen. Somit werden die oft sehr strengen und übertriebenen Grenzen der Rechtsverletzung zwar als solche entlarvt, dennoch aber dezent darauf hingewiesen, dass es nun mal illegal ist und man lieber die Finger davon lassen sollte. Hier finden die Macher genau das richtige Gleichgewicht zwischen "witzige Verarsche" und "ernstes Thema".
Die Machart des Films, der sich zu einem großen Teil aus Szenen der "geschwedeten" Filme, sowie deren Entstehung, zusammensetzt, bietet eine lockere Alternative zu "normalen" Komödien. Allein die innovativen Ideen, wie man in eine "Low-Budget" Produktion Special Effects einbaut, sind für einige Lacher gut. Immerhin werden hier Filme wie Ghostbusters, Men in Black und auch King Kong nachgespielt. Hier wird man immer wieder vom Einfallsreichtum der Macher überrascht und von den schnellen Schnitten und Szenenwechseln zwischendurch auch optisch wach gehalten. Garniert wird das Ganze noch durch Szenen des "Abschlussfilms" der "Be Kind Rewind"-Crew, der, mit Hilfe eines Ventilators vor der Linse, im Stile eines Schwarz-Weiß Klassikers gedreht wurde.
Natürlich ist auch die beste Geschichte und innovativste Machart nichts wert, wenn man keine Schauspieler hat, die diese mit Leben füllen. Doch hier kann sich Abgedreht nun wirklich nicht beschweren. Neben Jack Black, dem die Rolle des chaotischen, magnetisierten Schrottplatzbewohners, der zum Superstar mutiert, ausgezeichnet steht, überzeugen auch Mos Def, als vermeintlich vernünftigerer Gegenpart, und Danny Glover, als veralteter Videothekenbesitzer, der den Zahn der Zeit verpasst hat. Doch auch die weibliche Besetzung steht dem in nichts nach. So kann unter anderem Melonie Diaz als weiblicher Star in den Eigenproduktionen und starke Führerin im Hintergrund eine solide, wenn auch nicht herausragende Leistung abliefern. In diesem Film darf jeder auf seine Weise zur Erheiterung des Publikums beitragen, sei es durch offensichtliche Alberei oder dezente Situationskomik.
Abgedreht ist auf jeden Fall eine willkommene und erfrischende Abwechslung im Sektor Komödien und leichte Unterhaltung. Wer also einfach mal wieder herzhaft lachen und diverse Blockbuster der vergangenen Jahrzehnte in neuem Gewand bestaunen möchte, der ist in der Videothek "Be Kind Rewind" auf jeden Fall goldrichtig und wird seinen Spaß mit der "abgedrehten" Truppe haben.