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Serienkiller brauchen Publikum - viel Publikum! Das Internet hat TV und Print als Massenmedium Nr. 1 längst abgelöst. Nun dient es soziopathischen Massenmördern als Bühne zur Selbstinszenierung. Einer entwickelt eine Art sadistisch-voyeuristische Gameshow und "Teilnehmer" gibt es reichlich. Daraus entsteht ein sehr menschlich inszenierter Thriller, mit einer gehörigen Portion Kritik in Richtung Entertainment-süchtige Gesellschaft. Sehenswert, gute Nerven vorausgesetzt.
Special Agent Jennifer Marsh (Diane Lane) ist Web-Ermittlerin beim FBI. Eine Art Magisches Auge, welches das Internet nach illegalen Aktivitäten durchforstet. Ob Download und Handel mit verbotener Pornographie, Passwortklau und elektronische Bankkontenplünderung, für all das ist die Abteilung Cyber-Kriminalität zuständig. Besonders schockierend und belastend ist dabei die Erkenntnis, dass viele Straftäter minderjährig sind. Da fragt man sich schnell, in was für einer Welt die eigenen Kinder aufwachsen und wie man sie vor diesem Schmutz schützen kann. Seit ihr Mann (ebenfalls Polizist) im Dienst getötet wurde, ist Jennifer allein erziehende Mutter und der Spagat zwischen einem Job, der einen schnell emotional abstumpfen lässt, und ihrer Rolle als liebevolle Mutter fällt nicht immer leicht. Eines Tages geht ein merkwürdiger Stream online. Die Seite trägt den nichts Gutes verheißenden Namen, killwithme.com. Ein Katzenbaby ist zu sehen, das allmählich zu Tode gefoltert wird. Es stirbt umso schneller, desto mehr User sich einloggen. Anfänglich halten es Jennifers Vorgesetzte für einen makaberen Scherz. Sogar als ein Mensch live und online zu Tode gefoltert wird, denken diese es wäre inszeniert. Das ändert sich schnell, als man dessen Leiche findet. Natürlich versucht das FBI die Seite vom Netz zu nehmen - vergebens. Der Killer ist zu raffiniert. Die Webseite ist auf unzählige, gehackte Server weltweit gespiegelt. Es folgen weitere Morde. Jedes mal denkt sich der Killer eine neue, tödlich endende Folterart aus, und jedes Mal wenn er wieder online geht, sind noch mehr Zuschauer da, die das Sterben mit ansehen wollen. Ein Ende ist nicht abzusehen, und irgendwann werden sogar Jennifer und ihre Tochter Spielbälle im Game des Cyber-Killers.
Diane Lane, in den 80ern als kommender Star am Hollywood-Himmel viel gerühmt, aber auch gelegentlich von der Kritik zerrissen, gelingt es in den letzten Jahren ihre Karriere wieder zu beleben. Schön zu sehen, dass selbst das oberflächliche US-Kino gelegentlich nicht nur auf Jugend und Sexappeal setzt, sondern auch Rollen für leicht gereifte Diven bereithält. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist die Herangehensweise von Untraceable an eine Thematik, die mehr als aktuell ist. Es ist sicherlich nicht so, dass das Internet alle möglichen Perversionen (neu) erfunden hat. Allerdings spendiert es jedem Irren, der es möchte, eine Plattform mit der er seine Obsessionen öffentlich ausleben und die Internet-Community daran teilhaben lassen kann. Schlimm ist, dass diese oftmals sensationslüstern genau darauf wartet. Wer ist hier also Schuldiger? Genau diese Frage versucht der Film zu beleuchten.
Die Darsteller wirken durchgängig sehr menschlich und verfügen über Schwächen und charakterliche Defizite. Da sind keine überzeichneten Figuren á la Agent Starling oder Hannibal Lecter zu finden. Diese Normalität macht insgesamt die Story recht glaubwürdig, wobei allerdings die psychologischen Profile der Figuren nicht wirklich tief ausgearbeitet sind. Treibendes Hauptmotiv der Storyline ist der menschliche Voyeurismus, wobei auch Motive der großen Vorbilder wie Das Schweigen der Lämmer oder 8mm wieder erkennbar sind. Trotzdem entwickelt Untraceable eine eigenständige Dynamik. Halbwegs Gedanken scheint man sich auch beim "Profiling" des Killers gemacht zu haben. Typisch für sadistisch veranlagte Serienmörder, befriedigt der erstmal seine Triebe an einem wehrlosen Tier, bevor er sich an einen Menschen herantraut. Unplausibel ist allerdings das Tempo, das er vorlegt. Nach dem Katzenbaby gleich ein Mensch. Glücklicherweise wird wenigstens versucht gegen Ende dafür eine Erklärung zu liefern. Trotzdem sollte man dennoch nicht ein Übermaß an plausiblen Erklärungsmodellen erwarten, vor allem das Ende wirkt ein wenig konstruiert. Wichtiger ist dennoch die Botschaft, an der durchaus viel Wahres dran ist. Die Kritik kann man sich durchaus zu Herzen nehmen. Vermutlich aber wird sich kaum einer zurückhalten können selber mal nachzusehen, was sich so auf www.killwithme.comabspielt. |