Es sollte das Kinoereignis dieses Sommers werden. Einer der teuersten und aufwendigsten Filme aller Zeiten. Das bisher ergeizigste Projekt des Erfolgsproduzenten Jerry Bruckheimer und des Aktiongaranten Michael Bay. Ein Film der von einem tragischen Kapitel in der amerikanischen Geschichte handelt. Es wurde also zweifelsohne eine Menge Herzblut und ein ganzer Batzen Geld in dieses Epos investiert. Einige haben bereits einen Ausnahmefilm à la Titanic am Horizont zu erblicken geglaubt. Da wundert man sich dann als Zuschauer doch ein wenig, warum das Endprodukt so unglaublich entäuschend ausgefallen ist. Natürlich gibt es viele Menschen, die einen Film aus dem Hause Bruckheimer/Bay bereits von vornherein als vollkommen übetriebenes Actionmärchen abstempeln, doch ich für meinen Teil konnte mich für Streifen wie The Rock - Entscheidung auf Alcatraz oder auch Armageddon durchaus begeistern. Mich hat es eigentlich nie gestört, daß sich die Amis in ihren Filmen stets heldenhaft zu inszenieren verstanden und eine Priese Patriotismus konnte mich ebenfalls nie abschrecken. Als ich hörte, daß in Pearl Harbor eine fiktive Liebesgeschichte im Vordergrund steht, konnte mir auch das meine Vorfreude auf den Film nicht vermiesen, denn schließlich hatte diese Kombination bei Titanic ja auch wunderbar funktioniert. Bis gestern schien es mir absolut unmöglich, von diesem Film entäuscht zu werden und dann ist es doch passiert.
Ich weiß gar nicht so recht wo ich mit meiner Kritik anfangen soll. Sprechen wir doch erst einmal über das schwache Drehbuch. Es ist ja wie bereits gesagt keine schlechte Idee, eine Lovestory in so einen Film einzubauen, um Identifikatinsfiguren für das anstehende Disaster zu schaffen, doch man hätte diese vielleicht ein wenig kompakter und geradliniger gestalten sollen. In der ersten Stunde passieren so viele Dinge und alles so schnell, daß die Handlunsgweisen und Gefühle der einzelnen Figuren nicht mehr nachvollziehbar sind. Liegt natürlich auch daran, daß die Charaktere größtenteils sehr lieblos und eindimensional geschrieben sind. Doch nicht einmal die Story über die Dreiecksgeschichte zwischen zwei besten Freunden und einer hübschen Krankenschwester war Autor Randall Wallace genug. Er mußte auch noch eine Vielzahl von Subplots wie zum Beispiel das heroische Verhalten eines schwarzen Schiffskochs (Cubja Gooding Jr) oder das eines älteren Pliotenausbilders (Alec Baldwin) miteinbauen, wodurch die Handlung einfach zu überladen und einige der Schauspieler total verschenkt wirken. All diese kleinen Nebenhandlungen hätte man sich sparen und die dadurch gewonnene Zeit für die Geschichte der drei Hauptfiguren verwenden sollen. Etwa nach der Hälfte des Films beginnt dann mit dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor, der Part auf den man als Zuschauer verständlicherweise am meisten gewartet hat. Der etwa 30 Minuten lange Teil ist mit seinen spektakulären Flugsequenzen, Stunts und Explosionen ganz klar das Highlight des Films. Wenn es darum geht eine Actionsequenz gut in Szene zu setzen, ist Michael Bay ohne Frage der richtige Mann für den Job. Das konnte er auch diesmal wieder eindrucksvoll unter Beweis stellen. Doch nach etwa einer halben Stunde ist das Effektefeuerwerk auch schon wieder vorbei und nun gilt es die einzelnen Storyfäden aufzugreifen, um sie zu einem zufriedenstellenden Ende zu verknüpfen.
Wer jetzt glaubt, ein amerikanisches Volk erleben zu dürfen, daß sich plötzlich seiner eigenen Verwundbarkeit bewußt wird, der irrt gewaltig. Ganze fünf Minuten werden darauf verwendet, den Zuschauern die Tragik des Angriffs auf Pearl Harbor vor Augen zu führen. Was dann folgt ist eine nervige Aneinaderreihung von Szenen in denen einem klar gemacht wird, daß man den Japanern diese Aktion nicht durchgehen lassen kann und zwar nicht deswegen weil es ein äußerst feiger und fieser Angriff gewesen ist, sondern weil dieser feige und fiese Angriff gegen die USA verübt wurde. Denn die Amerikaner waren wenn man den Protagonisten des Films Glauben schenken darf immer die überlegenere Nation und haben nie etwas auf sich sitzen lassen und deshalb müssen sie auch jetzt ihre Stärke demonstrieren. Zum ersten Mal hat mich der Patriotismus der Amis wirklich angekotzt. In einer der lächerlichsten Szenen überhaupt richtet sich Präsident Teddy Roosevelt mühevoll aus seinem Rollstuhl auf und erklärt mit eiserner Stimme, daß für einen Amerikaner nichts unmöglich ist. Das gesamte letzte Drittel des Films verfolgt eigentlich nur zwei Ziele: Zum einen werden jede Menge amerikanische Helden kreiert, um sie anschließend kräftig zu feiern. Zum anderen wird die verfahrene Situation der drei Hauptfiguren zu einem aufgezwungenen Happy End geführt. Die Geschichte kommt einem zum Schluß so unglaublich dämlich konstriert vor, daß man jegliches Interesse an den Ausgang des Films verliert.
Alles in allem versucht Pearl Harbor zwanghaft ein Film für jedermann zu sein. Ein Schuß Romantik, eine Priese Humor, ein Eimer Patriotismus, sowie jede Menge Action und das ganze auch noch vor einem historisch interessanten Hintergrund. Doch das Titanic-Rezept ging in diesem Fall nicht auf, da es den Verantwortlichen nicht gelang all die verschiedenen Elemente erfolgreich unter einen Hut zu bringen. Einzig und allein der Action-Part ist vortrefflich gelungen, wobei einem Michael Bay's Inszenierung nach drei Stunden leider auch gewaltig auf den Sack geht. Ab einem gewissen Zeitpunkt verlieren nämlich auch die schön gefilmten Slowmotions ihren Effekt, vor allem wenn sie durchgehend mit dem selben einheitlichen Score unterlegt sind. Bei Filmen wie Bad Boys oder Armageddon reichte die typische Michael Bay Ästhetik noch locker aus, um einen unterhaltsamen Kinoabend zu gewährleisten. Diese Filme hatten zwar keine intelligente Story oder glaubwürdige Charaktere, erfüllten jedoch ihre Aufgabe als gut inszenierte Popcorn-Filme bei denen man sein Hirn ausschalten und sich der vollkommen übertriebenen Geschichte hingeben konnte. Bei einem Film wie Pearl Harbor reicht eine bildgewaltige Inszenierung allein jedoch nicht aus. Da muß man nicht nur als Zuschauer, sondern auch als Regisseur von vornherein ganz andere Ansprüche stellen, denn bei dieser Geschichte handelt es sich um ein historisch wichtiges Ereignis und da sollte man vielleicht mit ein wenig mehr Feingefühl heran gehen. Michael Bay hat jedoch den gleichen banalen Käse wie immer gedreht. Dabei hätte man aus der Story problemlos einen guten Film machen können. Sehr schade.
Ich würde Euch an dieser Stelle gern davon abraten, in diesen Film zu gehen, doch das hat wahrscheinlich keinen Sinn. Pearl Harbor ist nun mal einer der großen Blockbuster dieses Jahres und daher werden sich die meisten wohl selbst von der Qualität des Films überzeugen wollen. Hiermit seid ihr jedoch schon einmal davor gewarnt, mit einer zu großen Erwartungshaltung ins Kino zu gehen. Dadurch wird hoffentlich auch die Entäuschung kleiner ausfallen.