Einst hat sich der 70-jährige Linguistik-Professor Dominic Matei (Tim Roth) gegen die Liebe und für die Suche nach der Ursprache entschieden. Als er im Winter 1938 in Bukarest vom Blitz getroffen wird, kommt es zu einer wundersamen Verwandlung. Statt zu sterben verjüngt sich Dominic. Schon sind ihm die Nazis auf den Fersen. Fortan will Dominic in der Schweiz das Leben genießen. Doch das Schicksal hat noch einige ganz wunderliche Dinge mit ihm vor. Nach 10 Jahren Leinwand-Abstinenz meldet sich Regie-Ikone Francis Ford Coppola mit dem Starbesetzten Independent-Drama Jugend ohne Jugend nach dem komplexen Roman von Mircea Eliade zurück. Leider wirkt das Fantasy-Drama zäh und wenig kunstvoll.
Zehn Jahre war es still um Francis Ford Coppola. Eine ganze Kino-Generation ist in der Zwischenzeit erwachsen geworden. Dennoch ist Coppola noch immer ein Mythos. Immerhin hat der gewichtige Filmemacher mit Der Pate-Trilogie ein ganzes Genre geprägt und mit Apocalypse Now den ultimativen Anti-Kriegsfilm gemacht. Mit dem Schwarzweiß-Drama Rumble Fish erhob er das Sozialdrama zur Kunst und erweckte den berühmtesten Vampir mit Bram Stokers Dracula zu seinem wohl blutrünstigsten und gierigsten Leben. Leider war dies auch sein letzter kommerzieller Erfolg, denn kaum einer will den unsäglichen Jack (immerhin mit Robin Williams) je gesehen haben. Und an seine harmlose John Grisham-Verfilmung Der Regenmacher kann sich auch kaum einer erinnern. Böse Zungen behaupteten lange, er sei ausgebrannt. Und je länger seine Produktionslosigkeit, desto eher war man geneigt dieser These Glauben zu schenken. Derweil setzte seine Tochter Sofia die Oscar-Tradition für die Familie (Lost in Translation) fort und sein Neffe Nicolas Cage legte trotz Onkels vernichtendem Talent-Urteil eine Bilderbuch-Karriere hin. Für sein Comeback auf dem Regiestuhl zog es den mittlerweile 70-jährigen Filmemacher für seine kleine Independent-Produktion Jugend ohne Jugend nach Osteuropa. Die gleichnamige Novelle des rumänischen Religionswissenschaftlers und Philosophen Mircea Eliade hatte es ihm angetan - sein 18. abendfüllender Spielfilm. Auf den ersten Blick erscheint die komplexe Geschichte unverfilmbar. Nach der Betrachtung des zweistündigen Filmexperiments verstärkt sich dieser Eindruck. Coppolas Vision von Jugend ohne Jugend, die verschlungene Suche nach der Herkunft von Sprache und Bewusstsein, reduziert sich auf ein Zeit überwindendes Liebesdrama.
Bukarest 1938: dem 70-jährigen Professor für Linguistik, Dominic Matei (Tim Roth), will der Triumph seines Schaffens, die Entdeckung der Ursprache, nicht gelingen, weil sein Körper zusehends verfällt. Dem geplanten Selbstmord kommt ein Blitzschlag zuvor. Dominic erwacht im Hospital von Professor Stanciulescu (Bruno Ganz), der Zeuge einer ganz obskuren Wandlung ist: Dominic verjüngt sich zusehends, Haare und Zähne sprießen, jugendliche Spannkraft und Tatendrang durchdringen ihn. Weil die Nazis von diesem Wunder Wind bekommen, muss Dominic in die Schweiz fliehen, wo er auf die mysteriöse Veronica (Alexandra Maria Lara) trifft, die Dominics großer Liebe Laura (Lara) zum Verwechseln ähnlich sieht. Jene Liebe hat er vor vierzig Jahren zugunsten seines Wissensdurstes aufgegeben. Eine Entscheidung, die er immer bereut hat und vor der er nun noch einmal steht. Diesmal mit der Komplikation, dass Dominic partout nicht altern will.
Wie in Jack referiert Coppola über die Vergänglichkeit, die Lust der Jugend, die Last des Alterns und der Unmöglichkeit, die Zeit zurückzudrehen. Seine melancholische Literaturadaption präsentiert einen mutigen Tim Roth, die gelassenen Bruno Ganz und André Hennicke sowie eine dreifache Alexandra Maria Lara, der einmal mehr ihre rumänischen Wurzeln zugute kommen.
Allerdings scheitert Coppola an der Umsetzung der viel zu komplexen Vorlage. Mit Ausstattung versucht er die mangelnde Kontrolle über den Stoff und das zum Teil steife Spiel der Darsteller zu übertünchen. Aber leider strahlen weder pittoreske Schauwerte noch die Geschichte so etwas wie Faszination aus. Ein wenig nackte Haut und unmotivierter Sex sollen die Experimentierfreude des Amerikaners demonstrieren, der hier mit bedeutungsschwangeren, aber auch sinnfreien Bildern dem europäischen Kino nacheifert, statt selbst Maßstäbe zu setzen. Coppolas Version von Jugend ohne Jugend gerät zum wirren Klamauk, weil er weder das Motiv der Sprache noch das des Alterns befriedigend erörtern kann. Besonders mit der Linguistik steht er auf Kriegsfuß und zieht sich oft in stereotype, schlaffe Bilderwelten auf Fernsehniveau zurück. Darüber hinaus sorgen Mihai Malaimares unnötige Kamera-Eskapaden für Unmut. So versinkt die komplizierte Handlung in einfältiger Langeweile. Jugend ohne Jugend ist mehr als Jack das gescheiterte Experiment eines der größten Filmemacher unserer Tage. Diesen verunglückten Film hat Coppola nicht verdient.